Ein Jungspund löst den gordischen Knoten

Der 1.FCK gewinnt hart umkämpfte Partie gegen Würzburg knapp mit 1:0

Torjubel nach dem erlösenden 1:0 durch Robert Glatzel (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Torjubel nach dem erlösenden 1:0 durch Robert Glatzel (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es war ein dreckiges Spiel gegen den Aufsteiger aus Würzburg, ein dreckiger Sieg, aber ein wichtiger! Der FCK hat sich mit den drei ergatterten und ertrotzten Punkten in der Tabelle etwas Luft nach unten verschafft. Doch was den Zuschauern gestern Abend auf dem Betzenberg von den Akteuren der Roten Teufel geboten wurde, war streckenweise zum Haare raufen. Vorausgesetzt man hat welche! Allerdings war das Spiel der Gäste auch nicht sonderlich aufregender. Hüben wie drüben reihenweise Fehlpässe, stümperhafte technische Ausführungen von ansatzweise guten Ideen. Kein wirklich gutes Fußballspiel, ein dreckiges eben. Aus Sicht des FCK war insgesamt auch etwas Glück dabei den Dreier einzufahren. Letztlich war dieses Glück auch dem Unvermögen der Würzburger geschuldet, denen es nicht gelang aus ihrer statistischen Überlegenheit einen Torerfolg zu verbuchen. Immerhin 3:10 lautete beispielsweise das Eckenverhältnis am Ende. Wohlgemerkt, zu Gunsten der Gäste.

Immerhin war die Westtribüne einigermaßen gefüllt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Immerhin war die Westtribüne einigermaßen gefüllt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Für sein Heimdebüt hätte sich Norbert Meier sicher eine etwas größere Kulisse gewünscht. Offiziell sollen 19.943 Zuschauer die Partie im Fritz-Walter-Stadion verfolgt haben. Das mag möglicherweise die Zahl der Tickets gewesen sein, die über den Tresen gegangen sind. Wer aber im Stadion war und die triste Leere auf allen Tribünen vor Augen hatte, wird vermutlich nicht nur in sich hinein gelächelt haben. Wollt Ihr uns auf den Arm nehmen? Sei’s drum! Die Wahrheit liegt auf dem Platz und die besagte, dass die Truppe von Cheftrainer Norbert Meier am vergangenen Montag ein tolles Auswärtsspiel abgeliefert hatte, auch wenn man mit einer unglücklichen Niederlage nach Hause gefahren war. Da in der Trainingswoche keine Ausfälle zu beklagen waren, hatte die Startelf von Hannover daher auch das Vertrauen am gestrigen Abend. Dass der gestrige Gegner allerdings andere Qualitäten und eine andere Spielkultur mitbrachte und dass die Akteure im roten Dress längst nicht so gut drauf waren, wie Anfang der Woche, das war dem Spiel schon in den ersten Minuten anzusehen.

Auch gestern hinten wieder eine Bank, Ewerton (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch gestern hinten wieder eine Bank, Ewerton (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Würzburger agierten rotzfrech, standen hinten diszipliniert und konzentriert und setzten mit schnellem Umschaltspiel immer wieder Nadelstiche. Bis der FCK langsam ins Spiel kam, hatten sich die Gäste ihre ersten aussichtsreichen Chancen durch Sebastian Neumann (3.) und Rico Benatelli (5.) mit einer hundertprozentigen schon in die Statistik gemeißelt. Erst in der 11. Minute kamen die Roten Teufel zu ihrem ersten akzentuierten Ausrufezeichen. Osayamen Osawe flankte von rechts, doch der baumlange Keeper der Würzburger kratzte den Kopfstoß von Kacper Przybylko grade noch von der Linie. Fehlendes Glück oder die auffällige Abschlussschwäche der Roten Teufel? Da auch Patrick Ziegler (16.) und Osayamen Osawe (18.) mit guten Möglichkeiten kein Treffer gelang, wohl eher Letzteres. Aber die Gäste machten es den Jungs von Norbert Meier auch nicht einfach. Sie standen hoch, attackierten früh. Zusammen mit den eigenen technischen Unzulänglichkeiten als Zutat am gestrigen Abend wurde dann die Rezeptur für ein optisch wenig schmackhaftes Gericht.

Aktiv und mutig, aber konnte gestern nicht immer überzeugen, Phillipp Mwene (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Aktiv und mutig, aber konnte gestern nicht immer überzeugen, Phillipp Mwene (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ein viel diskutierter Aufreger dann in der 35. Minute.  Nach einem Kopfball-Zuspiel von Kacper Przybylko war Daniel Halfar fast durch. Sein schon fast überlaufener Gegenspieler Clemens Schoppenhauer stoppte den quirligen Kapitän der Lauterer allerdings jäh mit einem klaren Foulspiel. Schiedsrichter Sören Storks zückte die Gelbe Karte, für die aufgebrachten Zuschauer jedoch war das eine klare Rote Karte! Der Leidtragende selbst kommentierte die Szene nach dem Abpfiff allerdings deutlich verhaltener. „Ich denke Gelb ist okay. Wer weiß, ob ich durchgekommen wäre“, bekannte der Kapitän gegenüber der Presse.

Bei allem Respekt, lieber Daniel Halfar, aber der geneigte Zuschauer würde hier gerne auch eine etwas andere innere Haltung spüren oder hören. Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit und Überzeugungskraft sehen anders aus! Von einem Kapitän der Roten Teufel darf der zahlende Gast in einer so strittigen Situation ein deutlich mutigeres Bekenntnis zu den eigenen Qualitäten erwarten.

Blieb erneut hinter den Erwartungen zurück, Daniel Halfar (Foto: Thomas Füssler)

Blieb erneut hinter den Erwartungen zurück, Daniel Halfar (Foto: Thomas Füssler)

In der Vergangenheit hatten wir schon Akteure in unseren Reihen, die hätten bereits auf dem Rasen nach dem Pfiff des Unparteiischen eine andere Körpersprache an den Tag gelegt und sich in so einer Situation beim Interview vermutlich sogar in Rage geredet. Vielleicht ist auch das ein Teil dessen, wenn ein Gerry Ehrmann mal gefordert hat, wir bräuchten mehr „Hass“ auf dem Platz? Oder um es mit den Worten aus dem Munde der gleichen Ikone zu unterstreichen, „Sieger zweifeln nicht und Zweifler siegen nicht“! Mentale Haltung oder Verfassung kann ein Teil eines wachsenden und fundamentalen Willens zum Erfolg sein. Vermutlich auch Treffsicherheit beflügeln. Treffsicherheit konnten sich die arrivierten Akteure auch gestern wieder nicht attestieren. Auch wenn ein Durchkommen bei der diszipliniert agierenden Defensive der Gäste schwierig war.

Bei Standards auch gestern wieder gefährlich, Sebastian Kerk (Foto: Thomas Füssler)

Bei Standards auch gestern wieder gefährlich, Sebastian Kerk (Foto: Thomas Füssler)

Ein Bild das sich nach torlosen 45 Minuten auch im zweiten Durchgang bot und an Zähigkeit eigentlich noch zunahm. Viele der Zuschauer hatten sich im Grunde gegen Ende der Partie vermutlich schon mit einem neuerlichen Torlos-Remis abgefunden, beziehungsweise waren damit beschäftigt die eigene Angst vor einem „lucky punch“ der Gäste im Zaum zu halten. So zum Beispiel als in der 60. Minute ein abgefälschter Schuss von Rico Benatelli grade so neben dem Pfosten ins Toraus trudelte. Doch das Lauterer Spiel nahm einige Minuten später dann doch nochmal Fahrt auf. Es war Phillipp Mwene, der in der 80. Minute mit einem beherzten Solo in den Strafraum dribbelte und mit einem mutigen Abschluss dem Gästekeeper einiges abverlangte. Im Team und auf den Rängen war das ein spürbarer Weckruf. Nur eine Zeigerumdrehung später dann die Erlösung. Norbert Meier hatte in der 79. Minute Kapitän Daniel Halfar vom Feld genommen und mit Robert Glatzel eine neue Offensivkraft gebracht. Im doppeldeutigen Sinne „neu“, hatte der lange 23-jährige Jungspund bislang erst drei Kurzeinsätze bei den Profis zu verzeichnen.

Als Joker zum Matchwinner avanciert, Robert Glatzel (Foto: Thomas Füssler)

Als Joker zum Matchwinner avanciert, Robert Glatzel (Foto: Thomas Füssler)

Die von Phillipp Mwene herausgeholte Ecke konnten die Gäste nicht entscheidend genug klären. Christoph Moritz ging über die rechte Seite wieder in den Angriffsmodus, setzte mit einem klugen Pass in die Tiefe Sebastian Kerk in Szene, der das Leder fast von der Grundlinie vor den gegnerischen Kasten auf Kacper Przybylko brachte, der den Ball Richtung langer Pfosten weiterleitete, wo Robert Glatzel in den freien Raum stieß und das Leder mit Entschlossenheit über die Linie drückte (81.). Trotz der mageren Kulisse, war der Moment eine akustische Explosion. Der überschwängliche Jubel des Torschützen, der sich vor der ausflippenden Westtribüne von den Kollegen feiern ließ, war berechtigt. Der Matchwinner räumte danach auch voller Stolz ein, genau davon immer geträumt zu haben, seit er hier angekommen sei. Letztlich war der Treffer auch dem Willen eines Akteurs geschuldet, der noch unbefangen und unbekümmert aufzuspielen scheint und sich von der bisherigen Torflaute nicht hat kirre machen lassen. Wie war das nochmal mit dem fehlenden oder vorhandenen Selbstbewusstsein? Als Stürmer musst Du in so einer Situation eben genau da stehen, für den Rest braucht es nur Instinkt, Wille und Hartnäckigkeit. Chapeau, junger Mann.

Erleichterung nach dem Schlusspfiff vor der Westtribüne, Torschütze Robert Glatzel und Robin Koch (Foto: Thomas Füssler)

Erleichterung nach dem Schlusspfiff vor der Westtribüne, Torschütze Robert Glatzel und Robin Koch (Foto: Thomas Füssler)

In den Schlussminuten brannte dann nichts mehr an, obwohl die Gäste noch einiges probierten. Aber die Defensive als Filetstück des FCK verteidigte leidenschaftlich, konzentriert und entschlossen. Insofern ist trotz der eher mäßigen Leistung über den gesamten Spielverlauf der Sieg alles in allem verdient und verschafft dem FCK zunächst etwas Luft zum Durchatmen. Zuversicht dann auch von den Rängen, von wo im Hinblick auf die kommende Aufgabe in Düsseldorf die Fans „Auswärtssieg, Auswärtssieg“ skandierten. Die gefühlten Streicheleinheiten vor der Kurve für das Team ein schöner Auftakt ins Wochenende. Aber es wartet noch viel harte Arbeit auf Norbert Meier und sein Team. Vielleicht am kommenden Wochenende ja mal mit dem einen oder anderen Jungspund in der Startelf.

mg


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