Zurück auf dem Boden der Wirklichkeit

Wenig inspirierter FCK kassiert Heimklatsche gegen Braunschweig

Rückschlag. Ohrfeige. Ernüchterung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Rückschlag. Ohrfeige. Ernüchterung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der FCK unterlag gestern Nachmittag vor 20.494 Zuschauern bei einem über weite Strecken trägen und uninspirierten Auftritt mit 0:3 gegen Braunschweig.  Die erste Heimniederlage der noch jungen Saison, in der die Mannschaft von Trainer Sascha Hildmann noch keines seiner bislang drei Heimspiele gewinnen konnte. Nach einer schon wenig begeisternden ersten Halbzeit ging es torlos in die Kabine. Nach einigen wenigen vielversprechenden Offensivaktionen im zweiten Durchgang, bei denen die Roten Teufel die Führung teils kläglich vergaben, war der Drops dann binnen zehn Minuten gelutscht. Per Kopf traf Mike Feigenspann in der 71. Minute zur Führung der Gäste. Der eingewechselte Leandro Putaro erhöhte nur wenige Minuten später mit einem satten Flachschuss auf 2:0 (76.), ehe Nick Proschwitz in der 79. Minute einen umstrittenen Handelfmeter zum 3:0 der Niedersachsen verwandelte.

Immerhin 20.494 Zuschauer fanden den WEg auf den Betzenberg (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Immerhin 20.494 Zuschauer fanden den Weg auf den Betzenberg (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Man wollte den Schwung und die Euphorie aus der Vorwoche mitnehmen, als die Roten Teufel den  ungeliebten Rivalen aus der Landeshauptstadt aus dem DFB-Pokal kegelten. Trainer Sascha Hildmann schickte auch die gleiche Startelf wie vor Wochenfrist auf den Platz. Doch die Pokalhelden brauchten schon unverhältnismäßig lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Die erste nennenswerte Chance für den FCK gab es auch erst in der 20. Minute, als Philipp Hercher eine Hereingabe in den Rücken der Abwehr brachte. Dominik Schad zog aus 15 Metern ab, doch Gäste-Keeper Marcel Engelhardt, parierte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die spielerisch den Takt angebenden Braunschweiger bereits ein gutes Dutzend Torabschlüsse für sich verbuchen können. „Wir waren zu langsam, haben zu behäbig und träge gespielt“, monierte Trainer Sascha Hildmann den Auftritt seiner Mannschaft vor allem im ersten Durchgang.

In Bedrängnis, Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

In Bedrängnis, Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dem Spiel fehlten in Halbzeit eins über weite Strecken Tempo und Kombinationsfluss. Auf beiden Seiten, wenngleich die Gäste optisch ein deutlich sichereres Bild abgaben. Auffällig in den Reihen der FCK-Akteure, das mangelnde Zweikampfverhalten und zahlreiche Ungenauigkeiten im Abspiel, die so manchem Fan auf den Tribünen schon wieder die Haare zu Berge stehen ließen. Alternativ mit langen Bällen zu agieren, mag ein sporadisch probates Mittel sein, doch auch damit brachte der FCK die Gästedefensive nicht wirklich in Verlegenheit. Die Roten Teufel wirkten ideenlos und verunsichert, sowohl in der Vorwärtsbewegung als auch bei so einigen Defensivaktionen. Wo waren die Gier, die Wucht und die Leidenschaft aus der Vorwoche geblieben? Immerhin spielte man im ersten Durchgang nach verlorener Platzwahl auf die eigene erneut gut gefüllte Fantribüne. Vor der Pause versprühten die Roten Teufel noch zweimal Gefahr. Zunächst verpasste Florian Pick nach einem beherzten Solo (30.). Philipp Hercher scheiterte nach Zuspiel von Christian Kühlwetter nur knapp (43.). Torlos ging es in die Kabine.

Wohin mit dem Ball. Sinnbild für ein uninsperiertes Spiel, Chrstoph Hemlein (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wohin mit dem Ball. Sinnbild für ein uninsperiertes Spiel, Chrstoph Hemlein (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Wechsel fanden erneut die Gäste besser ins Spiel. Die erste dicke Möglichkeit hatte allerdings der FCK. Nach einer Ecke von Manfred Starke landete die Kugel direkt bei dem am langen Posten völlig frei postierten Christian Kühlwetter, doch der etatmäßige Lauterer Stürmer brachte das Kunststück fertig das Leder aus kürzester Distanz nicht über die Linie zu drücken, sondern neben den Kasten zu semmeln. „Die Chance hab ich kläglich vergeben. Den muss ich reinmachen“, haderte der Stürmer nach dem Abpfiff mit der vergebenen Möglichkeit zum Führungstreffer. Quasi im Gegenzug die dickste Möglichkeit für die Gäste. Ein Abstoß brachte Mike Feigenspann ins Spiel, der fast alleine aufs Lauterer Tor zulief, aber im letzten Moment von Carlo Sickinger geblockt werden konnte (51.). Auch Timmy Thiele hätte dem Spiel wenige Minuten später eine Wende geben können, doch bei seinem Konterlauf missriet sein Abschluss, da er nicht genug Wucht hinter  den Ball brachte. Der Braunschweiger Keeper hatte keine Mühe das Leder zu sichern.

Setzte wenigstens ab und zu Offensivakzente, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Setzte wenigstens ab und zu Offensivakzente, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach einer weiteren Viertelstunde kam es, wie es kommen musste. Nick Proschwitz konnte die Kugel behaupten, an der Strafraumgrenze auf Alfons Amade weiterleiten und dessen Flanke konnte Mike Feigenspan per Kopf im rechten Winkel unterbringen. Die Gäste führten (70.). Trainer Christian Flüthmann wechselte den Torschützen nur eine Minute später aus, brachte Leandro Putaro. Nur fünf Minuten später spielten die Braunschweiger einen Konter fast mustergültig aus, der eingewechselte Putaro vollendete mit einem Flachschuss staubtrocken (76.). Aber es kam noch bitterer. Bei einem Schuss der Gäste drehte sich José Matuwila weg, bekam das Leder an den angelegten Oberarm und Schiedsrichter Tobias Welz zeigte auf den Punkt. Ungläubiges Staunen im Stadion. „Ein absoluter Witz-Elfmeter, das passt. Ein Scheißtag“, kommentierte Trainer Sascha Hildmann die strittige Entscheidung. Nick Proschwitz nahm das Geschenk dankend an, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und traf vom Punkt zum 3:0 für Braunschweig (79.). Danach passierte nicht mehr viel. Der FCK vermochte keine Gefahr mehr zu erzeugen, die Gäste ließen nichts mehr anbrennen. Nach einer Minute Nachspielzeit war Schluss.

Ackert sich durch, Timmy Thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ackert sich durch, Timmy Thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Für die Fans des 1. FC Kaiserslautern war nicht nur die Niederlage als solches, sondern auch die Art und Weise wie die Mannschaft von Sascha Hildmann nach der begeisternden Partie im DFB-Pokal gestern zu Werke ging, ein emotionaler Tiefschlag. Die bisherige Saisonbilanz liest sich mehr als nüchtern. Nur fünf Punkte aus fünf Spielen. Noch kein einziges Spiel im heimischen Stadion gewonnen, aktuell Tabellenplatz 13. Nach nur wenigen Wochen lässt schon wieder die vergangene Saison grüßen. Man wolle natürlich auch das gestrige Spiel genau analysieren, richtete der Trainer seinen Blick nach vorne. Das scheint ob der fehlenden Kontinuität und Stabilität auch dringend geboten. Was gestern vor allem gefehlt hat, waren die Einstellung und der Wille an die euphorisierende Leistung im Pokal anzuknüpfen. Sasha Hildmann sprach nach dem gestrigen Spiel davon, die Mannschaft habe sich unbewusst in einer Art Komfortzone eingerichtet. Fehlt es da eventuell an Konzentration und der Fähigkeit zur Fokussierung?

Kunststück. Verfehlt aus kürzester Distanz das leere Tor, Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kunststück! Verfehlt aus kürzester Distanz das leere Tor, Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

In den zurückliegenden Wochen wurde viel auch über den neuen Spezialisten im Trainerteam gesprochen. Martin Daxl (59), der seit 2017 wohl auch dafür sorgt, dass die Profis vom SC Paderborn regelmäßig den Kopf frei kriegen, kümmert sich seit einiger Zeit um die inneren Blockaden der Roten Teufel. Reflektionstrainer, Potential- oder Persönlichkeitstrainer beziehungsweise Mentaltrainer lauten die Begrifflichkeiten, die das Tätigkeitsfeld des psychologisch geschulten Mitarbeiters umschreiben. Auch einige FCK-Spieler haben sich dazu schon geäußert. Florian Pick ist überzeugt, dass die Arbeit der neuen Fachkraft einen großen Anteil an seinem bisherigen leistungsmäßigen Höhenflug hatte. Auch Timmy Thiele hat den neuen Trainer bereits gelobt. „Letztes Jahr hat man die Verängstigung gesehen. Dieses Jahr spielen wir mutiger und aggressiver. Er hat gute Ansätze, die uns als Mannschaft helfen“, schilderte der FCK-Stürmer die Unterschiede im Interview.

Nach dem Abpfiff Ernüchterung bei Fans und Mannschaft (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Abpfiff Ernüchterung bei Fans und Mannschaft (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wenn es sich die Mannschaft laut Trainer Sascha Hildmann nach dem Pokalerflog über Mainz offensichtlich in einer Art Komfortzone bequem gemacht hat, muss natürlich die Frage erlaubt sein, worauf Martin Daxl in der Woche nach dem Pokalerfolg eigentlich sein Augenmerk gerichtet hat? Wenn das Wechselspiel zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit in dieser Spielzeit nicht wieder Dauergast am Betzenberg sein soll, dann wäre es an der Zeit den vielen Worten nun endlich auch Taten folgen zu lassen. Dass die Mannschaft mehr kann hat sie durchaus gezeigt. Es muss nun aber endlich Kontinuität rein. In den Beinen und in den Köpfen, mit oder ohne moderne Trainingsmethoden.

mg


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