Das Licht im Liga-Keller wird immer dunkler

Nach Nullnummer gegen den VfL Bochum steckt der 1.FCK weiter im Tabellenkeller fest

Enttäuschung pur! Ein weiteres Schlüsselspiel nicht genutzt (Foto: Thomas Füssler)

Enttäuschung pur! Ein weiteres Schlüsselspiel nicht genutzt (Foto: Thomas Füssler)

Ratlosigkeit, Enttäuschung, Wut, Resignation! Das waren die vermutlich häufigsten Emotionen unter den 19.086 Besuchern nach dem Abpfiff des Zweitliga-Kellerduells gegen den VfL Bochum am gestrigen Abend. Aus drei aufeinanderfolgenden Partien gegen mögliche Abstiegskonkurrenten haben die Roten Teufel in den zurückliegenden Wochen lediglich einen Zähler auf ihrem Konto verbuchen können. Den beim gestrigen torlosen Remis. Dabei durften Fans und Verantwortliche nach dem Trainerwechsel und dem Sieg gegen Fürth vor heimischem Publikum und dem erkämpften Punkt bei den Kiezkickern in Hamburg durchaus etwas Optimismus walten lassen. Dieser ist längst verflogen. Spätestens seit gestern regieren eher Desillusion und schwindender Glaube, dass der 1.FCK in den nun noch verbleibenden 21 Spielen das rettende Ufer überhaupt noch irgendwie erreichen kann. Was gestern gegenüber dem erschreckend schlechten Auswärtsauftritt in Regensburg zumindest einigermaßen gestimmt hatte, waren Leidenschaft und Einsatzwille. In einem solchen Schlüsselspiel dann allerdings ohne eigenen Torerfolg vom Platz zu gehen, das war und das ist definitiv zu wenig.

Vergab nach 20 Minuten eine hochkarätige Chance, Manni Osei Kwadwo (Foto: Thomas Füssler)

Vergab nach 20 Minuten eine hochkarätige Chance,
Manni Osei Kwadwo (Foto: Thomas Füssler)

Dass die aktuelle sportliche Situation bei allen Beteiligten ihre Spuren hinterlässt, war bereits in der Anfangsviertelstunde den Akteuren auf dem Rasen anzumerken. Der FCK stand tief, igelte sich ein und überließ das Spielgeschehen den Gästen. Die hatten auch die erste Möglichkeit. Thomas Eisfeld kam nach Zuspiel von Dimitrios Diamantakos zum Abschluss. Allerdings nicht druckvoll genug, Marius Müller konnte klären (7.). Dabei war über den gesamten Spielverlauf das Team von der Bottroper Straße am gestrigen Abend erschreckend harmlos. Unverständlich, dass die Jungs von Jeff Strasser erst nach fünfzehn Minuten anfingen, dem Gegner die Stirn zu bieten und druckvoller zu spielen. Die Partie fand schließlich vor heimischem Publikum statt und den vollmundigen Worten der Vorwoche wollte man Taten folgen lassen, um eine Duftmarke zur Wende zu setzen. Mit der nun anderen Körpersprache ergaben sich zwangsläufig Möglichkeiten. Warum also nicht vom Anpfiff weg? Das vorsichtige Abtasten in den Anfangsminuten ist sicher auch der mitschwingenden Angst vor einem Rückstand geschuldet. Das zeigte in der Vorwoche bereits der Führungstreffer der Regensburger zum 2:1, nach dem der FCK förmlich einknickte.

Viel gewirbelt, dennoch erfolglos, Brandon Borello (Foto: Thomas Füssler)

Viel gewirbelt, dennoch erfolglos, Brandon Borello (Foto: Thomas Füssler)

Die ersten beiden FCK-Möglichkeiten am gestrigen Abend hatte Brandon Borello, der erstmals in der Startelf stand. Doch die beiden Schüsse des agilen Australiers in der 15. und 16. Minute verfehlten den Bochumer Kasten. Sträflich und kläglich wie Manni Osei Kwadwo nach gefühlvoller Flanke eine Kopfballchance vergab. Anstatt den Ball per Kopf mit Wucht in die Maschen zu befördern, mutierte die  Chance zum Führungstreffer zum harmlosen Aufsetzer (20.). Oh Mann, Manni! Eine weitere Kopfballchance bot sich Joel Abu Hanna in der 29. Minute. Doch VfL-Keeper Manuel Riemann kratzte das Leder grade noch von der Linie. Kurz vor dem Gang in die Kabine holte Philipp Mwene aus der Distanz nochmal den Hammer raus, aber das Leder pfiff knapp über den Bochumer Kasten. So blieb es zu Halbzeit beim torlosen Remis.

Gab Impulse nach der Einwechslung, Nicklas Shipnoski (Foto: Thomas Füssler)

Gab Impulse nach der Einwechslung, Nicklas Shipnoski (Foto: Thomas Füssler)

Zu Beginn der zweiten Hälfte plätscherte das Geschehen zunächst so vor sich hin. In der 53. Minute musste dann Joel Abu Hanna mit Verletzung raus, für ihn kam Nicklas Shipnoski. Der setzte dann schon ein paar Minuten später die deutlichste Duftmarke. Mit einem beherzten und mutigen Schuss aus 25 Metern. Das Leder krachte ans Lattenkreuz (58.). Natürlich wäre eine Lauterer Führung längst verdient gewesen und so gut wie jeder im gähnend leeren Stadion hätte dem FCK-Eigengewächs einen Treffer bei diesem Sonntagsschuss gegönnt, aber auch das ist eben Fußball und das ist bisweilen eben auch ziemlich grausam. Was der Lattenknaller allerdings in den Reihen der Lauterer nicht auslöste, war ein Weckruf. Anstatt die Abteilung Attacke zu aktivieren und eine Neuauflage der Druckphase aus dem ersten Durchgang auf den Rasen zu projizieren, lief das Spiel im gleichen Modus weiter. Die einen schienen nicht zu wollen, die anderen nicht zu können. Lediglich Sebastian Andersson hatte in der 66. Minute noch eine Kopfballchance, schloss aber zu ungenau ab.

Ein strammer Schuss ans Torkreuz (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ein strammer Schuss ans Torkreuz (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Bemerkenswert, dass Jeff Strasser mit der Einwechslung von Gervane Kastaneer (für Manni Osei Kwadwo) und Torben Müsel (für Benjamin Kessel), dem Spielsystem einen sehr deutlichen offensiven Akzent verlieh, führte dies dennoch nicht zu einer Änderung der Spielidee. Immerhin standen gegen Ende der Partie vier nominelle Stürmer auf dem Platz. Wobei einer zum sichtbaren Totalausfall mutierte. Gervane Kastaneer war derart indisponiert, dass es wohl nicht aufgefallen wäre, wenn er sich schon eine Viertelstunde vor dem Ende klammheimlich zum Duschen verabschiedet hätte. Wer eine solche Arbeitsauffassung an den Tag legt, sollte mal darüber nachdenken sein vertragliches Salär eventuell einem wohltätigen Zweck zuzuführen! Es gelang letztlich nicht mehr energisch und beherzt den Gegner nochmal in Verlegenheit zu bringen und so pfiff Schiedsrichter Alexander Sather nach 3 Minuten Nachspielzeit die Partie. Ein mageres Pünktchen also im sogenannten Schlüsselspiel, das vom Ergebnis her zum Trauerspiel wurde.

Sichtbarer Ärger, Nicklas Shipnoski (Foto: Thomas Füssler)

Sichtbarer Ärger, Nicklas Shipnoski (Foto: Thomas Füssler)

Das Trainerteam hat in der Länderspielpause nun zwei Wochen Zeit die Mannschaft auf Vordermann zu bringen ehe es am 20. November zum Montagabendspiel nach Dresden geht. Doch gestern Abend dürfte es in den Stadionumläufen kaum jemand gegeben haben, der nach der gestrigen Darbietung, den beiden vorangegangen Partien und angesichts der nach 13 Spielen ernüchternden Bilanz sowie der schier aussichtslosen Tabellensituation auch nur ansatzweise an einen Teilerfolg oder gar Erfolg bei der nächsten Auswärtsbegegnung gedacht haben mag. Die einzigen dürften Jeff Strasser und sein Co-Trainer Alexander Bugera sein, die sich noch in Optimismus üben, ja üben müssen.

Wobei der Cheftrainer emotional schon sehr angeschlagen wirkte, als er lange nach der Pressekonferenz gedankenverloren und in sich gekehrt durch die mittlerweile verwaiste Mixed Zone schlenderte. Den aufmunternden Worten eines Fans, den Kopf oben halten zu sollen und nicht so viel nachzudenken, erwiderte der Luxemburger mit seufzendem Ton aber trotziger Haltung, „…doch, man muss immer nachdenken, um Lösungen zu finden!“ Dann wünschen wir dem nimmermüden Kämpfer mal das nötige und glückliche Händchen, das dies schnellstmöglich gelingt, denn bei nur noch 21 verbleibenden Spielen und den sich offenbarenden Baustellen wird so manche Lösung benötigt, um diesen Karren nochmal aus dem Dreck zu ziehen.

mg

Nur 19.086 offizielle Besucher. Zumindest die Westtribüne heizte phasenweise ein (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nur 19.086 offizielle Besucher. Zumindest die Westtribüne heizte phasenweise ein (Foto: www.der-betze-brennt.de)


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