Laute Kabinenpredigt mit sichtbarer Wirkung

Die zwei Gesichter der Roten Teufel – FCK dreht nach Rückstand die Partie am Bornheimer Hang

Viel Einsatz, viel Haut und zwei Treffer nach Einwechslung; Antonio Colak (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Zeigte viel Einsatz und viel Haut. Antonio Colaks Jubel nach seinem ersten Treffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Bekanntermaßen ist des einen Leid, des anderen Freud! Kacper Przybylko war gestern in Frankfurt gerade mal sechs Minuten auf dem Platz, da signalisierte er nach einem Sprint an der Außenbahn mit schmerzverzerrtem Gesicht seine sofortige Auswechslung. Zu einer ersten Diagnose mochte auch Trainer Konrad Fünfstück nach dem Spiel noch keine Auskunft geben. Für den Unglücksraben kam in der 70. Minute Antonio Colak. Der aus Hoffenheim geliehene Stürmer war kaum zehn Minuten auf dem Rasen, da verwertete er einen diagonalen Traumpass von Markus Karl zur Führung der Lauterer. Nur acht weitere Minuten war es wieder der sympathische Angreifer mit dem Dauergrinsen im Gesicht, der den dritten Treffer für die Roten Teufel markierte. Praktisch mit dem Schlusspfiff setzte dann Sascha Mockenhaupt mit seinem Treffer zum 1:4 auch den Schlusspunkt zur Partie. Das deutliche Ergebnis war zu Beginn kaum zu erwarten. Die Gastgeber gingen stark in die Partie und führten früh. Praktisch mit der ersten wirklichen Lauterer Chance markierte Alexander Ring mit einem satten Schuss aus knapp 20 Metern den 1:1 Ausgleich und traf damit in der laufenden Spielzeit erstmals für den 1.FCK. Aufgrund einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang nahm der 1.FC Kaiserslautern vor 8.130 Zuschauern aber verdient die drei Punkte mit heim in die Pfalz.

Stattliche Kulisse. Mehr als 3.000 FCK-Fans mit dabei in Frankfurt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Stattliche Kulisse. Mehr als 3.000 FCK-Fans mit dabei in Frankfurt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Unter den mehr als 3.000 mitgereisten FCK-Fans raufte sich während der ersten 45 Minuten so mancher ein ums andere Mal die Haare, sofern auf dem Haupt noch etwas zum Raufen da war. Der 1.FCK trat in der ersten Halbzeit pomadig auf, unkonzentriert, leidenschaftslos. Viele Abspielfehler, viele Ballverluste, wenige gewonnene Zweikämpfe, wenig konstruktiver Zug nach vorne. Die Gastgeber waren vom Anpfiff weg hellwach, waren schnell im Spiel und hatten den Ball auch schnell im Tor. Nach einer Ecke von Marc André Kruska faustete Marius Müller die Kugel Richtung Außenbahn. Der zweite Ball segelte an den langen Pfosten, wo Ruben Jenssen so wenig in den Zweikampf fand, wie die Mannschaft eben ins Spiel. Sein Gegenspieler Zlatko Dedic stieg früher hoch, ging energischer zum Ball und köpfte die Kugel aus kurzer Distanz durch den Hosenlatz des Lauterer Keepers zur Führung der Frankfurter (5.).

Abgehobener Jubel und man darf es ihm gönnen; Alexander ring nach dem Ausgleich (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der „abgehobene“ Jubel sei ihm gegönnt; Alexander Ring nach dem Ausgleich (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Schon drei Minuten vorher hätte der Frankfurter Stürmer einen Treffer markieren können. Marius Müller klärte einen hohen Ball mutig per Kopf genau vor dessen Füße, doch der Frankfurter zögerte zu lange und vergab den ersten Hochkaräter. Der FCK brauchte nach dem Rückstand lange und zähe Minuten, um sich wieder zu fangen und Ruhe ins Spiel zu bekommen. Die Gastgeber versäumten es das unansehnliche und unproduktive Ballgeschiebe der Gäste häufiger, energischer und früher anzulaufen und zu stören. Fast aus dem Nichts dann der Ausgleich. Vor dem Sechzehner der Frankfurter wurde Ruben Jenssen zwar gefoult, konnte aber den Ball noch zu Alexander Ring spitzeln. Der hatte genug Raum, um beherzt aus fast 20 Metern abzuziehen. Das Leder schlug direkt neben dem Pfosten im langen Eck ein (24.). Schöner Sonntagsschuss des finnischen Nationalspielers, der damit erstmals in dieser Saison für den FCK traf. Seine sichtbare Freude trug er dann mit seinem Jubel auch bis rüber zur Bank. Da muss eine schwere Last von den Schultern gefallen sein. Die Frankfurter steckten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht auf und hatten weitere gute Chancen wieder in Führung zu gehen. Doch eine beherzte Direktabnahme von Denis Epstein (27.) verfehlte den Lauterer Kasten ebenso, wie eine Kopfballmöglichkeit von Stürmer Taiwo Awoniyi (32.).

Sorgte erneut für Stabilität in der Defensive; Patrick Ziegler (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Trug erneut zur Stabilität in der Defensive bei; Patrick Ziegler (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kurz vor der Pause dann ein weiterer Aufreger. Sascha Mockenhaupt rang im eigenen Strafraum seinen Gegenspieler Denis Epstein im Laufduell – sagen wir – etwas unkonventionell nieder. Da war schon reichlich Arm im Spiel, aber der sonst souveräne Schiedsrichter Florian Meyer versagte einen Strafstoß und ließ weiterspielen. Glück gehabt! Mit dem Unentschieden ging es in die Pause.

Nach Auskunft einiger Akteure im roten Dress muss Konrad Fünfstück in der Kabine deutliche und akustisch schwer zu überhörende Töne angeschlagen haben. Mit einem Unentschieden wäre er nicht zufrieden, er wolle heute hier gewinnen, gab der Lauterer Trainer bei der Pressekonferenz Einblick in seinen in der Pause laut geforderten Stilwechsel fußballerischer Darbietungen. Doch die erste dicke Möglichkeit hatten direkt nach Wiederanpfiff die Gastgeber. Zlatko Dedic brachte einen Ball scharf vor das Lauterer Tor doch der verdutzte Taiwo Awoniyi konnte frei vorm Tor das Leder nicht entscheidend auf den Kasten bringen (46.).

Zwar ohne Treffer gestern, aber mit viel Arbeit nach vorne und nach hinten; Jon Dadi Bödvarsson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Viel nach vorne und hinten gearbeitet; Jon Dadi Bödvarsson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit einem Wechsel schon in der 57. Minute unterstrich Konrad Fünfstück dann noch einmal seine vorgegebene Marschrichtung. Stürmer Lukas Görtler kam für den Torschützen Alexander Ring und der setzte kurz nach der Einwechslung mit einem Schuss knapp neben den Pfosten auch gleich einen ersten Akzent im Lauterer Angriffsspiel. In der 64. Minute brachte der FCK-Coach dann mit Kacper Przybylko für den an diesem Tag schon wieder eher blassen Mateusz Klich einen weiteren gelernten Angreifer. Die Lauterer hatten das Spiel nun im Griff, schalteten immer wieder mit sicheren und schnellen Kombinationen den Vorwärtsgang ein. Diesen Faden verlor das Team auch nicht nach der unglücklichen Verletzung des polnischen Angreifers in der 70. Minute. Im Gegenteil! Mit seinen beiden Treffern zum 1:2 und zum 1:3 in der 79. und der 87. Minute unterstrich der eingewechselte torhungrige Antonio Colak an diesem Abend eindrucksvoll seine Qualitäten!

Die "Langen" bei Standards vorne drin, (v.l.) Kacper Przybylko, Stipe Vucuer, Patrick Ziegler, Markus Karl (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die „Langen“ bei Standards vorne drin, (v.l.) Kacper Przybylko, Stipe Vucuer, Patrick Ziegler, Markus Karl (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Schon kurz vor dem ersten Treffer hätte er eine scharfe Hereingabe von Jon Dai Bödvarsson verwerten können, doch es fehlten einige Zentimeter den scharf von rechts servierten Ball im Gehäuse der Frankfurter unterzubringen. Nach dem Doppelpack von Joker Antonio Colak hatte der FCK unbestritten die Kontrolle über das Spiel und kam noch zu einigen guten Möglichkeiten. Doch erst in der Nachspielzeit markierte Sascha Mockenhaupt mit einem trockenen Schuss aus 16 Metern den 1:4 Endstand (90.+3).

Der Auswärtssieg des FCK war aufgrund der zweiten Halbzeit verdient, in der Höhe jedoch vielleicht ein wenig zu deutlich ausgefallen. Aber der Erfolg war letztlich auch dem Umstand geschuldet, dass der abstiegsbedrohte Traditionsclub vom Bornheimer Hang nicht das ablieferte, was Abstiegskampf verlangt. Auf dem Rasen nicht und auch auf den Tribünen nicht. Es schien, als ergebe man sich klaglos und widerstandslos seinem Schicksal.

Jubel nach dem zweiten Colak-Treffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Jubel nach dem zweiten Colak-Treffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

So monierte auch Falko Götz in der Pressekonferenz nach dem Spiel so gehe das natürlich nicht! „Wir müssen den Schalter umlegen in den letzten zwei Spielen, weil so haben wir keine Chance“, schlug der Ex-Berliner deutliche Töne an. Aus Sicht des Lauterer Anhangs wäre es für die kommende Zweitligasaison in der Tat schade, wenn die Schwarz-Blauen aus Mainhattan eine Etage tiefer kicken würden. Der Bornheimer Hang avancierte im Lager des FCK-Anhangs in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Auswärts-Ground und das rot-weiße Lager hatte in so mancher Saison optisch und akustisch die Oberhand. Zumal die Spielstätte der Frankfurter noch immer ein bisschen was von Old School hat. Man darf sich getrost den Wünschen von Konrad Fünfstück anschließen, den Bornheimern viel Glück zu wünschen.

Nach dem Abpfiff Party bei den Fans... (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Abpfiff Party bei den Fans… (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Jungs von Konrad Fünfstück genossen ihre Feiermomente vor der Fan-Kurve sichtlich. Klar, es ist ja auch ein erhebendes Gefühl auswärts vor einer so stattlichen Kulisse des eigenen Anhangs einen so deutlichen Sieg  zu zelebrieren. Die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit einmal mehr unter Beweis gestellt, dass auch spielerisch deutlich mehr in ihr steckt als sie über weite Strecken der zu Ende gehenden Saison bewiesen hat. So wie sie in der letzten Partie gegen Leipzig bewiesen hat, was sie auch kämpferisch drauf hat. Warum die Mannschaft jedoch in der aktuellen Spielzeit die vorhandenen Potentiale immer nur partiell abrufen konnte, wird ihr Geheimnis bleiben. Das Team hat allzu oft zwei Gesichter gezeigt. Mal über mehrere Spieltage hinweg oder mal eklatante Unterschiede zwischen einer ersten und einer zweiten Halbzeit.

...und Party bei der Mannschaft (Foto: www.der-betze-brennt.de)

…und Party bei der Mannschaft (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Freuen wir uns aber auf die letzten beiden noch ausstehenden Spiele. Denn die Mannschaft scheint gewillt alles für einen versöhnlichen Saisonabschluss tun zu wollen. Auch wenn sie hin und wieder mal eine lautere Kabinenansprache als Weckruf zu brauchen scheint. Zumindest kann nach der gestrigen Partie Trainer Konrad Fünfstück mit den jetzt gesammelten 42 Punkten endlich sein Versprechen einlösen und nach dem Überschreiten der 40er Marke mit der Mannschaft gepflegt und gemütlich essen gehen. Aber nicht übertreiben, Jungs. Mit voller Wampe läuft es sich nur halb so gut!

mg

 

Zum Abschluss noch ein schönes Video von unserem Freund Matze Behler

 


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