Emotionaler Schlusspunkt vor heimischer Kulisse

Der 1.FCK gewinnt bei tränenreichem Abschied verdient und souverän gegen Greuther Fürth

Die Mannschaft bedankte sich schon vor der Partie (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Mannschaft bedankte sich schon vor der Partie (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Als beim gestrigen Heimspiel des 1.FCK in den Schlussminuten die Westtribüne ihr „Forza FCK…..mein Leben hab ich Dir vermacht, jeden Tag und jede Nacht“ anstimmte, war die Partie sportlich bereits entschieden. Emotional erwuchs die Kulissen-Szenerie bis lange nach dem Abpfiff zu einem pathetischen Schlussakkord der Saison 2015/2016. Unter rhythmischem Klatschen griff der simple und doch so pointierte Liedertext auch auf die anderen Tribünen über. Wie von einer sanften und langgezogenen Woge getragen erhoben sich Block für Block bis in den letzten Winkel der Osttribüne die Fans von ihren Plätzen. Ein mit 25.037 Besuchern leider nur halb gefülltes Stadion zelebrierte unaufgeregt einmal mehr, wie ein Fußballspiel zu einer Hommage werden kann, zu einem nicht nur hörbaren sondern fühlbaren und greifbaren Bekenntnis zu einem Verein, der nun schon so lange das Fußballgeschehen in Deutschland mitbestimmt hat. Vielleicht hatten die besagten Minuten am Ende der gestrigen Partie zwar nicht das zu bieten, was sich nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation gegen Hoffenheim damals im Fritz-Walter-Stadion ereignet hatte, aber es war ganz sicher nicht weniger intensiv. So mancher Anhänger der Roten Teufel stand an seinem Platz, rang mit der Fassung und hatte sichtbar Wasser in den Augen. So wie auch der ein oder andere der Akteure, die sich gestern zum letzten Mal im Trikot des 1.FC Kaiserslautern vor heimischer Kulisse zeigen durften.

Fünf Akteure, die den FCK verlassen; v.l., Jean Zimmer, Markus Karl, Chris Löw, Antoni Colak, André Formitschow (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Fünf Akteure, die den FCK verlassen; v.l., Jean Zimmer, Markus Karl, Chris Löw, Antonio Colak, André Formitschow (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die sportliche Seite des gestrigen 3:1 Sieges gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth hatte auch so manches zu bieten. Bei traumhaftem Wetter und fast sommerlichen Temperaturen dauerte es ein paar Minuten, bis sich beide Mannschaften auf dem grünen Geläuf beschnuppert hatten. Der 1.FCK kam zu einer ersten zaghaften Möglichkeit, als Jean Zimmer sich in den gegnerischen Strafraum arbeitete und Alexander Ring das Zuspiel allerdings nicht sauber verwerten konnte. Die Fürther machten es besser und gingen mit ihrer ersten Möglichkeit in Führung. Veton Berisha konnte im Strafraum ein Zuspiel von Robert Zulj ohne Bedrängnis flach ins linke Eck befördern. Marius Müller war ohne Abwehrchance (12.). Der FCK zeigte mit zunehmender Dauer spielerische Überlegenheit und war in vielen Situationen einfach giftiger und aggressiver in der Balleroberung und der Ballbehauptung. So setzte sich in der 18. Minute Daniel Halfar an der Grundlinie gegen gleich zwei Gegenspieler durch, zog mit ein paar Schritten auf den kurzen Pfosten, bevor er scharf nach innen passte. Ruben Jenssen lief in die Lücke und knallte aus elf Metern das Leder knapp neben dem Pfosten ins Netz. Beherzte Aktion, schönes Tor!

Wie immer quirlig und schwer zu fassen; Jean Zimmer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wie immer quirlig und schwer zu fassen; Jean Zimmer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Roten Teufel zeigten ein ums andere Mal gelungene Kombinationen, schöne Ballstaffagen und zielgerichtetes Angriffspiel. Spielerisch waren die Gäste aus Franken nicht auf Augenhöhe, Chancen hatten sie trotzdem. Gleich zweimal strahlte Robert Zulj Gefahr aus. Sein Flachschuss in der 29. Minute wurde von Patrick Ziegler abgeblockt und einen satten Distanzschuss konnte Marius Müller mit einer Glanzparade grade noch so entschärfen (31.). In der 38. Minute dann belohnte sich der FCK für sein beherztes Spiel und schoss die Führung raus. Jean Zimmer steckte an seinem hart einsteigenden Gegenspieler vorbei an der rechten Außenbahn auf Sascha Mockenhaupt durch, der passte fast von der Torauslinie nach innen wo Alexander Ring das Leder mit rechts flach in die linke Ecke netzte. Eine effektive Ausbeute im ersten Durchgang! Mit der 2:1 Führung ging es dann in die Kabine.

Lukas Görtler mit seinem ersten Saisontreffer zum 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lukas Görtler mit seinem ersten Saisontreffer zum 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Wechsel war zunächst nicht ganz so viel Fahrt drin wie in Halbzeit eins, doch beide Mannschaften hatten bis zur Mitte des zweiten Durchgangs durchaus einige Möglichkeiten. Die zwei nennenswertesten hatten die Lauterer. Einmal verfehlte Daniel Halfar per Freistoß nur knapp (55.) und in der 71. Minute musste Keeper Sebastian Mielitz gegen den eingewechselten André Formitschow sein ganzes Können aufbringen um einen Schuss aus der zweiten Reihe zu klären. Der für Jean Zimmer gekommene Lukas Görtler sorgte dann für die Vorentscheidung. Der gelernte Stürmer verwertete per Kopf aus kurzer Distanz eine blitzsaubere Flanke, die Alexander Ring von links gefühlvoll vors Tor serviert hatte(81.). Der erste Treffer der Saison für den talentierten 22-jährigen Offensivmann. In der Folge ließen die Roten Teufel nichts mehr anbrennen. Der an diesem Tag glänzend aufgelegte Marius Müller entschärfte in Minute 84 noch einen Schuss von Venton Barisha. In den letzten Minuten passierte nicht mehr viel und Schiedsrichter Sören Storks pfiff fast pünktlich ab.

Minutenlang Party vor der Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Minutenlang Party vor der Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der 1.FCK blieb somit das sechste Spiel in Folge ungeschlagen, holte 14 von 18 möglichen Punkten. Umso unverständlicher kommt aus heutiger Sicht die Serie mit fünf Niederlagen in Folge daher. Die beiden sich aneinander reihenden Serien sind so auch Spiegelbild einer in sich turbulenten Saison mit vielen Tiefschlägen aber auch Sonnenscheinmomenten. Die gestrige Partie war während der 90 Minuten sowie dem ganzen Drumherum vor und vor allem nach dem Abpfiff zumindest ein versöhnlicher Abschluss vor heimischem Publikum. Die Mannschaft bedankte sich auch bereits vor dem Anpfiff mit einem großen Spruchband bei seinem Anhang und dieser gab vor allem nach dem Spiel besonders den Akteuren, die in der kommenden Saison ihre Brötchen woanders verdienen, einiges zurück. Der komplette Kader schritt sämtliche Tribünenfronten ab, verteilte Applaus auf die Ränge und bekam ebensolchen von dort zurück.

Jean Zimmer unter den fans auf der Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Jean Zimmer unter den Fans auf der Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Bewegende Momente natürlich dann die Stegreif-Party vor der Westtribüne, von wo vor allem Publikumsliebling Jean Zimmer gehuldigt wurde, der den Verein Richtung Stuttgart verlassen wird. Aber auch Markus Karl, André Formitschow, Chris Löwe als langjährige Akteure und selbst Antonio Colak, der nur eine Saison in der Pfalz gekickt hat, wurden mit Ovationen überschüttet. Jean Zimmer holte sich seine Streicheleinheiten direkt mit einem Bad in der Menge ab. Zwölf Jahre lang hatte er das Trikot der Roten Teufel getragen, stand selbst als Bub inmitten der Fans auf der legendären Westtribüne und genau dort ging seine Ära beim 1.FCK für ihn quasi zu Ende. Auf dem Vorsänger-Podest des Fritz-Walter-Stadions inmitten derer, aus deren Mitte er einmal nach da unten auf den grünen Rasen gekommen war. Ein tränenreicher aber ein ehrlicher und aufrichtiger Abschied. Der Wechsel war schon lange bekannt und einigermaßen geradlinig kommuniziert worden. Die Motive des jungen quirligen Wirbelwinds sind nachvollziehbar und gilt es zu respektieren. Aber vielleicht sollte mal jemand einen Videomitschnitt von seiner Verabschiedung an einen gewissen Herrn O. in L. schicken, mit dem lapidaren Vermerk, „sowas bekommt man, wenn man das so macht“!

Die Mannschaft verabschiedet sich von ihren Fans (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Mannschaft verabschiedet sich von ihren Fans (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Saison ist noch nicht ganz vorbei, der letzte Vorhang fällt erst am kommenden Sonntag in Hamburg beim FC St.Pauli. So wie Trainer Konrad Fünfstück es auch schon vor der gestrigen Heimpartie vorgegeben hat, es gehe immer noch um die TV-Tabelle. Dafür muss auch in einer Woche nochmal alles in die Waagschale geworfen werden. Nach dem gestrigen Auftritt und den Spielen der letzten Wochen darf man der Mannschaft abnehmen, dass sie auch in der letzten Partie gewillt sein wird sich entsprechend ins Zeug zu legen. Auch diejenigen, die in der nächsten Saison ein anderes Trikot tragen werden. Freuen wir uns auf die letzten 90 Minuten einer Saison, die aus Fan-Sicht teilweise genervt hat wie Zahnweh. Freuen wir uns auf einen Ausflug nach Hamburg und eine Mannschaft die gestern einen Auftritt hingelegt hat, bei dem ein Fan-Kollege attestiert hatte, „…die haben heute eine Partie geliefert, als wären sie jetzt richtig eingespielt. Wäre das geil, wenn das jetzt der Anfang der Saison wäre“. Freuen wir uns wenigstens ein bisschen darauf, dass wir nochmal ein Gefühl hinkriegen wie gestern. Dass die Mannschaft uns Fans noch ein einziges Mal mit einem Spiel beschenkt, an dessen Ende man das Pathos, das diesen Verein umgibt, förmlich mit den Händen greifen kann, auf der Tribüne steht und weiß dass all dies hier ein Stück „Heimat des Herzens“ ist und bleibt.

mg


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