Torlose Magerkost im Kellerduell

Wenige Akzente auf dem Rasen, einige Akzente auf dem Personalparkett

Gestern sicher in der Defensive, Tim Heubach (Foto: Thomas Füssler)

Gestern sicher in der Defensive, Tim Heubach (Foto: Thomas Füssler)

Daß gestern am Betzenberg kein Fußballfest zelebriert werden würde, das hatten schon vor der Partie viele erwartet. Vom Papier her traf der 1.FCK als Vorletzter der Tabelle der zweiten Liga gegen den Tabellenletzten im Fußballunterhaus. Da wundert es nicht, dass nur offizielle 21.645 Zuschauer das Kellerduell sehen wollten, darunter rund 700 Gästefans aus Bielefeld. Nach 90 Minuten hatte zumindest das Ergebnis die Pessimisten bestätigt. In der eher ereignisarmen Begegnung fehlte beiden Teams der Mut für einen erfrischenden und lebendigen Offensivfußball. Der FCK hatte durchaus Möglichkeiten die Partie zu entscheiden. Auch schon früh im Spiel. Aber auch die Gäste kamen nach verhaltenem Anfang zu einigen Möglichkeiten und konnten die letzten 20 Minuten gar in Überzahl bestreiten, da Marcel Gaus nach einer gelb-roten Karte frühzeitig zum Duschen musste. Nach der Dezimierung war bei den Roten Teufeln eher Ergebnissicherung angesagt. Wirkliche Akzente gab es für die Hausherren bis zum Abpfiff nicht mehr. Zumindest nicht im Spielgeschehen.

FCK gegen Arminia Bielelfeld Noch stehen die Fans in der Westtribüne hinter der Mannschaft (Foto: Thomas Füssler)

FCK gegen Arminia Bielelfeld
Noch stehen die Fans in der Westtribüne hinter der Mannschaft (Foto: Thomas Füssler)

Die Roten Teufel begannen verhalten, ließen in den Anfangsminuten zwar den Ball laufen, aber es fehlten die Ideen dem Spiel einen sichtbaren Stempel aufzudrücken. Es dauerte bis zur 10. Minute um die Sehnsucht nach dem Torschrei greifbar werden zu lassen. Nach einem Freistoß von Alexander Ring legte Christoph Moritz mit der Brust ab, Zoltan Stieber zog aus halblinker Position ab, doch der flache Schuss knallte an den Pfosten. Wieder Pech im Abschluß! Der erste Aufreger auf der Gegenseite dann in der 19. Minute, als nach einer Ecke Fabian Klos frei zum Kopfball kam, das Leder aber neben den Kasten semmelte. Das Spiel war bis dahin durch wenige Torraumszenen dafür umso mehr Mittelfeldarbeit geprägt. Chancen vor dem Pausentee hatten noch Osayamen Osawe, der ein Zuspiel in Bedrängnis nicht an Torhüter Wolfgang Hesl vorbeibringen konnte (25.) und Lukas Görtler, der einen abgewehrten Ball direkt abnahm, doch das Leder wurde entscheidend abgefälscht (28.). Gegen Ende des ersten Durchgangs kamen die Bielefelder besser ins Spiel, ohne jedoch wirklich Torgefahr auszustrahlen. So ging es torlos in die Kabinen.

Vergab erneut einige aussichtsreiche Chancen, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

Vergab erneut einige aussichtsreiche Chancen, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

Mit Beginn des zweiten Durchgangs brachte Trainer Tayfun Korkut mit Sebastian Kerk für Lukas Görtler und mit Naser Aliji für Alexander Ring zwei frische Kräfte. Es war dann einmal mehr Fabian Klos, der kurz nach Wiederanpfiff erneut per Kopf die erste Chance für die Gäste hatte, doch in Julian Pollersbeck seinen Meister fand (48). Erst in der 64. Minute hatten sich die Jungs von Trainer Tayfun Korkut ihrerseits die nächste nennenswerte Möglichkeit erarbeitet. Aber der Keeper der Ostwestfalen konnte einen Freistoß von Zoltan Stieber klären. Kurz darauf konnte Osayamen Osawe einen Fehler der Bielefelder Defensive nicht verwerten und schoss das Leder über den Kasten. Das Spiel war bis dahin auf beiden Seiten zäh und wenig temperamentvoll. Das sollte sich für einen Moment in der 70. Minute ändern. Zoltan Stieber hatte nach einem feinen Zuspiel nahezu freie Bahn, wurde jedoch gleich zweimal am Trikot gehalten. Beim Abschluss kam er so aus dem Tritt und jagte das Leder über die Latte. Ein Pfiff für einen fälligen Strafstoß blieb aus. Sofort kochten die Emotionen über und im allgemeinen Protesthagel griff der bereits gelb-belastete Kapitän Marcel Gaus mit beiden Händen an die Schultern von Schiedsrichter Frank Willenborg. Ein Platzverweis durch gelb-rot war die logische Konsequenz.

Hatte die besten Chancen im Spiel, Zoltan Stieber (Foto: Thomas Füssler)

Hatte die besten Chancen im Spiel, Zoltan Stieber (Foto: Thomas Füssler)

Das Team von Trainer Tayfun Korkut war nun auf Ergebnissicherung bedacht und traute sich nur noch wenig zu. Daran änderte auch das Profi-Debüt von Robert Glatzel nichts, der in der 75. Minute für Osayamen Osawe kam und nochmal für neue Ideen und neue Akzente in der Offensive sorgen sollte. Allerdings ohne zählbaren Erfolg. Der Wille des Teams war zwar sichtbar da, aber in Unterzahl mochte der Durchbruch bis zum Abpfiff irgendwie nicht mehr gelingen. Doch auch die Bielefelder wussten aus ihrem Überzahlspiel nicht wirklich etwas anzufangen. Nach zwei Minuten ereignisloser Nachspielzeit pfiff der nicht immer glückliche Unparteiische die Partie ab. Das anschließende Pfeifkonzert aus dem Lager der Lauterer dürfte dann wohl auch vornehmlich dem Schiedsrichter gegolten haben, der mit dem verweigerten Strafstoß und der gelb-roten Karte gegen Marcel Gaus auch lange nach dem Abpfiff im Umlauf des Stadions noch für Diskussionsstoff  gesorgt hat.

Aufregung nach der Szene im Strafraum, gelb-rot für Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Aufregung nach der Szene im Strafraum, gelb-rot für Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Der 1.FCK steht jetzt nach dem 8. Spieltag mit nun 6 Punkten auf dem Relegationsplatz. Es dürfte in den kommenden Wochen und Monaten ein steiniger Weg werden, ehe der Umbruch vor allem im sportlichen Bereich Früchte tragen wird. Die gestrige Partie präsentierte allerdings einige Akzente, die Raum für Optimismus zulassen sollten. Optimismus um die sportliche Zukunft des 1.FC Kaiserslautern. Trainer Tayfun Korkut hatte Nachwuchsspieler Robin Koch in der Innenverteidigung mit einer Startelf-Nominierung ein überraschendes Debüt beschert. Der Sprössling von FCK-Ikone und FCK-Legende Harry Koch, der bereits in Kindertagen seine Fußballschuhe beim 1.FCK schnürte, wechselte vor gut 13 Jahren nach Trier. Von dort kam er 2015 dann zurück zum 1.FC Kaiserslautern, um sich zunächst in der U23 zu profilieren. Am vergangenen Freitag unterzeichnete er nun seinen ersten Profivertrag bei den Roten Teufeln. Zwei Tage später dann der erste Einsatz bei den Profis. Chapeau! Mit Robert Glatzel kam eine Viertelstunde vor Ende dann noch ein weiterer Debütant aus der Nachwuchsabteilung des FCK. Einer für den Angriff, ein groß gewachsener Kerl, ganze 1,93 Meter groß. In Bayern hat der heute 22-jährige das Kicken erlernt und kam ebenfalls im Sommer letzten Jahres von der Regionalligamannschaft des TSV 1860 München.

Nicht vergessen werden sollte in dieser Nachwuchs-Betrachtung erneut Julian Pollersbeck, der ebenfalls erst vor wenigen Tagen seinen Vertrag beim FCK bis 2020 verlängerte. Drei junge hoffnungsvolle Talente, die früh den Sprung nach oben geschafft haben. Vor allem Robin Koch bestach gestern durch seine unbefangene und ruhige, bisweilen vor Souveränität strotzende Art. Zusammen mit dem Ruhepol Julian Pollersbeck reifen hier zwei mentale Eckpfeiler in der Defensive heran. Das kann einmal zu einer echten Bank und einer Stabilitätsgarantie werden! Auch wenn Robert Glatzel im Angriff gestern in den sich ihm bietenden 15 Minuten glücklos blieb, die Rahmenbedingungen im Spiel waren zu dem Zeitpunkt für einen Newcomer nicht gerade ideal. Dennoch kann der Junge was und was er kann hat er in der U23 hinreichend bewiesen.

Debütant, der Ruhe ausstrahlte, Robin Koch (Foto: Thomas Füssler)

Debütant, der Ruhe ausstrahlte, Robin Koch (Foto: Thomas Füssler)

Entscheidend für die sportliche Zukunft bleibt, dass im Nachwuchsleistungszentrum seit Jahren auf sportlicher Ebene offensichtlich erstklassige Arbeit abgeliefert wird. Die aktuellen Erfolge der U17 und U19 sprechen Bände. Auch die U23 ist trotz der gestrigen Niederlage und nach den Wirrungen der zurückliegenden eineinhalb Jahre auf einem guten Weg. Beste Voraussetzungen und wichtige Säule für einen Umbruch, der langfristig angelegt und auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist. Das sollte allen rund um den Betzenberg Mut machen und sollte uns alle antreiben, dem Trainerteam und der Mannschaft Zeit zu geben und Geduld mitzubringen.

Vor allem aber sollten insbesondere die jungen Eigengewächse Motivation genug sein, wieder regelmäßiger ins Stadion zu gehen, der Mannschaft lautstark zu helfen und so vielleicht Augenzeuge eines Reifeprozesses zu werden, an dem wir alle noch sehr viel Spaß haben könnten. Zu diesem Reifeprozess werden in Kürze natürlich auch die jüngsten Neuzugänge gehören, die im Moment noch die Lazarettliste zieren. Aber auch diese Perspektive macht Hoffnung und Mut, dass der aktuelle Tabellenplatz nicht das aussagt, was in diesem Kader tatsächlich drinsteckt.

mg


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