Von Batman und Robin bis zum Kondom des Grauens

Zur Eröffnung der Ausstellung SuperQueeroes im Schwulen Museum in Berlin

Auch Helden wie Superman, Batman und Robin finden sich in Berlin (©Markus Pfalzgraf)

Auch Helden wie Superman, Batman und Robin finden sich in Berlin (Foto: Markus Pfalzgraf)

Immerhin rund 500 Gäste fanden am vergangenen Donnerstagabend den Weg ins Schwule Museum in Berlin. Anlass war die Vernissage zur Ausstellung SuperQueeroes. Es ist das erste Mal, dass sich ein Museum umfassend mit dem Thema queerer Helden und Heldinnen befasst und illustrativ, informativ und detailliert aufzeigt, wo diese sich im Comic-Genre bis heute auch ihren Platz erobert haben. Schon der Auftakt also ein voller Erfolg, der dieser bislang verkannten Literatur-Ecke durchaus gebührt. Die Comic-Welt positioniert sich, mischt sich ein – politisch, literarisch, witzig, spritzig, frech! Kaum eine Ecke der schwul-lesbischen Welt bleibt unberührt und gibt facettenreiche Blickwinkel frei, die durch die sprichwörtliche „rosa“ Brille betrachtet zielsicher treffen. Helden und Heldinnen, die von fiktiven knallharten Science-Fiction Figuren bis zu liebenswerten Alltagsprotagonisten reichen.

SuperQueeroe-Generator (©Markus Pfalzgraf)

SuperQueero-Generator von Yori Gagarim (Foto: M. Pfalzgraf)

Wer erinnert sich nicht gern an die liebenswerten Knollennasen von Ralf König? An all die drolligen Geschichten seiner persönlichen Helden Konrad und Paul, und an die ulkigen Erlebnisse rund um deren Beziehungsalltag. So mancher wird von sich behaupten können, dass die kurzweiligen Einblicke in das Leben der beiden Protagonisten in den späten 1980er und den 1990er Jahren auf lustige Art und Weise das Bewusstsein um die eigene Position in der Gesellschaft gestärkt und das eigene Coming-Out auf ganz besondere Weise begleitet haben. So mancher wird sich heute aber auch gern daran zurückerinnern, wie oft ihm der gestählte Körper eines Super-Helden wie „Superman“ zu so manchem feuchten Traum verhalf. Dass man seinerzeit in der eigenen Phantasie gerne auch Raum dafür zugelassen hatte, in Batman und Robin nicht nur Comic-Helden zu sehen, sondern sich ein heimliches Traumpaar vorstellen konnte oder wollte. Aber nicht nur die bekannten Figuren vor allem von jenseits des großen Teiches sollen bei der Ausstellung in Berlin im Vordergrund stehen.

Gute Stimmung vor der Eröffnung (Foto: Dr. Axel Wippermann)

Gute Stimmung vor der Eröffnung (Foto: Dr. Axel Wippermann)

Der Fokus liegt zwar auf „Superhelden und Superheldinnen“. Gemeint sind jedoch nicht nur die gängigen Supermänner und Superfrauen, die in „Mainstream-Comics“ aus den USA in den letzten Jahren Coming-Out-Geschichten erlebt haben. Den Machern der Ausstellung geht es insbesondere darum zu zeigen, wie heroisch alltägliche und banal anmutende Geschichten von LGBTI-Menschen sein können. So werde Comic-Helden auf ganz einfache Art zu Identifikationsfiguren, wenn spürbar wird, dass diese sich in einer heteronormativen Welt schlicht durchsetzen mussten oder bis heute müssen. Dazu werden Geschichten aus Europa solchen aus den USA gegenübergestellt. Die „Mainstream-Superhelden“ auf der einen Seite gegenüber denen des Underground, wie zum Beispiel „Super Tranny“ Glamazonia des US-Amerikaners Justin Hall. Es werden subversive „Anti-Helden“ präsentiert und LGBTI-Charaktere, die den Weg in klassische Hetero-Domänen wie Cowboy- und Cop-Geschichten gefunden haben und die zeigen, dass auch Schwule, Lesben und transidente Menschen in solchen Geschichten überzeugen können. Eine eigene Abteilung widmet sich übrigens dem Thema „HIV und AIDS“ und zeigt, wie seit vielen Jahren auch mit Comics gegen die Gesundheitskrise gekämpft wurde – vom „Condom Man“ bis zu den „Stigma Fighters“.

Einer der Kuratoren - Markus Pfalzgraf (©Markus Pfalzgraf)

Einer der Kuratoren – Markus Pfalzgraf (Foto: Rebekka Plies)

Ein international besetztes Team von Kuratoren und Kuratorinnen hat das Konzept und die Zusammenstellung der Exponate, die Inhalte und die Themen der Ausstellung mit begleitet. Einer davon ist Markus Pfalzgraf (31), Journalist in Diensten des SWR in Stuttgart und ganz nebenbei auch leidenschaftlicher Fan des 1.FC Kaiserslautern und Mitglied bei den Queer Devils. Er hat sich bereits im Jahre 2012 mit seinem Buch „Stripped“ dem Genre der Queer-Comics gewidmet. Ihm ist es gelungen, mit seinem Werk eine einmalige Sammlung zusammenzustellen und einen umfassenden Überblick zu liefern, die selbst Kennern noch die eine oder andere Neuentdeckung bescheren dürfte, die sich nun auch in der Ausstellung im Schwulen Museum in Berlin wiederfindet. Im Rahmen einer begleitenden Veranstaltungsreihe zur Ausstellung wird Markus Pfalzgraf am kommenden Montag (25.01.2016, 18.30 Uhr) die Alltagshelden schwuler und lesbischer Comics vorstellen. Von den drallen Lederkerlen eines Tom of Finland, die die schwule Ikonografie früh geprägt haben, über die poetischen Werke von Howard Cruse bis hin zu japanischen Zeichnungen zwischen Kitsch und Gewalt ist alles dabei.

Facettenreiche Exponate (©Markus Pfalzgraf)

Facettenreiche Exponate (Foto: Markus Pfalzgraf)

Doch nicht nur die Helden und Heldinnen der Comics selber gebührt der Hero-Status. Auch die vielen Autoren und Autorinnen der Queer-Comics haben das Risiko sozialer Ausgrenzung und professioneller Anfeindung auf sich genommen, als sie ihre Arbeiten erstmals veröffentlichten. Diese Autor und Autorinnen werden ebenfalls als „Helden“ und LGBTI-Vorkämpfer in der Ausstellung vorgestellt. Dazu gehören sowohl in Europa bekannte Künstler wie Tom of Finland, Alison Bechdel, Ralf König, Wolfgang Müller, Gengoroh Tagame, Nazario oder Howard Cruse. Aber auch Künstler und Künstlerinnen von außerhalb des Kontinents wie Megan Rose Gedris, Erika Moen und Kylie Summer Wu.

Es gibt im Rahmen der Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Präsentationen und Workshops. Das Programm dazu umfasst derzeit die nachfolgend aufgeführten Veranstaltungen:

  • Stripped (©Markus Pfalzgraf)

    Stripped (© Bruno Gmünder Verlag)

    23.01.2016, 19.00 Uhr
    „No Straight Lines“. Lesung mit Justin Hall

  • 25.01.2016, 18:30 Uhr
    „Homosexualität im Comic“. Vortrag von Markus Pfalzgraf
  • 29.03.2016 bis 01.04.2016, 10.00 bis 14.00 Uhr
    Masken, Glitzer, Kryptonit – Mit Stift und Fantasie für eine bessere Welt
  • 14.04.2016, 19.00 Uhr
    „Yuri, Girls‘ Love, Shoujo Ai?! Gibt es lesbische Manga?“ Vortrag mit Dr. Verena Maser 
  • 17.04.2016, 14.00 Uhr
    Live Comic Zeichnen mit 123comics und Ka Schmitz
  • 14.05.2016, 19.00 Uhr
    Ach, so ist das?! Comiclesung mit Martina Schradi   

Umfassendere Informationen zu den Veranstaltungen finden sich hier. Neben den angekündigten Veranstaltungen bietet das Schwule Museum den Besuchern auch regelmäßig kostenlose öffentliche Führungen an. Diese sind bislang vorgesehen für den 23.01. (14 Uhr), 04.02. (18 Uhr), 13.02. (16 Uhr), 18.02. (18 Uhr) und den 27.02. (16 Uhr). Die Veranstaltung ist auch geeignet für Menschen im Rollstuhl.

mg


Kommentare

Von Batman und Robin bis zum Kondom des Grauens — 3 Kommentare

  1. Nur als kleine Anregung:

    Selbst den Disney Studios ist in den frühen 60gern mal eine subversive Schwulität durchgegangen: In der ersten Fassung von „Cinderella“ (Aschenputtel) gibt es eine Schlussszene, in der alle Freunde von Cinderella in einer Art Amphitheater begeistert feiern. Dabei auch die beiden Mäuse Jackie (der schmale Hagere) und Karli (der verfressene Dicke). Karli geht Jackie beim Feiern dermassen an die Wäsche, dass der ausflippt. In der <originnalfassung ist das in Grossaufnahme die Schlussszene!

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