Farbe in Dein Leben bringen Du musst!!!

Graffiti-Künstler Daniel Ferino schafft beim 1.FCK optisches Highlight
Ausstellung
color up your life reflektiert Lebensgefühl des Künstlers

Letzte Feinheiten im Stadion, Daniel Ferino (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

Letzte Feinheiten im Stadion, Daniel Ferino (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

Es war sicher eines der Highlights beim diesjährigen Stadionfest des 1.FC Kaiserslautern. Der Verein präsentierte den neu gestalteten Spielertunnel im Fritz-Walter-Stadion und die Besucher staunten nicht schlecht. Der Wormser Graffiti-Künstler Daniel Ferino (31), selbst eingefleischter und glühender FCK-Fan, hatte in mehrtägiger akribischer Arbeit die bisher schlichten Wände im Kabinenbereich des Stadions mit aufregenden, symbolträchtigen und lebendigen Graffiti-Bildern in eine optische Erlebniswelt verwandelt.

Einmal von Heim- und Gästekabine bis zur Mixed Zone auf der einen Seite. Dann in die andere Richtung entlang des Spielertunnels, der neben der Video-Wand bei der Westtribüne zum Spielfeld führt. Ein seit mehr als 10 Jahren gehegter Wunsch des jungen Familienvaters ging damit in Erfüllung, der in der Vergangenheit schon mehrfach aus formalen oder gar juristischen Gründen gescheitert war. Oder einfach am fehlenden Willen der verantwortlichen Akteure beim FCK .

Eines der neuen Wandmotive im Lizenzspielerbereich (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

Eines der neuen Wandmotive im Lizenzspielerbereich (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

Vielen Stadionbesuchern ist Daniel Ferino nicht oder nicht nur als kreativer Kopf bekannt, der es versteht künstlerisch anspruchsvoll mit dem Werkzeug Sprühdose umzugehen. Viele kennen ihn vor allem als langjähriger Vorsänger auf dem Podest vor der legendären Westtribüne oder in den Gästekurven zahlreicher Stadien bei den Auswärtsauftritten der Roten Teufel. Spätestens seit der Geburt seiner kleinen Tochter mussten der regelmäßige Stadionbesuch und das Engagement am Zaun jedoch zurücktreten. Dafür widmet sich der leidenschaftliche Sprayer neben Beruf und Familie umso mehr der Entwicklung seines künstlerischen Schaffens. Es ist nicht das erste Mal, dass Daniel Ferino sich im Heim-Stadion seiner Vereinsliebe mit Farbe austoben durfte. Bereits vor etwas mehr als einem Jahr war er gefordert. Nach dem Umzug der Teufelsbande, als es vom Kiebitz hinüber in geeignete Räume in der Osttribüne ging. Seither zieren beeindruckende Bilder die Wände der Heimstätte des FCK-Kids-Club.

FCK-Tugenden, Zusammenhalt, Kampf, Herz, Leidenschaft (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

FCK-Tugenden, Zusammenhalt, Kampf, Herz, Leidenschaft (Foto: MALTAG, Daniel Ferino)

Die Umsetzung des jetzigen Projektes wurde von den aktuell Verantwortlichen des 1.FCK natürlich unterstützt und mit vorangetrieben. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten galt es, im Dialog mit der Stadiongesellschaft als Eigentümer des Stadions, einige bürokratische Hürden zu überwinden, ehe es dann zum Ende der letzten Saison grünes Licht gab. Die Motive waren teilweise Vorschläge des Künstlers, teilweise Wunschvorgabe der Grafikabteilung des 1.FCK und reflektieren gehörig viel FCK-Historie sowie emotionale Befindlichkeiten der Fan-Seele im Lager der Roten Teufel. Titel, Triumphe und Trophäen aus glorreichen Zeiten zieren nun die Wände im Lizenzspielerbereich. Gepaart mit markanten Jahreszahlen aus der ruhmreichen FCK-Geschichte. Aber auch Tribünenszenen mit abstrakt gehaltenem Fan-Jubel, Stadionsilhouetten und prägnante Schlagworte, die unverkennbar die Wertewelt des FCK und des rot-weißen Lebensgefühls widerspiegeln. Dazu ruhmreiche Protagonisten der vergangenen Jahrzehnte, wobei Fritz Walter unverkennbar über allem zu thronen scheint.

Motto der Ausstellung in Worms, color up your life (Foto: mg)

Motto der Ausstellung in Worms, color up your life (Foto: mg)

Entstanden ist ein wirkungsvoller optischer Moment, den nicht nur die eigenen Spieler wahrnehmen sollen. Auch die jeweilige Gästemannschaft darf sich an FCK-Heimspieltagen durch das neue Kunstwerk daran erinnert fühlen, wo man hier grade gastiert. Ein gelungenes Ergebnis, das auch in den sozialen Netzwerken viel Lob erntete und beim diesjährigen Stadionfest ein begehrtes Motiv für unzählige Foto-Momente war. Eine würdige Kulisse an einem bedeutsamen Ort im Stadion, die einen emotionalen Rahmen für alle schafft, die sich hier aufhalten oder aufhalten dürfen.

Dieses jüngste Kunstwerk von Daniel Ferino ist aber längst nicht alles, was dessen Schaffens-Repertoire hergibt. Sprichwörtlich den Rahmen „sprengte“ eine Ausstellung, die bereits im Juli in seiner Heimatstadt Worms für viel Aufmerksamkeit sorgte. Leider waren seine Werke über den Zeitraum von nur zwei Tagen dort viel zu kurz zu sehen.

Meister Yodas mahnende Worte - Farbe in Dein Leben bringen Du musst (Foto: mg)

Meister Yodas mahnende Worte – Farbe in Dein Leben bringen Du musst (Foto: mg)

Unter dem Motto „color up your life“ setzte der Sprühdosen-Artist unter seinem Label MALTAG, zusammen mit Alex Schmidt (HIGHTOWER.designz) im Atelier Galerie Schauraum der Fabrik e.V. in der Nibelungenstadt, seine bereits zweite große Ausstellung um. Ein Gang durch die Galerieräume ermöglichte einen Einblick in bisheriges künstlerisches Schaffen und damit auch in das Abbild seines Lebensgefühls. Das findet sich keineswegs immer nur in überdimensionierten Formaten wieder, bei denen einst unattraktive, nüchterne und leere Wandflächen in neuem Glanz erstrahlen. Seine Leidenschaft spiegelt sich durchaus auch in sehr viel kleinteiligeren Formaten wider. Beliebte und bevorzugte Motive sind hierbei immer wieder bekannte Figuren aus der Comicwelt. Die Superhelden Spiderman, Batman oder Superman, Disney-Größen wie Donald Duck oder Mickey Mouse, Charlie Brown und Snoopy von den Peanuts, Warner-Zeichentrick-Figuren wie Daffy Duck oder Bugs Bunny, Nintendo-Held Super Mario, Star-Wars-Jedi Meister Yoda, Popeye und andere bekannte gezeichnete Protagonisten tummeln sich auf Bildern unterschiedlichster Formate und unterschiedlichen Untergrunds. Teils mit, teils ohne Passepartout, mal mit farblicher Dominanz, mal in zurückhaltenden Pastellfarben oder einfach mal verflochten mit dem umgebenden farblichen Beiwerk oder den Hintergrundmotiven. Dabei sind die Figuren vielfach nicht nur zu betrachtendes Objekt, sondern werden innerhalb des Werks selbst zu lebendigen Graffiti-Akteuren.

Sprengt entschlossen den Rahmen, Duffy Duck (Foto: mg)

Sprengt entschlossen den Rahmen, Duffy Duck (Foto: mg)

Wenn Daffy Duck beispielsweise mit entschlossen trotziger Körperhaltung und Sprühdose in der Hand aus dem schlicht weißen Hintergrund heraustritt, den Rahmen zu sprengen scheint und auf das kolorierte Passepartout übergeht. Ein konzentrierter Blick und gezielter Sprühstrahl scheinen den umgebenden Rahmen schwarz einzufärben, während ihm aus den Mundwinkeln der Speichel trieft! Letzteres gewollt oder nicht gewollt, auf jeden Fall sinnstiftend.

Oder wenn der Pink Panther, ebenfalls mit Sprühdose bewaffnet, schelmisch und süffisant vor einem vermeintlich von ihm selber kreierten Graffiti-Motiv posiert und so die non-verbale Brücke zwischen Hintergrund und Betrachter schafft. Herrlich auch wie Meister Yoda, mit einem schielenden Blick auf die Retrospektive zahlreicher Motive der bisherigen Star-Wars-Episoden, in direkten Dialog mit dem Betrachter tritt und via Sprechblase mahnend sinniert, „mehr Farbe in Dein Leben bringen Du musst!!!“ Mach Dein Leben bunter, Titel, Motto und Aufforderung der Ausstellung in Worms. Wie kam es überhaupt zu „color up your life“? „Nun ja, man muss sich da draußen in der Welt doch nur umschauen. Es gibt viel zu viel, was grau und trist daherkommt“, kommentiert der Künstler.

Diebischer Triumph, Pink Panther (Foto: mg)

Diebischer Triumph, Pink Panther (Foto: mg)

Neben den actiongeladenen Motiven mit einigen Superhelden oder den turbulent bewegten lustigen Comicfiguren, fanden sich auch Werke mit stillem Charakter, die zum Innehalten und Nachdenken animieren. Wenn Charlie Brown, Snoopy und eine ganze Armada von offensichtlich leeren Sprühdosen, sich als schwarze Silhouette vor einem überbordend bunten Hintergrund abheben, dann möchte man in das Bild eintauchen, sich zu den beiden setzen und mit ihnen einstimmen, „fertig, hübsch ist das geworden!“

Verklärte Ruhe auch bei dem Werk in dem sich Snoopy mal wieder seiner Lieblingsbeschäftigung hingibt. Auf dem Dach der roten Holzhütte liegend philosophische Gedanken kreisen zu lassen, während im Hintergrund Erde und Himmel mit den frischen Farbtönen grün und blau ineinander zu verschmelzen scheinen.

Verklärte Ruhe, Charlie Brown und Snoopy (Foto: mg)

Verklärte Ruhe, Charlie Brown und Snoopy (Foto: mg)

Doch auch andere Motive begeisterten Graffiti-Interessierte. Ein zerrissener Fetzen Karton, der den Schriftzug des Ausstellungstitels in schwungvollen Graffiti-Lettern verschiedener Schrifttypen trägt, von allerlei Kritzeleien umgeben und der sich nun, wie ein Fragment und zufälliges Überbleibsel einer turbulenten Farb- und Materialschlacht, in einem Diorama gefangen, dem Betrachter offenbart.

Aber auch Miniaturfahrzeuge in Form von LKW-Modellen oder Metro-Waggons, deren liebevoll besprühte Außenflächen mit Maltag-Schriftzug, bunten Wortbotschaften und farbigen Ornamenten, die reale Welt im Kleinformat abbilden. Eine Hommage an die Heimatstadt Worms sicher auch die Motive mit Dom und Wormser Tor, die in schwarz-grauer Ausarbeitung von einem wahren Feuerwerk aus Farbstrahlen und Farbpunkten umgeben werden.

Zwei Künstler in Action, Daniel Ferino, Alex Schmidt (Foto: mg)

Zwei Künstler in Action, Daniel Ferino, Alex Schmidt (Foto: mg)

Umgang mit Farbe scheint bei der Familie Ferino im Blut zu liegen. Zwillingsbruder Florian Ferino wirkt seit Jahren, zusammen mit seinem Mann Sven Bensemann, in Berlin als Hair & Makeup Artist. Mit kreativen Frisuren auf der einen Seite, der Umsetzung anspruchsvoller Inspirationen als Visagist auf der anderen Seite oder der Kombination von beidem, hat sich der zweite Ferino-Künstler nicht nur in der Bundeshauptstadt einen wohlklingenden Namen erarbeitet, sondern sich auch mittlerweile einen Illustren internationalen Kundenkreis erschlossen.

Ganz so weit ist das Zwillings-Pendant aus Worms noch nicht, aber die bisherige künstlerische Entwicklung lässt die Hoffnung keimen, dass mit wachsendem Bekanntheitsgrad die Wahrnehmung in entsprechenden Kreisen früher oder später kommen muss und kommen wird. Projekte an exponierter Stelle und weitere erfolgreiche Ausstellungen können hier sicher ihren Beitrag leisten. Wobei der Künstler sich auch hier in Bescheidenheit übt. „Mit dem Verkauf meiner Bilder will ich ja keine Reichtümer erzielen. Aber es hilft die Kosten für Material und die Organisation einer Ausstellung zu decken. Mehr ist derzeit auch gar nicht gewollt.“

Leidenschaft beim Umgang mit Kreativem, Ferino-Zwillingsbrüder (Foto: df)

Leidenschaft beim Umgang mit Kreativem, Ferino-Zwillingsbrüder (Foto: df)

Ferino ist allerdings auch jederzeit für Auftragsarbeiten offen. Wer also den Anblick seines Garagentores, die kahle Wand am Haus oder auch die langweilige Fläche überm heimischen Sofa satt hat, kann sich durchaus ein Wunschmotiv ins oder ans eigene Haus holen.  Auf der MALTAG-Webseite findet sich ein repräsentativer Überblick über sein Portfolio sowie zahlreiche Referenzen zu bereits abgeschlossenen Projekten. Außerdem natürlich alle nötigen Kontaktdaten zum Künstler. Vielleicht hat ja in der FCK-Fangemeinde jemand Lust auf mehr Farbe im Leben, auch wenn dann die Farbe rot mit Sicherheit eine dominante Rolle übernehmen würde.

mg


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