Endlich…und es tut so unglaublich gut…!

Der 1.FCK gewinnt am sechsten Spieltag sein erstes Saisonspiel mit 3:0 gegen Dresden

Unermüdlich geackert und das dritte Tor vorbereitet, Lukas Görtler (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Unermüdlich geackert und das dritte Tor vorbereitet, Lukas Görtler (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Tayfun Korkut, das gesamte Trainerteam und die Auswechselspieler, die noch auf der Bank saßen führten Freudentänze auf, als Jaques Zoua in der 16. Minute seine zweite hundertprozentige Chance eiskalt im Kasten der Dresdner versenkt hatte. Es sollte am gestrigen Abend nicht der einzige Freudentanz der Verantwortlichen sein, mindestens zwei weitere sollten noch folgen. Freudentänze der Erleichterung, die auch die 19.606 offiziellen Zuschauer vollzogen, sofern sie dem Lauterer Lager angehörten. Mit 3:0 gewannen die Roten Teufel ihr erstes Saisonspiel gegen den Aufsteiger aus Dresden. Die Sachsen hätten sich nicht beklagen dürfen, wenn sie gestern doppelt so viele Buden kassiert hätten. Chancen dafür waren einmal mehr zuhauf da.

...you'll never walk allone; Westtribüne vor dem Anpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

…you’ll never walk allone; Westtribüne vor dem Anpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach bislang 5 Spielen ohne Sieg und nur einem einzigen selbst erzielten Treffer, stand der FCK vor der gestrigen Partie mit dem Rücken zur Wand. Tayfun Korkut und Sportdirektor Uwe Stöver wurden in den letzten Wochen nicht müde, um Geduld zu bitten. Der vollzogene Umbruch brauche einfach Zeit. Die Geduld vieler Fans war spätestens nach der Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart aufgebraucht. Ironie des dreckigen Geschäfts, nach der Partie gegen Stuttgart stand die Mannschaft nach dem Abpfiff wie paralysiert und bitter enttäuscht vor der Westtribüne und sah sich einem vor Wut schäumenden Mob gegenüber. Gestern Abend nach den 90 Minuten im Grunde gleiche Aufstellung, nur mit veränderter Atmosphäre. Der sichtlich erleichterte Kader stand applaudierend vor der Westtribüne und viele jener, die wenige Tage zuvor den Profikickern noch die Krätze an den Hals gewünscht oder noch Schlimmeres zur Schau getragen hatten, jubelten der Mannschaft nun euphorisch und frenetisch zu. Gerade Mal vier Tage nach der enttäuschenden Niederlage gegen Stuttgart. Fragwürdige Wertewelt!

Gab die Vorlage zum ersten Tor, Naser Aliji (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gab die Vorlage zum ersten Tor, Naser Aliji (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Mannschaft hat letztlich an sich geglaubt und den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Auch gestern Abend nicht, als einmal mehr Zoltan Stieber bei einem schnellen Gegenzug durch war, die Führung auf dem Fuß hatte, doch fahrlässig vergab (7.). Nur fünf Minuten später war es Jaques Zoua, der eine glasklare Chance liegen ließ. Alexander Ring wurde von Lukas Görtler steil bedient, der legte quer auf den Kameruner, doch obwohl er Torwart Marvin Schwäbe bereits überwunden hatte, konnte Manuel Konrad in letzter Sekunde noch auf der Linie klären (12.). Nur vier Minuten später war es dann soweit. Naser Aliji bediente mit einem quer gelegten Ball erneut Jaques Zoua, doch diesmal ließ sich der Last-Minute-Einkauf nicht beirren und versenkte das Leder am Dresdner Keeper vorbei links unten im Netz. Freudentanz an der Bank und auf den Tribünen erster Teil! Die Hartnäckigkeit hatte sich ausgezahlt, wie auch Tayfun Korkut in der Pressekonferenz attestierte. Die Jungs hatten auch nach den ersten beiden vergebenen Chancen nicht aufgegeben und sich durch die Unpässlichkeiten nicht aus dem Konzept bringen lassen. Wie sagte Gerry Ehrmann einst, „Zweifler siegen nicht und Sieger zweifeln nicht“! Wie wahr!

Freudentanz und Torjubel nach dem 1:0 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Freudentanz und Torjubel nach dem 1:0 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Treffer nahm der FCK ein wenig das Tempo raus. Durchaus legitimes, taktisches Stilmittel, nur darf man durch so eine Tempobremse den Gegner natürlich nicht aufbauen. Die Dresdner kombinierten zwar in der Folge gefällig, wussten aber mit den sich bietenden Räumen nur wenig anzufangen. Einzig eine Szene in der 27. Minute ließ den Pulsschlag des Lauterer Anhangs nach oben schnellen. Akaki Gogia flankte vor den Kasten von Julian Pollersbeck, wo am langen Pfosten Marco Hartmann über den Lauterer Keeper köpfte. Doch Tim Heubach konnte in letzter Sekunde den Ball noch von der Linie kratzen. Einer der ganz wenigen unnötigeren Aufreger im Lauterer Defensivverbund gestern Abend, die viel gefestigter, eingespielter, konzentrierter und engagierter wirkte als in den (meisten) Partien zuvor. Einmal mehr sichtbares Indiz, dass es eben auch Zeit braucht, bis ein Räderwerk stabil verzahnt agiert. Mit der knappen Führung gingen die Akteure in die Kabine.

Osayamen Osawe bedankt sich bei Alexander Ring (Foto: Thomas Füssler)

Osayamen Osawe bedankt sich bei Alexander Ring (Foto: Thomas Füssler)

Während der Halbzeitpause bahnte sich ein Wechsel an. Athletiktrainer Bastian Becker pushte Osayamen Osawe auf Betriebstemperatur. Der Sturmtank von der britischen Insel kam mit Beginn von Halbzeit zwei für Naser Aliji. Also ein deutliches Signal hier mit einer weiteren Offensivkraft möglichst schnell eine Vorentscheidung zu suchen. Ein mutiger Schritt, der sich auszahlte. Es dauerte nur bis zur 51.Minute und die bereits zitierten Protagonisten auf und neben dem Platz durften den zweiten Freudentanz anstimmen. Zoltan Stieber hatte eine maßgenaue Flanke von links vors Dresdner Tor serviert, der eben eingewechselte Osayamen Osawe stand goldrichtig und nickte den Ball unhaltbar für den Keeper der Sachsen aus kurzer Distanz ein. Es stand 2:0! Die Dresdner waren bemüht und hatten sich nach dem Anstoß auch zielstrebig vor den Lauterer Kasten kombiniert, doch der Kopfball von Marvin Stefaniak verfehlte das Ziel. Die Roten Teufel allerdings waren nun hungrig was sich schon in der Körpersprache ablesen lies. Lukas Görtler holte sich auf halb rechts einen fast verlorenen Ball giftig und aggressiv zurück, lief sich frei, schaute kurz auf, flankte und fand den Kopf von Jaques Zoua, der wie sein Kollege wenige Minuten zuvor freistehend den Ball nur noch einnicken musste (56.). Dritter Freudentanz!

Die Entscheidung per Kopf zum 3:0, Jaques Zoua (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Entscheidung per Kopf zum 3:0, Jaques Zoua (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die taktische Marschrichtung war aufgegangen, die Aggressivität der Offensivbemühungen des FCK hatten sich gelohnt, die Hartnäckigkeit mit der gegen den Ball und mit sicherem Kombinationsspiel nach vorne gearbeitet wurde, hatte sich ausgezahlt! Hier sollte nichts mehr anbrennen und tat es auch nicht. Der in Halbzeit eins noch lautstarke Support der ungefähr 1.500 mitgereisten Fans aus Dresden verstummte nach und nach, akustisch hatte der Anhang in rot-weiß das Zepter im weiten Rund wieder übernommen. Die Sachsen blieben zwar weiter sehr bemüht, aber die dickeren Chancen hatte der FCK. Mit einer Ausnahme. In der 69. Minute ging es turbulent zu vor dem Lauterer Tor. Stefan Kutschke setzte aus kurzer Distanz zum Kopfball an, doch Julian Pollersbeck entschärfte das Leder mit einer reflexartigen Glanzparade. Teufelskerl! Überhaupt gefiel auch am gestrigen Abend die Gesamtleistung des jungen Kerls zwischen den Pfosten. Es ist eine Augenweide welch eine abgeklärte Ruhe der 22-jährige da hinten abspult. Es wird eine schwere Entscheidung für Gerry Ehrmann werden, wer denn am kommenden Samstag den Kasten der Roten Teufel sauber halten soll, denn der gesperrte André Weis wird wieder spielberechtigt sein. „Da verlasse ich mich auf unseren Torwarttrainer Gerry Ehrmann“, gab Tayfun Korkut den Ball auf die Frage, wer denn am Samstag zwischen den Pfosten stehe, weiter.

Zwei Vollstrecker und kreativer Gedankengeber; Jaques Zoua, Osayamen Osawe, Zoltan Stieber, v.l. (Foto: Thomas Füssler)

Zwei Vollstrecker, ein kreativer Gedankengeber; Jaques Zoua, Osayamen Osawe, Zoltan Stieber, v.l. (Foto: Thomas Füssler)

Die Schlussminuten plätscherten dann eher dahin. Lediglich Sebastian Jacob, der in der 65. Minute für den Doppel-Torschützen Jaques Zoua gekommen war, hätte sich gestern sein Heimdebüt nach seiner langen Verletzung noch vergolden können. Gleich dreieimal hatte der junge Stürmer, der sich monatelang in den Kader zurückgekämpft hatte, einen noch deutlicheren Knock-Out der Gäste auf dem Fuß. Einmal legte er sich den Ball allerdings ein wenig zu weit vor (75.). Nur zwei Minuten später traf er bei einem feinen Kopfball leider nur den Pfosten (77.) und kurz vor Schluss scheiterte der lauffreudige Angreifer frei vor dem Dresdner Keeper (88.). Sein Debüt gab gestern Abend auch Sebastian Kerk, der in der 73. Minute für den sehr fleißigen und spielkreativen Zoltan Stieber gekommen war. Eine knappe Viertelstunde zum Reinschnuppern und zum Akzente setzen. Mehr passierte bis zum Abpfiff durch den gestern nicht immer sicheren Schiedsrichter Robert Schröder.

Da macht der Schlussakkord vor der Westtribüne doch Spaß (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Da macht der Schlussakkord vor der Westtribüne doch Spaß (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Erleichterung war allen Akteuren und unzähligen Fans anzumerken und in den Stadionumläufen trotz des bescheidenen Zuschauerzuspruchs noch lange nach dem Abpfiff förmlich zu greifen. Viel Zeit zum Jubeln und Feiern wird für alle Beteiligten nicht bleiben. Schon am nächsten Samstag steht das schwere Auswärtsspiel in Heidenheim an. Wenn die Mannschaft dort mit der gleichen mutigen Einstellung und der gebotenen Disziplin auftritt, dann könne der gestrige Abend der Auftakt für weitaus erfreulichere Wochen gewesen sein. Der Mannschaft und vor allem dem unermüdlichen und akribisch arbeitenden Trainer wäre es zu wünschen. Sicher auch den vielen unermüdlichen und treuen Fans, die auch am kommenden Spieltag unseren FCK in die Fremde begleiten werden und hoffentlich die Szene von gestern am Zaun wiederholen dürfen. Die war nämlich viel schöner als das unsägliche Gebaren wenige Tage vorher und mehr Spaß hat das allen Beteiligten obendrein auch gemacht, oder?

mg


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