Viel Krampf, vier Tore, besorgte Fans und emotionale Diskussionen

Die Roten Teufel gewinnen ihr Heimspiel gegen Haching deutlich mit 4:0

Spruchband vor der Westtribüne. Es wäre für alle Zeit sich dran zu erinnern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Spruchband vor der Westtribüne. Es wäre für alle Zeit sich dran zu erinnern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Fast eine Stunde lang bot der FCK am gestrigen Samstag den offiziell 16.428 Besuchern nur fußballerische Magerkost. Eine Leistung, die man trotz des am Ende deutlichen Ergebnisses gegen Unterhaching getrost der Kategorie Grottenkick zuordnen darf. Wieder einmal. Wirklich besser wurde es erst nach dem ersten Treffer, den Christian Kühlwetter in der 59. Minute markierte und so für den Dosenöffner sorgte. Nur drei Minuten später traf Florian Pick mit einem Distanzschuss zum 2:0 (62.). Kurz vor Ende der Partie erhöhte André Hainault (88.) auf 3:0 ehe der eingewechselte Christoph Hemlein (90.+1) zum 4:0 Endstand traf. Eine halbe Stunde lang sah das alles wie Fußball aus. Ansonsten dominierten Krampf und spielerische Unzulänglichkeiten. Aber auch die Geschehnisse rund um den Betzenberg, die wirtschaftliche Situation und die internen Querelen der letzten Wochen, beschäftigten die Fans und machten den Kantersieg gegen die Münchner Vorstädter ohnehin fast zur Nebensache.

Lieferte gestern eine Vorlage und ein Tor, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lieferte gestern eine Vorlage und ein Tor, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Drei Heimniederlagen in Folge, eine unterirdische Leistung beim letzten Auswärtsspiel am vergangenen Montag in der hessischen Landeshauptstadt, eine Saisonbilanz, die weit hinter den gesteckten Zielen und Erwartungen zurücklag. Dazu das miese nasskalte Wetter, die extrem angespannte wirtschaftliche Situation, Grabenkämpfe in den Führungs- und Kontrollgremien sowie unansehnliche mediale Schlammschlachten. Die gähnend leeren Tribünen kurz vor Anpfiff der gestrigen Partie waren für die Verantwortlichen des FCK die Quittung für das jämmerliche Bild, das der ruhmreiche Traditionsverein in den zurückliegenden Wochen auf vielen Ebenen nach außen hin abgegeben hatte. Sportlich wie administrativ. „Mediale Schlammschlacht beenden! Persönliche Eitelkeiten zurückstellen! Endlich gemeinsam für den FCK!“, stand auf einem Spruchband vor der Westtribüne. Eine deutliche Aufforderung der Fans an die Verantwortlichen beim FCK, endlich wieder zu Geschlossenheit und einer erträglichen Außendarstellung zurückzufinden.

Kein Durchkommen. Gedränge vorm Hachinger Tor (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kein Durchkommen. Gedränge vorm Hachinger Tor (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ob es denn einfach wäre Spaßfußball zu wollen, wenn alles andere drum herum nicht nach Spaß aussehe, das könne man doch nicht ausblenden, wurde Trainer Sascha Hildmann bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag gefragt. „Machen wir uns nichts vor, natürlich können die Jungs das alles nicht ausblenden. Es nützt ja nichts, wenn wir nur darüber reden. Das sind ja keine Maschinen oder Roboter, das sind genauso Menschen wie wir alle. Deshalb wollen wir versuchen wieder diese Leichtigkeit zurückzuholen“, gab der Cheftrainer die Richtung für das Heimspiel gegen Unterhaching vor. Von Leichtigkeit war allerdings zu Beginn der gestrigen Partie nicht viel zu spüren. Gleich auf fünf Positionen hatte der Cheftrainer seine Anfangsformation geändert und auf ein 4-4-2-System umgestellt. Carlo Sickinger und Mads Albaek mussten angeschlagen pausieren, Lukas Gottwalt, Christoph Hemlein und Julius Biada mussten auf der Bank Platz nehmen. Dafür rückten Florian Pick, Gino Fechner, der wiedergenesene Dominik Schad, Antonio Jonjic und Jan Löhmannsröben in die Startelf.

Torjubel nach 1:0 durch Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Torjubel nach 1:0 durch Christian Kühlwetter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Während der ersten Viertelstunde bot sich den Fans beider Lager eher ein fader Kick, bei dem sich beide Teams zunächst abtasteten, ohne eine sichtbare und wirksame Spielidee darzubieten. Nicht zwingend genug und bei der spielerisch gebotenen Qualität dann auch symptomatisch, war ein Schuss von Kevin Kraus nach einer Flanke von Janek Sternberg in der 7. Minute, der den Ball jedoch weit über den Kasten der Gäste semmelte. Das sollte für den FCK im ersten Durchgang der einzige Hauch einer Torchance bleiben. Riesengroßes Glück hatten die Roten Teufel dann in der 17. Minute. Ein langer Ball von Hachings Kapitän Alexander Winkler auf den spurtenden Luca Marseiler, der gedanklich und läuferisch schneller auf den Ball ging als drei Abwehrspieler des FCK, der heraus stürmende Lennart Grill verschätzte sich am Strafraumeck, der Hachinger Mittelfeldmann nahm das Spielgerät nicht kontrolliert genug mit und verfehlte mit seinem Abschluss dann das verwaiste Lauterer Tor. Der Ball landete am Außennetz. Der FCK agierte danach zwar etwas offensiver konnte sich aber genau wie die Gäste keine nennenswerte Torchance mehr erarbeiten. Torlos ging es in die Kabine.

Mit breiter Brust nach dem Treffer zum 2:0, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit breiter Brust nach dem Treffer zum 2:0, Florian Pick (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Wechsel zunächst ein unverändertes Bild. Der FCK zu behäbig im Spielaufbau und zu fehlerhaft im schnellen Umschaltspiel. Der Unmut auf den Rängen war mit Händen förmlich zu greifen. Doch dann ergibt sich durch einen Standard eine Möglichkeit. Sollte ausgerechnet ein Standard dafür sorgen den Krampf im Mannschaftsgefüge zu lösen? Er sollte! Florian Pick brachte von der linken Außenseite einen Freistoß scharf vors gegnerische Tor, Christian Kühlwetter stieg zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle hoch und köpfte das Leder unhaltbar ins Netz (59.). Endlich! Die Roten Teufel ließen nun nicht locker. Nur wenige Momente später hätte Florian Pick den zweiten Treffer markieren können, doch sein Schuss verfehlte den Hachinger Kasten und strich nur knapp am rechten Pfosten vorbei. Besser machte es der quirlige Dribbler in der 62. Minute. Wenige Meter vor der Strafraumkante nahm er einen abgewehrten zweiten Ball an, ging zwei Schritte nach innen, zog ab und beförderte das Leder halbhoch rechts ins Netz. Der FCK führte 2:0.

Markiert den dritten Lauterer Treffe, Kapitän André Hainault (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Markiert den dritten Lauterer Treffe, Kapitän André Hainault (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Unterhaching war in der Folge bemüht den Anschlusstreffer zu markieren, doch der FCK stand nun defensiv gut und ließ wenig zu. Kurz vor Ende der Partie legten die Roten Teufel dann nochmal nach. Nach einer Ecke setzte der eingewechselte Elias Huth das Leder per Kopf an den Pfosten. Der abgeprallte Ball landete im Fünfmeterraum bei Christoph Hemlein, der das Leder zu André Hainault bugsierte und dieser drosch die Kugel aus kurzer Distanz zum 3:0 in die Maschen (88.). Doch damit nicht genug. Der FCK drehte nun richtig auf und nun klappte es auch mal mit einem schnellen Konter. Timmy Thiele spurtete über die linke Seite, passte quer auf den mitgelaufenen Christoph Hemlein, der aus fünf Metern nur noch den Fuß hinhalten musste und zum 4:0 vollendete (90.+1). Bemerkenswert, dass die aussichtslos zurückliegenden Gäste auch in der Nachspielzeit nicht aufsteckten und tatsächlich noch einmal zu einer Möglichkeit kamen, bei der sich Lennart Grill auszeichnen konnten und einen Ball aus kürzester Distanz mit einem tollen Reflex an die Latte lenkte.

Dreht nach dem 4:0 zum Jubeln ab, Christoph Hemlein (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dreht nach dem 4:0 zum Jubeln ab, Christoph Hemlein (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kurz danach war Schluss. Der FCK hatte nicht nur endlich mal wieder ein Heimspiel gewonnen, sondern zwei Spieltage vor Saisonende auch rechnerisch die Klasse gesichert. Eine Erkenntnis, die deshalb schmerzt, weil alle Verantwortlichen des Vereins und die meisten Fans vor Beginn dieser ersten Drittligasaison ganz sicher eher davon ausgegangen waren, dass nach dem 36. Spieltag die Meldung die Gazetten zieren würde, der FCK habe den Aufstieg in die zweite Liga geschafft. Aber davon war diese Mannschaft in der laufenden Saison gefühlte Lichtjahre entfernt. So gut sich der gestrige Heimsieg für die Fanseele anfühlte, so richtig zum Feiern war niemand zumute. Vielmehr beschäftigte die Fans die Frage, warum die Mannschaft so häufig zwei Gesichter zeigt, warum sie insgesamt so wenig Konstanz geliefert hat, ob für die nächste Spielzeit die Herausforderung die Lizenz zu bekommen überhaupt noch realisiert werden kann und wie es mit dem Traditionsclub insgesamt weitergehen würde.

Schon kurz nach dem Abpfiff große Lücken auf der West. Feierlaune fühlt sich anders an (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Schon kurz nach dem Abpfiff große Lücken auf der West. Feierlaune fühlt sich anders an (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Vor allem über die Entwicklungen abseits des grünen Rasens, die in den letzten Tagen und Wochen für viel Unruhe rund um den FCK gesorgt hatten, wurde auch nach dem Abpfiff in den Umläufen noch lange diskutiert. Allerdings in einer deutlich niveauvolleren Art und Weise, als in den sogenannten „asozialen Hetzwerken“ oder in einschlägigen Fan-Foren. Was dort vor allem in den letzten Tagen zu lesen war, ist ein nicht minder jämmerliches Bild, als das, was insbesondere einige der Akteure in den Kontrollgremien, in der Öffentlichkeit abgeliefert haben. Es ist nun knapp zwei Jahre her, dass wir als Fanclub im Rahmen der PRIDE WEE KL 2017 eine Podiumsdiskussion zur Entwicklung der Umgangskultur im Profisport organisiert hatten. Eine tolle Veranstaltung, die damals sehr gut besucht war. Bei den vielen Gesprächen und Diskussionen, die gestern im Stadion geführt wurden, hatte man das Gefühl, dass Kommunikation tatsächlich auf einem gesitteten und respektvollen Level stattfinden kann. Ruft man sich jedoch vor Augen mit welcher Wortwahl von Seiten vieler Fans die Geschehnisse rund um den FCK kommentiert wurden, muss man sich als eingefleischter Fan der Roten Teufel längst nicht mehr nur für so manche auf dem Platz gelieferte Leistung der Profis schämen!

mg


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.