Verdientes und überzeugendes Ostergeschenk

Vier Tore gegen Aufsteiger Heidenheim. Der Betzenberg scheint wieder eine Festung.

Kraftvoll - Michael Schulze setzt sich gegen zwei Heidenheimer durch © thof

Kraftvoll – Michael Schulze setzt sich gegen zwei Heidenheimer durch
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Der 1.FC Kaiserslautern bleibt im heimischen Fritz-Walter-Stadion eine Macht. Mit dem hochverdienten 4:0 Erfolg und dem bisher höchsten Sieg der Saison festigten die Roten Teufel auch am 27. Spieltag ihren Heimnimbus. Gleichzeitig unterstrich die Partie gegen die Albstädter einmal mehr, dass die Jungs von Kosta Runjaic augenscheinlich mit jedem weiteren Spieltag einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung machen. Eine Entwicklung, die sichtbar noch immer Potentiale birgt. Aber genau das ist das Pfund, das Sicherheit und Optimismus für die kommenden Wochen und darüber hinaus beschert. Auch wenn alle nur von Spiel zu Spiel denken.

Beflügelt - Willi Orban jubelt nach seinem frühen Kopfballtreffer zum 1:0 © thof

Beflügelt – Willi Orban jubelt nach seinem frühen Kopfballtreffer zum 1:0
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Ostersamstag 2015, es regnet seit den frühen Morgenstunden. Nass-kaltes Wetter, Fritz-Walter-Wetter. Willi Orban hat bereits vor Wochen schon einmal bekräftigt, unter diesen Bedingungen mache ihm Fußballspielen am meisten Spaß. Natürlich kostet ein regennasses grünes Geviert viel Kraft. Egal, das stecken alle weg. Platzwahl verloren und wieder von Beginn an in Halbzeit eins schon auf die eigene Wand spielen. Egal, das stecken alle weg. Kosta Runjaic nahm drei Veränderungen vor. Markus Karl gelbgesperrt, Philipp Hofmann hatte sich bei der U21-Nationalmannschaft verausgabt, schien wohl physisch nach seiner Rückkehr nicht bei hundert Prozent, Kerem Demirbay seit der Partie in Karlsruhe noch immer leicht angeschlagen. Dafür rückten Michael Schulze und Simon Zoller in die erste Garde, Mateusz Klich gab sein Startelf-Debüt. Also wieder von Beginn an eine veränderte Formation. Egal, das stecken alle weg.

Optimistisch - die Fans wittern die Chance zum Wiederaufsteig © thof

Optimistisch – die Fans wittern die Chance zum Wiederaufsteig
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Der 1.FCK ließ vom Anpfiff weg keinen Zweifel daran, wer hier heute den Takt angeben sollte. Die ersten Minuten gehörten klar dem Offensivdrang der Roten Teufel. So führte auch die erste erzwungene Standardsituation schon zur Führung. Mateusz Klich legte sich den Ball zum Eckball zurecht. Seine maßgeschneiderte Hereingabe fand den freistehenden Willi Orban, der wuchtig aus rund 10 Metern zum 1:0 einköpfte (5.). Ein Start ganz nach dem Geschmack der 32.135 Zuschauer, darunter rund 1.000 Fans aus Heidenheim.

Der FCK bestach weiterhin mit Dominanz. Karim Matmour (7.) und Chris Löwe per Freistoß (19.) hätten in der Folge die Führung noch ausbauen können, verfehlten jedoch beide denkbar knapp. Zwischen der 20. Und der 40. Minute kam Heidenheim spielerisch etwas besser in die Partie, lieferte einige kombinationssichere Ansätze im Mittelfeld, aber bis ganz nach vorne vermochte das Team von Frank Schmidt keine Gefährlichkeit zu entwickeln. Echte Torchancen Fehlanzeige. Das war sicher auch erneut der bärenstarken Leistung der Lauterer Defensive geschuldet, wo insbesondere Willi Orban und Tim Heubach nichts anbrennen ließen.

Schlitzohrig - Karim Matmour krönte seine Leistung mit seinem Treffer zum 2:0 © thof

Schlitzohrig – Karim Matmour krönte seine Leistung mit seinem Treffer zum 2:0
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Der FCK verlegte sich gegen Ende der ersten Halbzeit wieder mehr auf die Offensivbemühungen, was auch kurz vor dem Pausenpfiff belohnt wurde. Chris Löwe bediente Kevin Stöger, der sich mutig in den Strafraum spielte und den Abschluss suchte. Der abgefälschte Schuss schlug quer zu Karim Matmour, der den Ball gekonnt unter Kontrolle brachte und mit einem rotznäsigen Außenristchip das Leder vor dem verdutzten Heidenheim-Keeper rechts in die Maschen setzte (42.). Eine beruhigende Pausenführung, die für erhebliche Laune auf den Rängen sorgte.

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine. Der FCK kontrollierte weiterhin das Spiel und hätte durch einen satten Flachschuss von Kevin Stöger in der 58. Minute die Führung weiter ausbauen können, aber der Heidenheimer Keeper Zimmermann hielt. In der 61. Minute dann erstmals wirklich Aufregung in der Lauterer Hintermannschaft. Einmal mehr war es Tobias Sippel, der am bis hier beruhigten Gemüt der Fans des 1.FCK kratzte. Ein mutiges Herauslaufen fast bis zur Mittellinie konnte der Keeper nicht für sich entscheiden. Michael Schulze hatte alle Mühe zu klären, aber die Heidenheimer konnten auch diesem Schnitzer kein Kapital schlagen. So blieb Heidenheim auch in der zweiten Halbzeit ohne echte Tormöglichkeit. Frank Schmidt selbst attestierte während der Pressekonferenz, „die größte Chance hatten wir, als Sippel auf dem Weg war, in den Sturm zu gehen, aber auch da kamen wir einen Schritt zu spät“.

Glücklich - Mateusz Klich durfte sich über sein Startelfdebüt, eine Torvorlage und den Treffer zum 3:0 freuen © thof

Glücklich – Mateusz Klich durfte sich über sein Startelfdebüt, eine Torvorlage und den Treffer zum 3:0 freuen
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Kosta Runjaic nahm in der 65. Minute den hitzigen aber mit dem gelben „Schwalben-Karton“ aus der 1. Halbzeit belasteten Kevin Stöger vom Feld. Ihm hatte kurz zuvor nach einem Foul der souveräne Schiri Patrick Ittrich aus Hamburg mit deutlichen Gesten aufgezeigt, von wo er bei weiteren harten Aktionen das Ende der Partie hätte verfolgen dürfen. Stöger war bis dahin immer wieder Impulsgeber mit mehr als einem Gesicht. Er glänzte regelmäßig mit Ballsicherheit, nagte aber auch immer wieder mit seiner Ballverliebtheit am Nervenkostüm so einiger Zuschauer. Er sorgt mit seiner Giftigkeit und Frechheit regelmäßig für schnittige Bewegung nach vorne. Man darf gespannt sein, ob die Leihgabe des krisengeschüttelten VfB Stuttgart über das Saisonende hinaus nicht doch am Betzenberg bleiben darf. Wünschenswert wäre es allemal.

Schwungvoll - nach DFB-Einsatz nur Bankdrücker und dann Joker mit Torinstinkt. Philipp Hofmann nach dem Treffer zum 4:0 © thof

Schwungvoll – nach DFB-Einsatz nur Bankdrücker und dann Joker mit Torinstinkt. Philipp Hofmann nach dem Treffer zum 4:0
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Eine Viertelstunde vor Ende brachte der Trainer dann Philipp Hofmann und nahm dafür Simon Zoller vom Feld, der noch mit seiner letzten Aktion im Spiel nach einem schönen schnellen Angriff aus halblinker Position zwar zum Abschluss kam, aber leider nur das Außennetz traf. Es wäre dem quirligen und emsigen Jungen mehr als zu gönnen, nach der Rückkehr aus Köln endlich seinen ersten Treffer zu markieren. Weiter so, Simon, das klappt schon noch!

In der 78. Minute ein weiterer sehenswerter Angriff der Roten Teufel. Karim Matmour tankte sich mit einem kraftvollen Antritt in den Heidenheimer Strafraum, wurde aber von zwei FCH-Verteidigern in die Zange genommen und kam so durch das zusätzlich noch beherzte Eingreifen des Heidenheimer Torhüters zu Fall. Gedankenschnell nahm sich Mateusz Klich des herrenlosen Balls an und schob zum 3:0 ins leere Tor ein.

Euphorisch - die Fans auf der Westtribüne verabschieden die Gäste mit der bislang gewohnten Taschentuch-Optik © mg

Euphorisch – die Fans auf der Westtribüne verabschieden die Gäste mit der bislang gewohnten Taschentuch-Optik
© mg

Doch auch damit noch nicht genug. Philipp Hofmann schloss in der 86. Minute aus halbrechter Position mit einem sehenswerten Schlenzer ins lange Eck gar zum 4:0 ab. Ein hochverdienter Sieg mit einem schönen „Tordifferenz-Bonus“. Die Mannschaft hat also Wort gehalten und den Fans ein Ostergeschenk bereitet. Im Moment aber auch nicht mehr. Man konnte auch nach der Partie beobachten oder wahrnehmen, dass viele Fans in Erwartung einer realistischen Aufstiegschance einen nicht zu leugnenden Glanz in den Augen tragen. Aber es ist auch deutlich zu spüren, dass man sich der Maxime annimmt, die Trainerstab und Mannschaft seit Monaten unisono predigen. Wichtig ist nur das nächste Spiel.

Spekulationen und Rechnereien werden unter den Fans eher nur hinter vorgehaltener Hand präjudiziert. Zählen wird Stand heute erst einmal nur die Partie in Düsseldorf am Montag in einer Woche. Noch vor Jahresfrist lag der FCK nach dem 27. Spieltag mit dem blamablen Heim-Remis gegen Abstiegskandidat Bielefeld mit vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz auf Rang vier! Damals wurde hitzig diskutiert, gerechnet, gewettert, prognostiziert, beschworen und gemäkelt. Heute beziehungsweise gestern zwar überall zufriedene Gesichter, aber auch bescheidene Zurückhaltung. Vier Tore-Eier und drei Punkte-Eier im Osternest und auf der Habenseite. Auf nach Düsseldorf. Aber auch danach wären noch sechs Spiele zu absolvieren. Egal, das stecken wir erst einmal weg. Weit weg. Schöne Feiertage.

© mg


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