Mol annerschd uff die Annere geguckt – MSV Duisburg

Bei den Zebras haben sich gleich zwei schwul-lesbische Fanclubs etabliert

MSV-Maskottchen mit Regenbogenfahne (©rainbowzebras)

MSV-Maskottchen mit Regenbogenfahne (©rainbowzebras)

Am kommenden Sonntag gastiert der MSV Duisburg zum Auftakt der Rückrunde der zweiten Liga auf dem Betzenberg. Für FCK-Fans trotz der in dieser Saison schwachen Heimbilanz sicher und trotzdem ein Saisonhighlight. Traditionsverein gegen Traditionsverein, immerhin war auch der Club von der Wedau Gründungsmitglied der Bundesliga. Ein Highlight vor allem auch, weil mit Ilia Gruev unser ehemaliger Co-Trainer mittlerweile als Chefcoach beim MSV am Spielfeldrand steht. Für uns Queer Devils ein besonderes Spiel, weil mit dem MSV ein Zweitligaverein antritt, der nicht nur einen schwul-lesbischen Fanclub in seiner Liste führt, sondern mit den Rainbow Zebras und den Ruhrzebras gleich zwei! Das gibt es sonst nur noch in München beim großen FC Bayern. Dort hatte sich im Jahr 2006 der Fanclub Queerpass Bayern gegründet. Nach diversen internen Meinungsverschiedenheiten hat sich aus den Reihen der Queerpassler dann im Jahr 2011 die Monaco Queers als zweiter LGBT-Fanclub in der Bayerischen Landeshauptstadt neu aufgestellt. Doch das ist eine andere Baustelle. Zurück zu unseren Kickern aus Meiderich. Aus beiden Fanclubs werden wir am kommenden Sonntag Freunde und Gäste begrüßen und zusammen mit einigen Mitgliedern aus den eigenen Reihen eine Tour durchs FCK-Museum anbieten. Die beiden engagierten Fanclubs aus dem Ruhrpott möchten wir vorab ein wenig vorstellen, bei beiden mal hinter die Kulissen schauen und die Frage beantworten, warum es ausgerechnet in Duisburg gleich zwei Regenbogen-Fanclubs gibt.

Ruhrzebras beim CSD in Duisburg (©ruhrzebras)

Ruhrzebras beim CSD in Duisburg (©ruhrzebras)

Die Rainbow Zebras hatten sich bereits im Jahr 2007 gegründet, genau wie die Queer Devils. Die Verantwortlichen von damals waren von Anfang bemüht auch beim internationalen Netzwerk der Queer Football Fanclubs (QFF) Mitglied zu werden. Die offizielle Aufnahme in die Reihen von QFF erfolgte dann 2009 bei der offiziellen Herbst-Tagung, die damals übrigens im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern stattfand. Was bei den Kollegen aus der Stadt an der Ruhr allerdings von Anfang an anders war als bei uns in Kaiserslautern: Die meisten Aktivisten und Mitstreiter kamen und kommen bis heute direkt aus der Stadt und der näheren Umgebung. Heute zählt der Fanclub knapp 20 Mitglieder, wovon leider nur etwa 5-6 wirklich aktiv und regelmäßig am Geschehen teilnehmen und auch ihre Mannschaft zu Auswärtspartien begleiten. Bei Heimpartien ist man selbstredend ohnehin zahlreich in der Schauinsland-Reisen-Arena vertreten. Die meisten haben Dauerkarte, allerdings ihren Stammplatz in ganz unterschiedlichen Blöcken. Das erinnert ein wenig an unsere Situation in Kaiserslautern.

Rainbow-Zebras beim Duisburg-CSD 2014 mit MdB Bärbel Bas, SPD. (©rainbowzebras)

Rainbow-Zebras beim Duisburg-CSD 2014 mit MdB Bärbel Bas, SPD. (©rainbowzebras)

Von Anfang an allerdings war es den Rainbow-Zebras neben der Unterstützung ihrer Profikicker auch wichtig, sich sozial und politisch zu engagieren. „Einige aus unseren Reihen stehen ja auch auf der politischen Bühne“, so Volker Haasper, der bei den Rainbow Zebras für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und für die SPD im Bezirk Duisburg-Süd als Bezirksbürgermeister im Ring steht. Der Fanclub war auch einer der ersten, der in Duisburg das Bündnis „Zebras stehen auf“ unterstützte und bis heute unterstützt. Eine MSV Faninitiative für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung und Teil des Netzwerkes Braunraus, das sich im Ruhrgebiet gegen Naziaktivitäten positioniert. Darüber hinaus sind die Rainbow Zebras auch regelmäßig sozial aktiv und engagieren sich seit Jahren beim Duisburger CSD (Christopher Street Day), der längst fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Stadt Duisburg ist. Bemerkenswert bei den Rainbow-Zebras, auch schwule Fans mit Handicap finden sich in deren Reihen. Inklusion in der Praxis und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man immer und überall mithilft, wenn halt auch der Rollstuhl mit auf große Fahrt muss.

Zaunfahne der Ruhrzebras im Stadion (©ruhrzebras)

Zaunfahne der Ruhrzebras im Stadion (©ruhrzebras)

Der jüngere der beiden Fanclubs aus dem LGBT-Lager, die Ruhrzebras, steht den vorbildlichen Aktivitäten der Regenbogen-Kollegen an der Wedau, vom Engagement her und in der Sache, in nichts nach. Die Ruhrzebras rekrutierten sich im Jahr 2013, vornehmlich aus den Reihen der Rainbow-Zebras. Ähnlich wie in München lagen die Gründe für die Gründung eines zweiten schwul-lesbischen Fanclubs in diversen internen Differenzen und unterschiedlichen persönlichen Ansichten zum Selbstverständnis und der Form des Außenauftritts. Dennoch tut die Existenz zweier Fanclubs aus dem LGBT-Lager in der Stadt und rund um den MSV der Sache keinen Abbruch, vielleicht ist das sogar eher förderlich, an zwei Fronten für mehr Akzeptanz und den Abbau von Diskriminierungen einzustehen. Auch bei den Ruhrzebras gehört zum Beispiel die Teilnahme am jährlichen CSD zum festen Terminkalender. Ebenso ist der Fanclub längst auch Mitglied beim QFF-Netzwerk. Man agiert bei der Fanclub-Arbeit im Vergleich zu den anderen Zebras lediglich weniger aktiv, wenn es um politische Arbeit oder Aktionen geht.

Blockfahne der Rainbow-Zebras (©rainbowzebras)

Blockfahne der Rainbow-Zebras (©rainbowzebras)

Seinen beiden Regenbogen-Fanclubs attestiert der MSV gleichermaßen vorbildliches Engagement, wenn es um Themen wie Diskriminierung oder Rassismus geht. „Wir hatten neulich mit der „action-week“ auch wieder einige Aktionen dieser Art und da haben sich beide Fanclubs aktiv eingebracht. Da können wir uns grundsätzlich auf Unterstützung verlassen, wenn wir mit solchen Themen in die Öffentlichkeit gehen“, so Linda Kleine-Nathland, die stellvertretende Pressesprecherin des MSV auf Nachfrage der Queer Devils. Aber auch Team-Manager Michael Meier versichert, „das sind zwei Fanclubs, mit denen gab es noch nie Probleme, ganz im Gegenteil, die leisten vorbildliche Arbeit!“ Na das klingt doch mehr als positiv!

Ruhrzebras auf Auswärtsfahrt (©ruhrzebras)

Ruhrzebras auf Auswärtsfahrt (©ruhrzebras)

Worin besteht dann aber der Unterschied? „Wir sehen unsere Arbeit vorrangig im Stadion. Von unserem Selbstverständnis geben wir uns offen für alle und mehr als die Hälfte unserer Mitglieder sind sogar heterosexuell“, so Monika Zapf, die Gründungsmitglied der Ruhrzebras ist. „Mit Marion, der guten Seele des Fanclubs, haben wir sogar eine Hetero-Frau als Ehrenmitglied! Sie kümmert sich schon lange um alles, wirklich alles, rund um unsere Auswärtsfahrten. Auch ist es zum festen Ritual geworden, dass Pierre unsere Zaunfahne bei Heim- und Auswärtsspielen an seinen angestammten Platz bringt. Für ihn als Hetero kein Problem. Die Gemeinschaft und die Sache zählen eben“.

Fanclub-Logo (©rainbowzebras)

Fanclub-Logo (©rainbowzebras)

Mit Karen Claeßens ist eine aktive Mitstreiterin aus den Reihen der Ruhrzebras mittlerweile gewähltes Mitglied im QFF-Sprecherrat und damit an vorderster Front mit dabei, wenn es um die Kernthemen aller dort organisierten Fanclubs geht. Die Mischung stimmt also auch bei den Ruhrzebras. Wenn auch noch nicht alles glänzt. Ein Logo als Mittel zur Außenwerbung fehlt noch und die Original-Webseite beispielsweise müsste noch mit Leben gefüllt werden. „Da fehlt uns einfach noch jemand, der sich drum kümmert und Zeit dafür hat. Hier sind wir derzeit nur über einen Facebook-Account nach außen sichtbar“, räumt Monika Zapf ein. Dennoch zählt man im mittlerweile dritten Jahr auch bereits 18 Mitglieder, wovon auch die meisten regelmäßig bei Heimspielen im Stadion stehen oder sitzen. Dauerkarte haben alle, die meisten davon in Block J auf der Nordtribüne. Viele der Aktiven sind auch regelmäßig bei Auswärtsfahrten dabei. So auch am kommenden Sonntag.

Weihnachtsfeier Ruhrzebras, u.a. mit Enis Hajri; Mitte (©ruhrzebras)

Weihnachtsfeier Ruhrzebras, u.a. mit Enis Hajri; Mitte (©ruhrzebras)

Hüben wie drüben betrachtet man die sportliche Entwicklung des MSV derzeit natürlich mit Sorge. Der Aufsteiger reist am kommenden Sonntag als Tabellenletzter ins Fritz-Walter-Stadion, aber in beiden Fanclubs ist man fest davon überzeugt, dass die Mannschaft den Klassenerhalt schafft. Vor allem, seit Ilia Gruev die Position des Cheftrainers innehat. So war der ehemalige Co-Trainer des 1.FCK zwischen 2012 und 2013 schon als Assistent von Kosta Runjaic bei den Meiderichern aktiv, ehe er dann mit Runjaic in die Pfalz wechselte, um nun an der Ruhr als Trainer in der Verantwortung zu stehen. Dennoch, liebe Freunde von der Wedau, am Sonntag bleiben die drei Punkte hier in der Pfalz und wir wiederum sind fest überzeugt, dass Ihr die Klasse auch ohne Auswärtssieg am Betzenberg schaffen werdet. Unser Daumendrücken jedenfalls ist Euch sicher.

mg

 


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