Ein Halbjahr mit Höhen, Tiefen und traurigem Ende

Jahresrückblick des Fanclubs (Teil 1)

Regenbogenfahnen am Fritz-Walter-Stadion (Foto: mg)

Regenbogenfahnen am Fritz-Walter-Stadion (Foto: mg)

Für viele FCK-Fans wird das Jahr 2016 in keiner besonders guten Erinnerung bleiben. So manche sportliche Enttäuschung und viele Turbulenzen begleiteten die Fans des Traditionsclubs aus der Pfalz. Menschen kamen und gingen, allzu oft und allzu heftig hat uns alle die leidige Vergangenheit eingeholt und an vielen Stellen hat durch unzählige Spannungen auch im letzten Jahr die Umgangskultur merklich gelitten. Auch für uns als Fanclub bereitete so manche Begebenheit rund um den Betzenberg Unbehagen und viel zu selten Anlass zu unbändiger Freude.

Doch unser Fanclub-Jahr hatte auch außerhalb des Geschehens auf dem grünen Rasen so manches zu bieten, was viel Freude bereitet hat und was das nun abgelaufene Jahr in ein etwas positiveres Licht rückt. Auch wenn manche Veranstaltung die wir besucht oder organisiert hatten, manches Engagement, das wir an den Tag gelegt hatten bisweilen anstrengend war und reichlich Kraft gekostet hat. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Hier ein paar Erinnerungen an ein turbulentes erstes Halbjahr. Zahlreiche Bilder zu den erwähnten Events finden sich auch in der Bildergalerie Album 2016.

Drei intensive Tage in Gelsenkirchen. 18. QFF-Tagung (©mg)

Auftakt in Gelsenkirchen. 18. QFF-Tagung (Foto: mg)

Januar
Die Profis des 1.FCK weilten gerade im Trainingslager in Spanien, da kam der erste Paukenschlag am Betzenberg. Stefan Kuntz, bereits seit 2008 Vorstandsvorsitzender des 1.FCK, gab seinen Rücktritt zum Ende der Saison bekannt! Diese Entscheidung katapultierte den Traditionsverein mitten in der kalten Jahreszeit in eine ziemlich hitzige Phase. Der Aufsichtsrat war bemüht das Führungsgremium komplett neu zu besetzen während sich die Fangemeinde die Köpfe heiß diskutierte. Teilweise leider auf sehr niedrigem Niveau. Für den Fanclub begann das Jahr 2016 dagegen eher verhalten. Erst zur Monatsmitte stand der erste Pflichttermin an. Mit einer zweiköpfigen Delegation reisten wir zur Frühjahrs-Tagung der QFF (Queer Football Fanclubs) ins winterlich verschneite Gelsenkirchen. Die Kolleginnen und Kollegen von Andersrum auf Schalke waren Ausrichter der 18. Halbjahres-Tagung des Netzwerkes queerer Fußball-Fanclubs. Es wurde ein arbeitsreiches aber auch unterhaltsames Wochenende! Wenige Tage danach ging unser Blick nach Berlin. Dort hatte ein international besetztes Team von Kuratoren und Kuratorinnen die Ausstellung SuperQueeroes für das Schwule Museum konzipiert und zusammengestellt. Einer davon war Markus Pfalzgraf, leidenschaftlicher Fan des 1.FC Kaiserslautern und Mitglied bei den Queer Devils ist. Den ersten Monat des Jahres rundete für uns eine echte FCK-Ikone ab. Norbert Thines wurde zum Ehrenbürger der Stadt Kaiserslautern ernannt! Da unser Alt-Präsident seit Jahren eine rührige und engagierte Beziehung zu unserem Fanclub pflegt, war auch jemand aus unseren Reihen als Gast zu der glanzvollen Veranstaltung geladen. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Ernüchterung gegen Union Berlin (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ernüchterung gegen Union Berlin (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Februar
Der zweite Monat des Jahres stand wieder ganz im Zeichen des Fußballs und des Fußballgeschehens. Den Auftakt nach der Winterpause bildete bereits der 20. Spieltag. Die Roten Teufel empfingen den 1.FC Union Berlin, deren Fankultur wir vorab etwas näher beleuchtet hatten. Das Spiel selbst verlief dann alles andere als erfreulich für die Roten Teufel. Nach einer 2:0 Führung zur Pause hieß es am Ende 2:2! Eine unglückliche und unnötige Punkteteilung. Der Enttäuschung folgte schnell wieder leichte Euphorie. Eine Woche später glänzte der FCK bei einem deutlichen 4:0 Sieg in Paderborn. Wiederum eine Woche später musste sich der FCK gegen den 1.FC Heidenheim erneut mit einem Remis vor heimischem Publikum zufrieden geben. Trotz Führung kassierten die Jungs von Konrad Fünfstück erneut kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer. Am letzten Februar-Wochenende ging der FCK erneut baden. Mit einer schwachen Mannschaftsleistung war im Breisgau nichts zu holen. Der SC Freiburg entschied die Partie mit 2:0 für sich. Fünf Punkte aus vier Spielen, für die Ambitionen des Vereins zu wenig. Es wurde unruhig um den Betzenberg! Unruhe verbreiteten im Februar auch Fußballfans in ganz Europa. Mit einem offenen Brief an die Mitglieder des UEFA-Exekutivkomitees. Gegenstand der Kritik, die Disziplinar- und Sanktions-Politik bei Rassismus-Vorfällen. Die QFF und wir als Fanclub unterstützten die Initiative ebenso wie auch einige andere FCK-Fanclubs. Ach ja, dann gab es bei der traditionellen FCK-Hautnah-Veranstaltung natürlich auch noch einen kurzweiligen Nachmittag in Waldsee. Mit Gerry Ehrmann, Antonio Colak, Chris Löwe und Erik Wekesser sowie zahlreichen FCK-Fans aus der Vorderpfalz und vielen Mitgliedern des gastgebenden FCK-Fanclubs Westkurve 80 Waldsee.

Sinnbild für das Spiel gegen die Löwen, Jon Dadi Bödvarsson, Tim Heubach. Der FCK verlor 0:1 (Foto: Thomas Füssler)

Sinnbild für das Spiel gegen die Löwen, Jon Dadi Bödvarsson, Tim Heubach. Der FCK verlor 0:1 (Foto: Thomas Füssler)

März
Der Frühlingsmonat avancierte sportlich für den FCK zu einer regelrechten Katastrophe! Ein ganzer Monat ohne einen einzigen Punktgewinn! Zu zwei Heimniederlagen ohne eigenen Treffer gesellten sich noch zwei Auswärtspleiten. Doch der Reihe nach. Am Monatsanfang gastieren die Münchner Löwen auf dem Betzenberg. Auch hier hatten wir uns vor dem Hintergrund der vielbeschworenen Fanfreundschaft mit den Löwen, die dortige Fankultur mal etwas näher betrachtet. Am Dienstag unter der Woche setzte es gegen die Löwen am 24. Spieltag dann die fünfte Heimniederlage der Saison. Für die Fangemeinde im Lager der Roten Teufel ein Desaster. Schon drei Tage später gab es für den FCK im Frankenland nichts zu holen. Mit 2:1 siegte der 1.FC Nürnberg gegen kämpferische Lauterer. Der Siegtreffer fiel erst kurz vor Schluss. Es war die dritte Niederlage in Folge. Weitere drei Tage später gastierte der VfL Bochum zum ungeliebten Montagabendspiel am Betzenberg. Die vielzitierte graue Maus aus dem Pott mit einer durchaus illustren Fankultur, was wir im Vorbericht gleich von mehreren Seiten beleuchtet hatten. Vor einer Negativkulisse von nicht einmal 20.000 Besuchern entführte auch der VfL die Punkte aus Lautern. Ein eher harmloser FCK zeigte sich zwar bemüht, musste sich jedoch am Ende mit 0:2 geschlagen geben. Damit allerdings nicht genug. Angeblich sind aller guten Dinge ja drei. Aller schlechten Dinge hingegen scheinen offensichtlich fünf zu sein. In Düsseldorf setzte es die fünfte Niederlage in Folge! Nachdem die Roten Teufel zur Pause bereits mit 1:3 hinten lagen, erarbeiteten sich die Jungs zwar noch den 3:3 Ausgleich, mussten aber in der Schlussphase noch den Siegtreffer der Rheinländer hinnehmen. Ein bitterer Fußballmonat! Da war es für unseren Fanclub hilfreich, dass es noch andere Themen gab, denen wir uns zu widmen hatten. Da half beispielsweise eine zweitägige Tagung zur Mitgliederversammlung von QueerNet-RLP in Trier. Arbeitsintensiv aber auch verbunden mit vielen schönen Begegnungen.

Traf gegen Leipzig erstmals vor heimischem Publikum; Kacper Przybylko (Foto: Thomas Füssler)

Traf gegen Leipzig erstmals vor heimischem Publikum; Kacper Przybylko (Foto: Thomas Füssler)

April
Für uns ein arbeitsintensiver Monat. Es ging auf die Zielgerade der Vorbereitungen zu den IDAHOT-Aktionswochen. Jede Woche Abstimmungstermine, Webseitenbeiträge, Mailschlachten, Sitzungen, Telefonate. Da steckte schon mächtig Arbeit drin! Während die Verantwortlichen bei den Queer Devils bis zur Halskrause in Organisationsarbeit steckten, lief es im April für die Roten Teufel sportlich deutlich besser. Der FCK empfing zunächst den SV Sandhausen. Für uns Anlass bei dem Verein aus Nordbaden mal etwas hinter die Kulissen zu blicken und das Nebeneinander von Bodenständigkeit und Profiarbeit zu beleuchten. Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge gelang gegen den SV Sandhausen dank der Wikinger-Connection ein 2:0 Sieg vor heimischem Publikum. Eine Woche später stand das Südwestderby gegen den Karlsruher SC auf dem Zettel. Im Vorbericht hatten wir vor allem die dortigen Kollegen der Wildpark Junxx im Fokus. Knapp 30.000 Besucher sahen ein emotionales Spiel, leider ohne Tore. Aber der eine Punkt sorgte am Betzenberg für etwas mehr Ruhe. Eine Woche später ging es nach Ostwestfalen und dort sicherte sich der 1.FCK bei Arminia Bielefeld mit einem knappen und verdienten Sieg drei weitere wichtige Punkte. Nach der Länderspielpause ging es vor heimischem Publikum weiter, gegen den geschmähten „Subventions-Emporkömmling“ aus Leipzig. Bereits zum zweiten Mal hatten wir in einem Vorbericht nach Sachsen geschaut, um den Gerüchten eines Stadionneubaus nachzugehen. Emotional wurde es dann bei der Partie gegen die „Brause-Sachsen“. Der FCK blieb dabei auch im vierten Spiel gegen das Leipziger Millionenprojekt ungeschlagen. Mit 1:1 vor heimischem Publikum erkämpften sich die Roten Teufel gegen den Brauseclub einen verdienten Punkt. Am darauffolgenden Freitag ging es dann nach Hessen. Der FCK drehte am Bornheimer Hang die Partie gegen den FSV Frankfurt nach Rückstand und gewann noch souverän mit 4:1.

Der Mai stand im Zeichen des IDAHOT. Hier das offizielle Logo in Kaiserslautern

Der Mai stand im Zeichen des IDAHOT. Hier das offizielle Logo in Kaiserslautern

Mai
Ein Monat mit dicht gedrängtem Terminkalender. Gleich zu Anfang der Start zu den Aktionswochen rund um den IDAHOT. Zusammen mit den anderen queeren Lauterer Gruppen hatten wir fast ein Jahr lang auf die Veranstaltungsreihe hingearbeitet. 18 bunte Veranstaltungen waren das stattliche Ergebnis der monatelangen Vorbereitungen. Den Auftakt gab es am 4. Mai zusammen mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel, der die Schirmherrschaft übernommen hatte. In der Stadt warben immerhin fünfzig  Regenbogenflaggen als sichtbares Zeichen für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft (Bildergalerie). Das erste Event zu den Aktionswochen trugen die Queer Devils bei. Bei Bilderbuchwetter und einer Rekordbeteiligung feierten Mitglieder und Freunde des Fanclubs in Otterbach beim traditionellen Grillfest bis spät in die Nacht (Bildergalerie). Einen Tag später gab es im Rahmen des letzten Heimspiels im Fritz-Walter-Stadion dann mit KISS-THE-PRIDE unseren zweiten Beitrag zu den IDAHOT-Veranstaltungen (Bildergalerie). Beim letzten Heimspiel der Saison sorgte der FCK mit einem 3:1 Heimsieg gegen Greuther Fürth für einen versöhnlichen Abschluss vor heimischem Publikum. Obwohl der Nachmittag für einige Akteure in Diensten des FCK auch ein tränenreicher Abschied war. In der darauffolgenden Woche hatten dann der 1.FCK und die Queer Devils im Rahmen der Aktionswochen zu einer Buchlesung ins Fritz-Walter-Stadion eingeladen. Mehr als 30 Besucher überraschten dabei auch die beiden Autoren Dirk Leibfried und Andreas Erb (Bildergalerie). Vor der letzten Saisonpartie beim Gastspiel auf dem Kiez in Hamburg war nochmal Ärmel hochkrempeln angesagt. Bei einem gemeinsamen Basteltag wurde den Utensilien für die Folgewoche der letzte Schliff verliehen (Bildergalerie). Lustig war’s!

Verließen den FCK am Saisonende; v.l., Jean Zimmer, Markus Karl, Chris Löw, Antoni Colak, André Formitschow (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Verließen den FCK am Saisonende; v.l., Jean Zimmer, Markus Karl, Chris Löw, Antoni Colak, André Formitschow (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der letzte Spieltag am dann darauffolgenden Wochenende war für uns Anlass zu einer mehrtägigen Fahrt nach Hamburg. Ein wenig Seeluft schnuppern und sich hanseatischer Gelassenheit hingeben, trotz des wechselhaften Wetters eine echte Wohltat (Bildergalerie). Das Spiel gegen den FC St.Pauli am Sonntag bot dazu weniger Anlass. Die Roten Teufel holten sich bei den Kiezkickern eine deftige Niederlage ab und unterlagen mit 5:2! Zurück in Kaiserslautern stand dann das Highlight an, der eigentliche IDAHOT Aktionstag an der Stiftskirche. Ein buntes und beeindruckendes Bild rund um unseren gemeinsamen Info-Pavillon, tolle Redebeiträge, zahllose interessante Gespräche, süße und würzige Leckereien für Zwischendurch und ein eindrucksvoller Flash-Mob rundeten das bunte Bild des Events in der Innenstadt ab (Bildergalerie). An den restlichen Tagen des Monats bestimmten die noch ausstehenden Veranstaltungen den Terminkalender. Ob queere Führung durch Lautern (Bildergalerie), Vortrag zur NS-Zeit, Kerwe-Rundgang, Filmvorführung im Union, Schwuler Stammtisch oder Hoffest der LJM (Bildergalerie), es gab noch so manches Schmankerl im Programm, die auch wir leider nicht alle besuchen konnten.

Eine Woche Ort des Gedenkens an der Stiftskirche; Mahnwache für die Opfer in Orlando (Foto: mg)

Eine Woche Ort des Gedenkens an der Stiftskirche; Mahnwache für die Opfer in Orlando (Foto: mg)

Juni
Die Saison war vorbei. Am Betzenberg war mittlerweile ein neues Führungsgremium installiert und bereitete sich bereits seit Wochen auf die neue Saison vor. Trotz Sommerpause gab es für uns dennoch den einen oder anderen Termin. Zusammen mit QueerNet-RLP und den Lauter Jungs & Mädels e.V. ging es am 4. Juni zum Rheinland-Pfalz Tag nach Alzey. Ein bunter Infostand sorgte für reichlich Aufmerksamkeit und interessante Gespräche (Bildergalerie). Am 15. Juni hatte der 1.FCK trotz Sommerpause Grund zum Feiern. Zum 25. Mal jährte sich an diesem Tag die unvergessene Deutsche Meisterschaft aus dem Jahr 1991. Rund 200 Fans hatten sich in den VIP-Räumen der Nordtribüne eingefunden, um zusammen mit einigen der einstigen Helden gemeinsam zu feiern. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Besuch des FCK-Museums (Bildergalerie).Am Wochenende darauf fand dann das letzte Event im Rahmen der Aktionswochen statt. Die RosaTeufel nahmen in Karlsruhe am Jubiläums-Fußballturnier teil und belegten einen achtbaren vierten Platz. Auch zwei unserer Mitglieder waren unter den Aktiven (Bildergalerie).Bereits am 12. Juni hatte ein Ereignis vom anderen Ende der Welt für schockierende Fassungslosigkeit gesorgt. In Orlando tötete ein Attentäter in einer schwulen Diskothek 49 Menschen und verletzte zahlreiche Besucher teils schwer. Die queeren Lauterer Gruppen hatten daher für den 20. Juni die Bevölkerung zu einer Mahnwache an die Stiftskirche in der Lauterer Innenstadt eingeladen. Eine bewegende Veranstaltung zum Gedenken der vielen sinnlosen Opfer und für uns ein trauriger Schlusspunkt eines turbulenten und erlebnisreichen ersten Halbjahres (Bildergalerie).

mg


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