Schon wieder derbe Pleite zum Saisonauftakt

Der 1.FCK verliert deutlich beim Club in Nürnberg – Rückkehrer Müller patzt

Das neu formierte Team des FCK ging gestern baden (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Das neu formierte Team des FCK ging gestern baden (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Genau wie zum Beginn der letzten Saison kassierte der 1.FC Kaiserlautern zum Auftakt der Saison 2017/2018 eine empfindliche Niederlage und ziert (vermutlich) auch nach der Komplettierung des ersten Spieltages das Schlusslicht der Zweitligatabelle. Dennoch gibt es drei Unterschiede zur Auftaktpleite in der letzten Spielzeit. Damals hagelte es eine Niederlage vor heimischem Publikum, dieses Mal auf fremdem Terrain. Gemessen an der sportlichen Leistung fiel die Niederlage gegen Hannover 96 um einige Treffer zu hoch aus, die Niederlage in Nürnberg eher um ein oder zwei Treffer zu niedrig. Der Gegner vor Jahresfrist, ein gerade abgestiegener Bundesligist, hoher Mitfavorit um den Aufstieg und ein Etat, der mehr als dreifach so hoch war, wie der des FCK. Der 1.FC Nürnberg in diesem Jahr mit einem Team mit etwa gleichem Marktwert und im Grunde ein Verein auf Augenhöhe zum Traditionsclub aus Lautern. Das Ergebnis bleibt dennoch dasselbe. Der 1.FC Kaiserslautern startete ohne einen eigenen Treffer erzielt zu haben mit einer gefühlten Packung in die Saison.

Lichtblick mit vielen Akzenten, Dauerrenner Philipp Mwene (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lichtblick mit vielen Akzenten, Dauerrenner Philipp Mwene (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Beide Teams begannen trotz der Hitze forsch. Nürnberg zeigte vom Anstoß weg, wer hier der Hausherr war. Gleich zweimal war es der Aufmerksamkeit und dem beherzten Auftreten von Leon Guwara gegen Edgar Salli und Mikael Ishak geschuldet, dass die Roten Teufel nicht gleich in der Anfangsphase in Rückstand gerieten. Dennoch begann der FCK nicht einmal schlecht im Frankenland, hatte sogar die erste wirklich größere Chance im Spiel. Baris Atik legte sich in der 6. Minute den Ball zum Freistoß zurecht und zirkelte ihn über die Mauer. Keeper Thorsten Kirschbaum musste sein ganzes Können aufbringen, um das Leder noch aus dem Winkel zu wischen. Nur eine Minute später strich ein Kopfball von Baris Atik nur knapp am Tor vorbei. Doch nach etwa 10 Minuten übernahmen die Franken mehr und mehr das Heft des Handelns, während der FCK zusehends abbaute.

Der Ball liegt im Netz, konsternierter Marius Müller nach dem Eigentor (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der Ball liegt im Netz, konsternierter Marius Müller nach dem Eigentor (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Schon früh im Spiel war zu erkennen, dass die reifere Spielanlage bei den Hausherren lag. Da stimmten Laufwege, da wurden Positionen fließend interpretiert, da lief der Ball sicherer. Im Aufbauspiel, in der Offensive, in der Rückwärtsbewegung und im Defensivverhalten. In nahezu jedem Mannschaftsbereich waren Qualitäten sichtbar, die den Roten Teufeln über weite Strecken des Spiels abgingen. Insbesondere das Filetstück der letzten Spielzeit, die FCK-Defensive, hatte häufig gehörig Mühe, den Überblick zu behalten. Die Gastgeber waren spritziger, giftiger, gedankenschneller, ballsicherer. Nach noch nicht einmal einer Viertelstunde war es dann soweit. Einen scharfen Fernschuss von Mikael Ishak konnte Marius Müller nur nach vorne abklatschen, die Nürnberger agierten schneller und mit mehr Übersicht, Sebastian Kerk legte auf Hanno Behrens und der drosch das Leder am Lauterer Keeper vorbei ins Netz (13.).

Trinkpause mit nachdenklichem Coach (li.) und engagiertem Co. (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Trinkpause mit nachdenklichem Coach (li.) und engagiertem Co. (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Nürnberger spielten nun weiter nach vorn, erhöhten den Druck. Der FCK agierte nervös, fand kaum noch Bindung zum Spiel und wirkte streckenweise sichtbar überfordert. In der 25. Minute legte sich Sebastian Kerk den Ball zu einer Ecke von der rechten Seite zurecht. Er brachte das Leder scharf vors Tor, Marius Müller stieg hoch und wedelte sich die Kugel mit der rechten Hand ins eigene Netz. Für einen Torhüter die Höchststrafe! Nach dem zweiten Treffer schalteten die Nürnberger mit der sicheren Führung im Rücken einen Gang zurück. Weitere bittere Note für den 1.FCK, in der 34. Minute wurde Giuliano Modica von seinem Gegenspieler gefoult, verletzte sich am Oberschenkel und musste raus. Für ihn kam Stipe Vucur. Bis zur Pause tat sich nicht mehr viel und so ging es mit der klaren Nürnberger Führung in die Kabine.

Immerhin rund 2.500 FCK-Fans fanden den WEg ins "Max-Morlock-Stadion" (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Immerhin rund 2.500 FCK-Fans fanden den WEg ins „Max-Morlock-Stadion“ (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit dem Wiederanpfiff brachte Norbert Meier Lukas Spalvis für den enttäuschenden Osei „Manni“ Kwadwo, der leider überhaupt nicht richtig ins Spiel gefunden hatte. Aber auch mit diesem Wechsel wurde das Lauterer Spiel zunächst nicht deutlich besser. Die Akzente setzten weiterhin die Hausherren. So auch in der 54. Minute, als Kevin Möhwald deutlich vor dem Lauterer Strafraum an den Ball kam. Mit einer Körpertäuschung legte er sich den Ball zurecht, hatte genug Platz sich förmlich die Ecke aussuchen zu können und hämmerte mit einem satten Huf das Leder aus knapp 25 Metern halbhoch ins Netz. Bämm! Zum zweiten Mal in der Partie kam damit ein Nürnberger Akteur in respektvoller Distanz frei zum Schuss und durfte fast unbedrängt das Leder in ein Geschoß verwandeln und in den Lauterer Kasten nageln. Die Mannschaft tut gut dran, schnell zu verinnerlichen, dass Defensivarbeit schon weit vor der Abwehrreihe beginnt und dass dafür eben auch leidenschaftlicher Körpereinsatz abverlangt wird.

Nachdenkliche Gesichter auf der FCK-Bank (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nachdenkliche Gesichter auf der FCK-Bank (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem dritten Treffer schalteten die Nürnberger einen Gang zurück, dem FCK fehlten der Mut und die spielerischen Mittel in der Phase das Spiel noch einmal einen eigenen Stempel aufzudrücken. Zwar kamen die Roten Teufel, die vor allem im Mittelfeld nach der Einwechslung von Gino Fechner für Christoph Moritz mehr Ordnung und Stabilität gewannen, noch einmal zu Chancen, aber auch die brachten keinen Torerfolg. So beförderte Lukas Spalvis nach Flanke von Philipp Mwene seinen Kopfball übers Tor (63.) und auch Osayamen Osawe semmelte nach feinem Zuspiel von Daniel Halfar das Leder frei vorm Tor über den Club-Kasten (75.). Auch Robin Koch hatte noch eine nennenswerte Kopfballchance, fand aber im Nürnberger Keeper seinen Meister (81.). Die letzte Duftnote setzte Neuzugang Baris Atik mit einem satten Schuss an den Außenpfosten (88.). Es blieb letztlich bei dem in der Höhe verdienten 3:0 Sieg der Franken. Eine bittere Niederlage für den FCK, denn nimmt man nur dieses eine Spiel wahr, so hatte hier gefühlt ein Aufstiegsaspirant gegen einen Abstiegskandidaten gepunktet.

Konnte sich auch hier nicht durchsetzen, Osayamen Osawe (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Konnte sich auch hier nicht durchsetzen, Osayamen Osawe (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Doch es war beileibe nicht alles schlecht bei den Roten Teufeln. Lichtblicke lieferten der bereits zitierte quirlige Deutschtürke Baris Atik aus Frankenthal. Technisch versiert, beherzt, mutig, ballsicher, wenn auch in einigen Situationen etwas zu eigensinnig. Auch Mads Albaek im Mittelfeld wusste phasenweise zu gefallen und könnte hier wirklich zum Denker und Lenker avancieren. Lukas Spalvis deutete zumindest an, dass er noch viel Potential hat. Ihm fehlt einfach die Spielpraxis und mit dem erst 19-jährigen Gino Fechner könnte ein weiterer Defensivstabilisator in den Reihen der Lauterer heranreifen. Auch Leon Guwara machte auf der linken Seite über weite Strecken eine ordentliche Partie, hat aber vor allem im Zusammenspiel mit den Kollegen daneben und davor noch Luft nach oben. Nicht zu vergessen Philipp Mwene, der auch gestern, wie während der gesamten letzten Saison, das Lauterer Spiel in allen Belangen belebte.

Das Spruchband, das schon vor dem Anpfiff für viel Zündstoff sorgte (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Das Spruchband, das schon vor dem Anpfiff für viel Zündstoff sorgte (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Für Keeper Marius Müller war der gestrige Ausflug in die Frankenmetropole natürlich ein gefühlter Albtraum. Ihm war klar, dass er nach dem einjährigen Ausflug zum Brauseclub in Leipzig bei seiner Leih-Rückkehr nicht nur Jubel ernten würde. Er wollte die Kritiker mit Leistung verstummen lassen. Die beiden individuellen Fehler sind nun Wasser auf die Mühlen all derer, die es eh schon immer zu wissen glaubten. Dazu gehören auch jene, die sich schon vor der Partie berufen fühlten die Verbalkeule gegen den 24-jährigen Keeper auszupacken. „Schon wieder nicht auf den Charakter geschaut, Müller und Fechner, seht zu, dass Ihr abhaut“, war am Lauterer Kurvenzaun auf einem Spruchband in großen Lettern zu lesen. Gemeint waren die beiden Leipzig-Abwanderer Gino Fechner (19) und Marius Müller, der auf Leihbasis für ein Jahr zum Betze zurück kam. Meinungsfreiheit hin oder her, aber diese Aktion war in punkto Zeitpunkt, Wortwahl, Stil und Respekt nicht einfach nur ein Griff ins Klo, das war schon eher mit der Denkzentrale vorweg ein Tauchgang durch sämtliche Windungen eines Kloschüssel-Siphons bis runter zur Geruchs-Sphäre! Man darf gespannt sein, wie sich die Fronten in den kommenden Wochen hier entwickeln. Schlimm genug hier überhaupt von Fronten sprechen zu müssen! Zusammenhalt sieht jedenfalls anders aus.

Hängende Köpfe beim Gang vor die Kurve (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Hängende Köpfe beim Gang vor die Kurve (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die 90 Minuten im kürzlich umbenannten Max-Morlock-Stadion offenbarten noch unzählige Schwächen und Abstimmungsprobleme im Lauterer Spiel. Norbert Meier hat mit seinem Team in den kommenden Wochen noch viel Arbeit vor sich, um aus dem neu formierten Kader eine schlagkräftige und vor allem erfolgreiche Truppe zu formen. Das wäre allerdings zügig nötig, um den jüngst formulierten Wunsch nach einer sorgenfreien Saison möglichst bald umsetzen zu können. Denn so wird das mit der Sorgenfreiheit ein frommer Wunsch bleiben! Schon am Freitag hat die Mannschaft die Möglichkeit eine Antwort zu liefern. Also Mund abputzen und Taten sprechen lassen.

mg


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