Auch im vierten Anlauf kein Dreier am Hardtwald

Der 1.FCK verliert trotz engagiertem Spiel knapp mit 1:0

Sorgte mehr als einmal für Aufregung - Schiri Thorsten Schriever (Quelle: dbb.de)

Sorgte mehr als einmal für Aufregung – Schiri Thorsten Schriever (Quelle: dbb.de)

Der 1.FCK kann in Sandhausen wohl nicht gewinnen. Das war ein überwiegend geäußerter Tenor in den Reihen der zahlreichen Fans der Roten Teufel, die gestern zum Hardtwald-Stadion gepilgert waren. Konrad Fünfstück war nunmehr der vierte Trainer, der sich anschickte, drei Punkte aus Sandhausen zu entführen. Lediglich unter Franco Foda (Saison 2012/2013) und Kosta Runjaic (Saison 2014/2015) gelang es den Roten Teufeln wenigstens einen Zähler einzutüten. Interimstrainer Oliver Schäfer in der Saison 2013/2014 und Konrad Fünfstück bei der gestrigen Partie gingen gänzlich leer aus. Dabei hatte der FCK in keiner der vorangegangenen Gastspiele die Heimmannschaft derart dominiert wie am gestrigen Abend. Trotz engagiertem Spiel, klarer Feldüberlegenheit sowie deutlichem Chancenplus gelang es den Roten Teufeln nicht, den Ball im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Mehr noch, ein unglückliches und in seiner Entstehung fragwürdiges Eigentor von Stipe Vucur sorgte letztlich für die knappe Entscheidung für den SV Sandhausen, der nun als (vorübergehender) Tabellendritter als Überraschungsmannschaft der bisherigen Zweitligasaison gewertet werden darf. Während der FCK in punkto Ertrag immer noch seinen eigenen Ansprüchen hinterher läuft.

Oft im Vorwärtsgang. Marcel Gaus und Antonio Colak (Quelle: dbb.de)

Oft im Vorwärtsgang. Marcel Gaus und Antonio Colak (Quelle: dbb.de)

Es waren wohl fast 5.000 Fans die ihren FCK wieder einmal nach Sandhausen begleiteten und denen es einmal mehr gelang zumindest das Duell auf den Tribünen für die Farben in Rot zu entscheiden. Optisch wie akustisch. So geht Fankultur und Vereinsliebe, verehrte Sandhäuser! Rot – ein Farbton, der so gar nicht im Wappen des SV Sandhausen zu finden ist. Das ist zwar nur eine unwesentliche Randnotiz. Allerdings nicht ganz bedeutungslos. Immerhin schickte sich Trainer Alois Schwartz an, seinen abendlichen Job am Spielfeldrand im roten Leibchen zu absolvieren. Was wohl schon vor der Partie für Irritation bei Schiedsrichter Thorsten Schriever sorgte. Dieser forderte dann jedoch den Lauterer Kollegen Fünfstück auf sein angestammtes rotes Oberteil abzulegen. Begründung, Verwechslungsgefahr. Dem Unmut rund um die Lauterer Bank waren damit schon Tür und Tor geöffnet. Leute – geht’s noch? Samstag für Samstag stehen sich in der ersten Liga Trainerkollegen im edlen Zwirn gegenüber. Einziges Unterscheidungsmerkmal oftmals lediglich die Farbe der Krawatte, wobei man sich auch hier über Geschmack trefflich streiten mag. Wie gesagt, nur eine Randnotiz. Aber eben eine, die schon früh zu Spannungen zwischen Schiedsrichter-Gespann und dem Übungsleiter im angestammt roten Dress gesorgt hatte. Es sollte nicht die letzte Konfrontation bleiben.

Gut gefüllte Gästeblöcke... (Quelle: dbb.de)

Gut gefüllte Gästeblöcke… (Quelle: dbb.de)

Der FCK begann die Partie mit breiter Brust und zeigte schon in der ersten Viertelstunde, dass man nicht gewillt war hier verhalten zu agieren. Die im Vergleich zum letzten Spiel unveränderte Startelf von Konrad Fünfstück war vom Anpfiff weg bemüht aus einer sattelfesten Defensive sein Angriffspiel aufzuziehen. Allerdings führten vor allem die langen Bälle meist nicht dazu die Vorwärtsbewegung in Torgefahr umzuwandeln. Dennoch hatten die Lauterer in der 8. Minute die erste richtige Möglichkeit des Spiels, als ein Nachschuss von Marcus Piossek nach einer scharfen Hereingabe von Daniel Halfar nur zur Ecke abgelenkt werden konnte. Es dauerte bis zur 22. Minute, dass der SV Sandhausen wirkliche Gefahr erzeugte, als Leart Paqarada mit einem Distanzschuss aus rund 30 Metern beinahe Marius Müller überraschte, der jedoch zur Ecke klären konnte. In der Folge viele kleinere taktische Fouls und wenig Spielfluss und Spielfreude.

...auf allen Tribünen (Quelle: dbb.de)

…auf allen Tribünen (Quelle: dbb.de)

Dabei zog der Unparteiische mit kleinlichen und teils fragwürdigen Entscheidungen mehr und mehr auch den Unmut der Gästefans auf sich. Das bereits gut gefüllte Fass zum ersten Mal zum Überlaufen brachte eine Szene in der 38. Minute. Bei einem Sandhauser Konter wurde Markus Karl von seinem robusten Gegenspieler Ranisav Jovanovic im Laufduell mit Hand und Ellbogen im Gesicht getroffen und ging zu Boden. Der Schiri ließ den Konter dennoch weiterlaufen, den Abschluss von Jakub Kosecki klärte Marius Müller zur Ecke. Die wurde verhängnisvoll. Über die scharfe Hereingabe von Leart Paqarada senste Kacper Przybylko drüber, der Ball prallte an den überraschten Stipe Vucur und fand so den Weg ins Tor (39.). Der SVS führte, die Fans der Roten Teufel schäumten und tobten. Nach der anschließenden Beschwerde beim vierten Offiziellen musste Konrad Fünfstück auf die Tribüne, was die Gemüter im Gästeblock weiter anheizte. Mit der knappen und glücklichen Führung ging es in die Pause.

Die Führung für den SVS. Unglücksrabe Stipe Vucur (Quelle: dbb.de)

Die Führung für den SVS. Unglücksrabe Stipe Vucur (Quelle: dbb.de)

Die Truppe von Konrad Fünfstück kam mit spürbarer Wut und sichtbarer Entschlossenheit aus der Kabine und zog vom Anpfiff weg ein regelrechtes Powerplay auf. Sandhausen verteidigte bissig und effektiv. Den Lauterer Angriffen fehlte es mitunter an der letzten Konzentration und der Präzision auf den letzten Metern zum Tor. Lange Bälle kamen nach wie vor zwar an, es fehlte in der Bewegung dennoch daran den konsequenten „lucky punch“ daraus zu kreieren. Das Spiel mit kurzen Pässen bisweilen sogar sehr gefällig, aber im Abschluss dann doch wieder irgendein Sandhäuser Bein, ein Fuß, ein Kopf dazwischen. Distanzschüsse zu selten möglich und dann fehlende Zielgenauigkeit, Torhüter Marco Knaller oder erneut das dichte Gedränge vor dem Tor der Erfolgs-Verhinderer. Allein Antonio Colak , der in der 53. scheiterte und in Minute 62 ein Zuspiel von Pritsche vor Knaller verpasste sowie Sascha Mockenhaupt, der frei über den Kasten köpfte (64.) hätten die Partie drehen können. Aber der Ball wollte nicht rein.

Fels in der Abwehrbrandung, Ex-Lauterer Marco Knaller (Quelle: dbb.de)

Fels in der Abwehrbrandung, Ex-Lauterer Marco Knaller (Quelle: dbb.de)

Ab der 75. Minute der SV Sandhausen dann gar in Unterzahl. Philipp Klingmann kassierte nach einer unnötigen Aktion etwas abseits des eigentlichen Spielgeschehens die Gelb-Rote. Das Powerplay ging weiter, doch auch in den letzten 15 Minuten gelang es nicht die aussichtsreichen Chancen in Zählbares zu wandeln. Ein Schuss von Marcel Gaus ging knapp am Tor vorbei (82.) und auch der letzte Versuch von Mateusz Klich wurde vom Keeper entschärft (90.+1). Insgesamt eine hektische Schlussphase mit 3 Minuten Nachspielzeit, in der dem FCK die Präzision fehlte. Die vielen hohen Bälle fanden bei Keeper Knaller oder der dichten Abwehr des Gegners dankbare Abnehmer. So blieb es leider beim knappen 1:0 für die Heimmannschaft, die sich den Sieg aufgrund der leidenschaftlichen Abwehrschlacht irgendwie auch verdient hatten.

Die Unparteiischen um den selbstherrlich auftretenden Referee ernteten aus dem Gästeblock ein giftiges Pfeifkonzert. Die Elf von Konrad Fünfstück durfte sich nach dem Abpfiff trotzdem stehenden Applaus abholen. Leidenschaft, Kampfgeist und Wille waren da und das wollen die Fans natürlich sehen. Dennoch wurmt das Spiel, denn es fehlt der Lohn für die Mühe und die investierte Energie. Auf dem Rückweg zum Parkplatz unter dem Gros der FCK-Fans daher auch eher betretenes Schweigen. Vor allem auch deshalb, weil es an der seit Jahren geschundene Fan-Seele des Pfälzer Traditionsvereins nagt, dass man sportlich nun auch hinter dem vermeintlichen kurpfälzisch-badischen Dorfverein steht.

Trotz Niederlage, Applaus für die Roten Teufel (©mg)

Trotz Niederlage, Applaus für die Roten Teufel (©mg)

Dort hat man in den letzten Jahren sicher solide Arbeit abgeliefert und mit Augenmaß ein stabiles Fundament zementiert. Schritt für Schritt wurde das Stadion ausgebaut, man leistet solide und erfolgreiche Nachwuchsarbeit, man bleibt bescheiden und bodenständig. Es fehlt einzig an dem, was den Fußball nun einmal auch ausmacht. An einer gewachsenen und breit aufgestellten Fankultur. Betrachtete man sich gestern Abend die prall gefüllten und emotional aufgeheizten Gäste-Fan-Blöcke und stellt das überschaubare Häuflein Identifikations-Protagonisten in den Farben schwarz-weiß dagegen, dann versteht man die Pfälzer Fan-Seele, wenn man sich Verlauf und Ausgang der gestrigen Partie und das daran anschließende Tabellenbild betrachtet. Und man versteht, warum Lauterer auch in der zweiten Liga viel lieber zu einer Auswärtspartie nach Nürnberg, nach Bielefeld, nach Duisburg, nach Karlsruhe, nach Braunschweig, nach Freiburg oder zum FC St.Pauli oder zu 1860 fahren, als nach Sandhausen oder nach Heidenheim. Noch viel lieber aber nach Stuttgart, nach Köln, nach Mönchengladbach, nach Dortmund, nach Gelsenkirchen, nach Frankfurt oder nach Berlin. Aber davon sind wir derzeit eben leider weit weg. Sehr weit weg.

mg


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