Badschnass uff die Hääschdner Hitt

Traditionelle Herbstwanderung der Queer Devils

Miesestes Wetter am Anfang der Tour (Foto: mg)

Miesestes Wetter am Anfang der Tour (Foto: mg)

Alle Jahre wieder, wenn es Richtung 3. Oktober geht, blicken wir mit bangem Blick auf die Wetterprognosen für den Tag der Deutschen Einheit. Hatten wir in den zurückliegenden Jahren stets reichlich Glück, sah die Prognose zur gestrigen Herbstwanderung der Queer Devils eher trübe aus.

Am Morgen verhießen ein tiefgrauer Himmel und erste Regentropfen zunächst nichts Gutes und als die Rucksäcke geschultert und die Wanderschuhe geschnürt wurden, war bei nasskalter Witterung schon ein wenig Überwindung des inneren Schweinehundes notwendig.

Doch bis zum Ende des Tages sollte das Wetter längst umgeschlagen haben und so verlebten wir am gestrigen Feiertag einen tollen gemeinsamen Tag.

Zwischenstopp am Winterkirchl (Foto: mg)

Zwischenstopp am Winterkirchl (Foto: mg)

Bereits am Anfang war reichlich Sand im Getriebe. Die eine oder andere Bahnverbindung war alles andere als pünktlich sodass sich der Startschuss unserer traditionellen Herbstwanderung am Treffpunkt am Bahnhaltepunkt Hausenstein Mitte um mehr als eine Stunde verzögerte. Zu diesem Zeitpunkt regnete es bereits in Strömen und ein unangenehm kalter Wind drückte die Feuchtigkeit in die noch trockenen Klamotten. Doch die fünf Wanderwilligen, die sich aus den Reihen unserer Mitglieder am Treffpunkt eingefunden hatten, waren fest entschlossen den Wetterwidrigkeiten die Stirn zu bieten. Gut verpackt und mit verhalten optimistischer Stimmung ging es los. Vorbei an den schmucken Fußballplätzen des SC Hauenstein, wo die „Hääschdner“ in den 1990er Jahren mal in der Regionalliga für Schlagzeilen sorgten. Nachdem der kleine Trupp die letzten Häuser am südlichen Ortsrand hinter sich gelassen und den Paddelweiher passiert hatte, trommelten die Regentropfen noch unermüdlich auf Mützen, Regenjacken und Schirme. Das Laubdach des Waldes bot nun fortan ein wenig Schutz. Dafür forderte der erste und einzige längere Anstieg der Tour ein wenig Kraft.

An der "Dicken Eiche" (Foto: mg)

An der „Dicken Eiche“ (Foto: mg)

Trotzdem war die Stimmung gut, boten die Geschehnisse um den FCK, der neue Trainer, die sportliche Situation oder auch das sprechende Toupet aus Washington D.C. viel Gesprächsstoff. Der letzte Klatsch und Tratsch sowie die eine oder andere Albernheit sorgten trotz des anhaltenden Regenwetters bisweilen für prächtige Ausgelassenheit. Mit dem Erklimmen des ersten Höhenzuges war auch bald das erste kleine Etappenziel erreicht. Das „Winterkichel“, bei dem mehrere Wanderrouten zusammentreffen, bot erst einmal ein trockenes Plätzchen und Gelegenheit sich unter einem festen Dach um die ersten feuchten Klamotten zu kümmern. Außer uns gaben sich dort noch andere unerschütterliche Wanderoptimisten ein Pausen-Stelldichein.

Stilleben "Rieslingschorle-Strecke auf Schal" (Foto: mg)

Stilleben „Rieslingschorle-Strecke auf Schal“ (Foto: mg)

Nach kurzer Stärkung ging es am Gipfelgrat des Bergrückens in südöstliche Richtung weiter zur legendären Dicken Eiche. Der stattliche Baum, der sich dem passierenden Wanderer leider nur noch als Totholz präsentiert, musste 2010 gefällt werden, nachdem ihm bereits 1994 mit der Motorsäge jemand die Lebensadern durchschnitten hatte. Was es doch für unsägliche Dummköpfe auf dieser Welt gibt!

Zur ersten echten Pausenstation war es nun nicht mehr weit. Die überregional bekannte Hütte Hauensteiner Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins, das „Wanderheim Dicke Eiche“, allgemein bekannt als „Hääschdner Hitt“, lud zum Verweilen ein. Natürlich bei einem zünftigen Rieslingschorle.

Der nachlassende Regen trug sein übriges zur immer fröhlicher werdenden Stimmung bei. Nach dem Leeren der traditionellen Pfälzer Trinkgefäße mit dem halben Liter Inhalt, hieß es die leicht müden Knochen zu schütteln und wieder aufzubrechen. Von nun an ging es vornehmlich wieder talwärts. Schon beim steten Abstieg Richtung Bärenbrunnertal riss die graue Wolkendecke nun mehr und mehr auf.

Beste Stimmung unter den ersten Sonnenstrahlen des Tages (Foto: mg)

Beste Stimmung unter den ersten Sonnenstrahlen des Tages (Foto: mg)

Bereits auf halber Höhe zur Tallage hatte sich die Sonne erfolgreich durch die Wolken gekämpft und uns im Spiel mit den letzten Nebelschwaden im Wald, dem wasserbehafteten Blattwerk und der kristallklaren Luft teils zauberhafte Lichteffekte beschert. In ebendieser Stimmung lag die vorletzte Station unserer Tour nun direkt vor uns. Der Bärenbrunnerhof im strahlenden Sonnenstein als malerische Kulisse inmitten dampfender Wiesen unter einem azurblauen Himmel, auf dem die letzten weißen und grauen Wolkenfetzen wie eine zufällige Staffage wirkten. Ein Sitzplatz auf der Terrasse vor der Hof-Gaststätte im warmen Licht der Nachmittagssonne. Daran hätte bei unserem Aufbruch am Vormittag niemand auch nur zu hoffen gewagt. Aber unter solchen privilegierten Bedingungen schmeckt ein Rieslingschorle natürlich nochmal so gut.

Platz an der Sonne am "Bärenbrunnerhof" (Foto: mg)

Platz an der Sonne am „Bärenbrunnerhof“ (Foto: mg)

Nach dem Kräftetanken, einem kurzen Rundgang im ausgedehnten Innenhofbereich des landwirtschaftlichen Betriebes und einem Besuch im Bio-Hofladen kam dann der Aufbruch zur letzten Etappe.

Bei nun strahlendem Sonnenschein marschierten wir entlang saftiger Wiesen durch das Bärenbrunnertal Richtung Schindhard, mit seiner malerischen Ortsmitte. Vorbei am Schindharder Flecken Neuhof und entlang des Kuhbaches ging es dann weiter zum Dahner Stadtteil Reichbach. Das dortige Restaurant „Altes Bahnhöfl“, das eigentliche Ziel unserer fast ganztägigen Tour. Hier wurden wir bereits von drei unserer Queer-Devils-Damen erwartet, die sich zum Abschluss-Essen des Tages eingefunden hatten und per Zug angereist waren.

Ge- und verstärkt wieder am Ausgangspunkt zurück (Foto: mp)

Ge- und verstärkt wieder am Ausgangspunkt zurück (Foto: mp)

Eine zünftige Speisekarte mit bodenständiger Küche bot für jeden Geschmack etwas. Nach dem Verzehr diverser kulinarischer Köstlichkeiten war es nach mehr als zwei höchst unterhaltsamen Stunden Zeit für den Aufbruch. Mit der letzten Zug-Verbindung des „Bundenthaler“ trat die nunmehr achtköpfige Truppe die Heimreise an. Zunächst bis zum Ausgangspunkt in Hauenstein, von wo sich die Wege trennten. Ein erlebnisreicher Tag mit vielen Wetterkapriolen und bester Stimmung ging zu Ende. Und auch im kommenden Jahr werden wir spätestens in der letzten Septemberwoche gebannt auf die Wetterprognosen schauen und uns fragen, wie das Wetter am Tag der Deutschen Einheit wohl werden wird.

mg


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