Kalte Dusche im eisigen Erzgebirge

Aktivere zweite Halbzeit reicht nach schwacher erster Hälfte nicht für Zählbares

Luftkampf, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Luftkampf, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es bleibt dabei, für den 1.FCK gibt es im Erzgebirge nicht viel zu holen. Auch im siebten Anlauf gab es für die Pfälzer dort keinen Dreier. Die Roten Teufel unterlagen mit 1:2 gegen die Veilchen aus Aue. Die Hausherren gingen mit einem Blitzstart schon in der 2. Minute nach einem Eckball in Führung. Der 1.FCK agierte im ersten Durchgang viel zu zurückhaltend, offenbarte zahlreiche Unsicherheiten in der Defensive, entwickelte nach vorne kaum Spielideen und damit auch zu wenig Druck. Auch im zweiten Durchgang dominierten zunächst die Hausherren und hatten in der 52. Minute eine riesige Chance nachzulegen. Erst danach schien die Mannschaft von Michael Frontzeck aufzuwachen und kreierte mehr Offensivaktionen, wodurch sich jedoch auch Konterchancen für die Veilchen ergaben. In der 63. Minute verwerteten die Hausherren dann einen ihrer schnellen Gegenstöße zum zweiten Treffer. Nur eine Minute später antwortete die Frontzeck-Elf. Nach einer Ecke wuchtete Stipe Vucur das Leder per Kopf zum Anschlusstreffer ins Netz. In der Schlussphase blieb der 1.FCK bemüht, schaffte es aber nicht mehr den Ausgleich zu markieren.

Gut gefüllter Gästeblock im schmucken umgebauten Stadion (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gut gefüllter Gästeblock im schmucken umgebauten Stadion (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Eine schmucke Spielstätte hat man sich da geschaffen im Erzgebirge. Das einstige Old-School-Stadion kommt in ganz neuem Look daher. Auch der Gästeblock, in dem in der letzten Saison noch sogenanntes Ritzen-Grün die Stehplatzstufen zierte, hat nun ein Dach über dem Kopf. Etwas mehr als 1.000 Pfälzer unter den knapp 8.500 Zuschauern tummelten sich dort seitlich hinter dem Tor. Eine stattliche Gäste-Kulisse, ruft man sich den immer noch unerträglichen Tabellenstand ins Gedächtnis und bedenkt man die Entfernung sowie die Tatsache, dass viele schon mitten in der Nacht aufbrechen mussten, um ihrem 1.FCK nach Sachsen zu folgen und rechtzeitig zum Anpfiff ihren lautstarken Support anstimmen zu können. Nach dem Husarenstreich beim Nachholspiel bei Darmstadt 98 in der Wochenmitte war Optimismus angesagt. „Heit packe mer se“, war lange vor dem Anpfiff eine vielfach gewagte trotzige Prognose. Nicht nur beim Blick auf die bislang eher nüchterne oder triste Bilanz vergangener Gastspiele im Erzgebirge, wäre es auch an der Zeit gewesen, dort was mitzunehmen. Es hätte auch der Punkteausbeute im Abstiegskampf gut getan. Am Ende die gefühlt gleiche Ernüchterung wie bei den bisherigen Exkursionen ins kurpfälzische Sandhausen.

Bitter kalt wars im Erzgebirge (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Bitter kalt wars im Erzgebirge (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Bereits nach zwei Minuten machte sich im Lager der FCK-Fans Ernüchterung breit. Nach einem Eckball des Ex-Lauterers Christian Tiffert nahm Pascal Köpke direkt ab und verwandelte aus kurzer Distanz zur Führung. „Die ersten 20 Minuten waren wir noch komplett in der Kabine“, haderte auch Kapitän Christoph Moritz mit den vielen Nachlässigkeiten in der Anfangsphase der Partie. Gerade die variantenreichen Standards der Sachsen waren wohl bei der Gegner-Analyse deutlich angesprochen worden. Fatal, wenn nach diesen Maßgaben dann nicht verteidigt wird. Dass die Hausherren nach 16 Spielen ohne Sieg hier heute engagiert zu Werke gehen würden, müsste jedem klar gewesen sein. Dafür war die Arbeit gegen den Ball schon in der Anfangsphase viel zu lasch. Das zog sich wie ein roter Faden durch die erste Hälfte. Dass Trainer Michael Frontzeck mit Brandon Borello wegen Grippe-Infekt und Philipp Mwene wegen Gelbsperre gleich auf zwei Säulen der erfolgreichen letzten Wochen verzichten musste, darf dafür auch nicht als Entschuldigung gelten.

Luftkampf, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Luftkampf, Jan-Ingwer Callsen-Bracker und Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Vom 1.FCK kam im ersten Durchgang insgesamt einfach zu wenig! Nach dem frühen Treffer fehlten die Entschlossenheit, die spielerische Sicherheit und inspirierte Spielideen, um den Sachsen etwas entgegenzusetzen. Die zogen nach der schnellen Führung mit viel Selbstvertrauen ihr Spiel auf und während die Hausherren mit viel Ballkontrolle, ruhigem und sachlichem Spielaufbau bestachen, ging bei den Roten Teufeln nicht viel zusammen. In der 12. Minute musste sich Keeper Marius Müller nach einer gelungenen Kombination der Veilchen bei einem Schuss von Ridge Munsy schon arg strecken. Vorerst der letzte Aufreger. Die Gastgeber spulten ihr Ding runter und hielten den 1.FCK mit kompakter und konzentrierter Defensivarbeit vom eigenen Strafraum weg. Die Roten Teufel hingegen blieben eher ideenlos und sorgten durch viele Fehler im Aufbauspiel dafür, dass Offensivaktionen Mangelware blieben und die in dieser Situation notwendige breite Brust so recht nicht aufkommen mochte.

Sorgte für einige gefährliche Ecken, Leon Guwarea (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Sorgte für einige gefährliche Ecken, Leon Guwarea (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Auer lauerten zwar immer wieder auf Konter, konnten dabei aber auch selbst kaum noch nennenswerte Akzente setzen. Gegen Ende des ersten Durchgangs kam der 1.FCK etwas besser ins Spiel. Vor allem Sebastian Andersson wurde immer wieder gesucht. Nach einer Flanke von Joel Abu-Hanna konnte Dennis Kempe knapp vor dem Schweden klären, der kurz danach im Sechzehner beim Laufduell mit Malcolm Cacutalua den Kürzeren zog (39.). Mit der knappen Führung der Veilchen ging es in die Kabine.

Nach dem Wechsel brachten beide Trainer neue Kräfte. Bei den Hausherren kam John-Patrick Strauß für Mario Kvesic. Trainer Michael Frontzeck versprach sich mit Lukas Spalvis effektivere Offensivakzente. Er kam für Nicklas Shipnoski. Doch für den ersten Aufreger im zweiten Durchgang sorgten die Hausherren. Bei einem Angriff über rechts stand Ridge Munsy goldrichtig, brachte aber das Kunststück fertig aus knapp 10 Metern frei vor Marius Müller das Leder über den Kasten zu semmeln (52.). Glück für den FCK!

Arbeitete viel, blieb aber glücklos im Abschluss, Sebastian Andersson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Arbeitete viel, blieb aber glücklos im Abschluss, Sebastian Andersson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nur eine Zeigerumdrehung weiter zappelte das Leder dann im Netz der Sachsen. Nach einer von Leon Guwara getretenen Ecke kam Stipe Vucur zum Kopfball, doch Osayamen Osawe, der im Fünfmeterraum mit der Hacke verlängerte stand im Abseits. Der Treffer wurde zum Ärgernis der mitgereisten Fans zu Recht nicht anerkannt (56.).

Nur wenige Minuten später erneut ein blitzsauberer Konter der Gastgeber. Doch der Schrägschuss des pfeilschnellen Ridge Munsy zischte nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei (59.). In der 62. Minute trat Benjamin Kessel eine Flanke von halbrechts, Sebastian Andersson kam zum Kopfball, brachte aber nicht genug Druck hinters Leder, sodass Martin Männel im Kasten der Veilchen problemlos klären konnte. Nur eine Minute später dann Jubel im Lager der Sachsen. Bei einem weiteren schnellen Gegenstoß behauptete sich Ridge Munsy gleich gegen zwei Lauterer Abwehrspieler und schob zum 2:0 ein (63.). Doch der FCK antwortete prompt. Eine erneute Ecke von Leon Guwara von der rechten Seite kam scharf vors gegnerische Tor. Stipe Vucur stieg zum Kopfball hoch und nickte mit Wucht unhaltbar zum Anschlusstreffer ein (64.). Ein später Weckruf!

Stipe Vucur steigt zum Kopfball... (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Stipe Vucur steigt zum Kopfball… (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Mannschaft um Kapitän Moritz erzeugte zwar nun mehr Druck gegen tief stehende Veilchen, offenbarte aber auch im Aufbauspiel immer wieder unnötige Fehler. So sorgte die in der Schlussphase notwendigerweise offensivere Spielweise im eigenen Lager auch immer wieder mal für Schnappatmung. Die Roten Teufel hatten Glück, dass der eingewechselte Cebio Soukou (89.) und Dominik Wydra (90.) jeweils das 3:1 verpassten. In der Nachspielzeit war es Lukas Spalvis, der nach einem langen Ball zu zögerlich agierte und etwa sieben Meter vor dem Tor anstatt mit dem linken Fuß den Ball aus der Luft direkt zu verwerten, die sicherere Variante bevorzugte, das Leder aber nicht unter Kontrolle bekam. Chance zum Ausgleich vertan (90.+1). So blieb es nach drei Minuten Nachspielzeit beim 2:1 Sieg für Aue und für die Fortführung der mageren Bilanz im Erzgebirge. Ein bitterer Rückschlag im Existenzkampf.

...und markierte den Anschlusstreffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

…und markierte den Anschlusstreffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es gilt das Spiel nun schnell abzuhaken, ohne die Defizite im Auftritt aus dem Blick zu verlieren und zügig daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Eine abgeklärte und nicht minder nüchterne Bilanz zog auch Michael Frontzeck nach dem Abpfiff. Nicht ohne zumindest die läuferische Leistung seiner Schützlinge zu würdigen. Einer der wenigen Lichtblicke aus dem Gastspiel im Erzgebirge, das dennoch in punkto Selbstbewusstsein, Sicherheit und Effektivität einiges hat vermissen lassen. Daher richtete der Cheftrainer den Blick schon nach vorne. Man wolle sich nur kurz schütteln und ab Montag den vollen Fokus auf das Heimspiel gegen den FC Union Berlin am kommenden Freitag richten. Der FCK hat keinen Boden gutgemacht, kann aber trotz der Niederlage auch nach Abschluss des 24. Spieltages noch auf Schlagdistanz bleiben.

Am Ende reichte es nicht. Die Mannschaft bedankt sich für den Support (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Am Ende reichte es nicht. Die Mannschaft bedankt sich für den Support (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Tabellennachbar Darmstadt, aktuell noch Vorletzter mit 22 Punkten, empfängt den FC Heidenheim, der momentan auf dem Relegationsplatz rangierende VfL Bochum (Platz 16, 26 Punkte) muss zuhause gegen den 1.FC Nürnberg ran, der gerne wieder die Tabellenspitze erobern würde. So oder so, es bleibt noch ein steiniger und harter Weg! Arg lange wird dieser Weg jedoch nicht mehr sein, denn es sind nur noch zehn Spiele zu absolvieren und die verbleibenden Spiele würden nun natürlich auch nicht einfacher, resümierte auch Kapitän Christoph Moritz nach dem Abpfiff. Ein Grund mehr am kommenden Freitag mal endlich wieder einen Sieg vor heimischem Publikum einzufahren.

mg


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