Selbstbewusst die eigenen Ziele angehen

Mitgliederversammlung von QueerNet-RLP e.V. in Koblenz

Eine lange Tagesordnung wartete auf die Delegierten (Foto: mg)

Eine lange Tagesordnung wartete auf die Delegierten (Foto: mg)

Am vergangenen Sonntag hatte das rheinland-pfälzische LGBTI-Netzwerk QueerNet-RLPe.V. zu seiner halbjährlichen Mitgliederversammlung nach Koblenz eingeladen. Rund 20 Delegierte  waren aus dem gesamten Bundesland angereist. Eine lange Tagesordnung mit mehr als dreißig Themenpunkten sind in den Geschäftsräumen des Koblenzer Caritasverbandes besprochen worden. Dazu gehört die große Herausforderungen  sich künftig viel aktiver, selbstbewusster und geschlossener den derzeitigen politischen Entwicklungen im Land zu stellen. Vor allem das Projekt Familienvielfalt und der in der letzten Legislaturperiode beschlossene Aktionsplan für Menschen mit queeren Lebensweisen dürfen den derzeit populistischen Diskussionen nicht zum Opfer fallen. Hier wollen wir gemeinsam mit der Landesregierung  Fortschritte erreichen.

Mit dem Einzug der AfD in den Mainzer Landtag haben sich auch die politische Diskussionskultur und die parlamentarische Arbeit spürbar verändert, so QueerNet-Sprecher Joachim Schulte. Es sei längst absehbar, dass die neue politische Kraft im Landesparlament alles daran setzen wolle, die in einer Jahrzehnte währenden Entwicklung errungenen Fortschritte hin zu einer vielfältigeren Gesellschaft mit allen Mitteln zurückdrehen zu wollen. Das berührt natürlich nicht nur die mittlerweile erkämpften Rechte der LGBTI-Community, sondern auch die über einen langen Zeitraum gewachsene gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz gegenüber Lebensweisen abseits von klassischen Rollenverteilungen. Insbesondere die AfD nutze das demokratische Instrument parlamentarischer Anfragen dazu, den Status Quo eines gesellschaftlichen Diskurses auf nahezu allen Ebenen zu hinterfragen und mit teils kruden Thesen eigene Vorstellungen und Modelle in die breite Diskussion einzubringen. Mit den zuständigen Ministerien werden regelmäßig intensive Gespräche geführt. Das gehört mitunter zur alltäglichen Arbeit der Verantwortlichen von QueerNet RLP e.V.

Das neue Projekt Queer Refugees in Rheinland-Pfalz soll und  muss erweitert werden. Es fehlt allerdings an allen Fronten die notwendige finanzielle Ausstattung. Aktuell gibt es lediglich zwei Anlaufstellen in Mainz und in Trier. Die Delegierten beauftragen den Vorstand von QueerNet-RLP einen Antrag an das zuständige Ministerium zu richten, wie es von der Versammlung der Queer refugees Initiativen in Rheinland-Pfalz an QueerNet RLP herangetragen worden ist.

Steht für Vielfalt in der Gesellschaft in Rheinland-Pfalz, QueerNet-RLP e.V.

Steht für Vielfalt in der Gesellschaft in Rheinland-Pfalz, QueerNet-RLP e.V.

QueerNet RLPe.V. ist stolz darauf den Prozess der Aufarbeitung der Geschichte der Schwulen und Lesben in RLP mit angestoßen zu haben. Rheinland-Pfalz ist das erste Bundesland der Republik, das sich detailliert mit der Aufarbeitung der Geschichte der Schwulen und Lesben in einem Flächenland auseinandergesetzt hat. Das Ergebnis der mehrjährigen wissenschaftlichen Arbeit wird in Form einer Veröffentlichung als Buch und einer Wanderausstellung im Januar präsentiert werden. Inhaltlich dürfte die Dokumentation für alle Mitgliedsorganisationen künftig ein wichtiger Baustein zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit werden. Man darf gespannt sein.

Beim Blick nach vorne ging es für die Delegierten auch darum, sich detailliert mit dem Rahmenterminkalender des kommenden Jahres auseinanderzusetzen. Hier spielen die CSD-Veranstaltungen in Trier, Mainz und Koblenz landesweit eine zentrale Rolle. Zwar nicht überall mit einer traditionellen Parade, aber mit einem dennoch umfangreichen Veranstaltungsangeboten bei mehrtägigen und teilweise auch mehrwöchigen Aktionszeiträumen. Kaiserslautern hat zwar keinen eigenen CSD, wird aber im kommenden Jahr erstmals eine PRIDE WEEK KL rund um den IDAHOT organisieren, was auch von den dortigen Gruppen in den Folgejahren dauerhaft etabliert werden soll. Auch der Ehrenamtstag am 10. September in Ingelheim und der Demokratietag, für den aktuell weder ein Termin noch ein Veranstaltungsort bekannt sind, werden im kommenden Jahr Einzug in den Terminkalender der rheinland-pfälzischen Queer-Gruppen halten. Herausragend im Jahr 2017 sicher auch der Tag der Deutschen Einheit. Da Rheinland-Pfalz seit dem 3.10.2016 im Bundesrat die Ratspräsidentschaft innehat, werden die nationalen Feierlichkeiten am 3. Oktober auch in Rheinland-Pfalz stattfinden. Selbstverständlich mit Beteiligung der regenbogenbunten Initiativen des Landes.

Ein ganzer Tag mit konstruktiven Diskussionen und zahlreichen Ergebnissen (Foto: mg)

Ein ganzer Tag mit konstruktiven Diskussionen und zahlreichen Ergebnissen (Foto: mg)

Bereichert wurde die Themenvielfalt der Veranstaltung am vergangenen Sonntag durch zwei Gastrednerinnen, die den anwesenden Mitgliedern umfassenden Einblick in das Engagement von und für Trans*-idente Menschen in Rheinland-Pfalz und über die Landesgrenzen hinaus gaben sowie tiefe Einblicke in das Thema intersexueller Identitäten. Hier vorhandene Angebote dichter und intensiver zu vernetzen und neue tragbare Angebote zu schaffen stellt eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre dar. Die Delegierten verabschiedeten daher auch einstimmig ein Positionspapier, das für QueerNet-RLP künftig eine wichtige Arbeitsgrundlage darstellt, um auf Landes- und Bundesebene aktiv an der Verbesserung der Lebenssituation von Trans*- und Inter*-identen Menschen zu arbeiten.

Trotz einer ellenlangen Tagesordnung fand die harmonische und produktive Runde pünktlich in den frühen Abendstunden ihr Ende. Der Dank aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen gilt den Organisatoren aus Koblenz für die Bereitstellung der mehr als angenehmen Tagungsräumlichkeiten und der abwechslungsreichen und üppigen Verpflegung. Die Frühjahrs-Mitgliederversammlung, die sich traditionell über zwei Tage erstreckt, findet am 25. und 26. März 2017 in Mainz statt. Sodann, auf in die Landeshauptstadt!

mg/js


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