Rote Teufel ziehen den Zebras das Fell über die Ohren

Der 1.FCK sichert sich zum Saisonauftakt 3 Punkte bei Aufsteiger MSV Duisburg

Saisonauftakt 2. Liga mit kleiner Eröffnungsfeier (Quelle DBB)

Saisonauftakt 2. Liga mit kleiner Eröffnungsfeier (Quelle DBB)

Mit einer überzeugenden Leistung in der ersten Halbzeit sichert sich der 1.FC Kaiserslautern zum Auftakt der Zweitligasaison 2015/2016 die ersten drei Auswärtspunkte beim Aufsteiger MSV Duisburg. Mindestens 3.000 Anhänger der Roten Teufel sahen dabei eine engagierte und höchst effektive erste Halbzeit der Jungs im roten Dress. Durch zwei Tore von Neuzugang Kacper Przybylko und einem Treffer von Eigengewächs Jean Zimmer bog der FCK bereits in der ersten halben Stunde auf die Siegerstraße ein. In der zweiten Halbzeit ließ man die Zebras zunehmend gewähren, doch die Meidericher brauchten bis zur 80. Minute, um mit einem Treffer nach einer Ecke den sichtbaren und spürbaren Glauben an die eigenen Qualitäten zurückzugewinnen. Bis dahin agierten die Schützlinge von Trainer Gino Lettieri im zweiten Durchgang allerdings zu halbherzig mit den gewährten Freiheiten und Freiräumen, um den Lauterer Sieg wirklich noch gefährden zu können. Letztlich durfte der FCK die drei Auswärtspunkte verdient aus der Wedau mit nach Hause nehmen.

Kacper Przybylko erzielt das 1:0 für den 1.FCK (Quelle DBB)

Kacper Przybylko erzielt das 1:0 für den 1.FCK (Quelle DBB)

Wo auch immer man in den letzten Wochen im Fan-Lager des 1.FCK hingehört hatte, kaum jemand wollte sich nach dem vergeigten Aufstieg in der letzten Saison so richtig aus dem Fenster lehnen und eine überzeugte Positionsbestimmung vornehmen. Natürlich trägt jeder FCK-Fan die Sehnsucht in sich, endlich die ungeliebte zweite Liga verlassen zu können und wieder in die Beletage des Fußballs zurückzukehren. Dennoch überwog und überwiegt eine spürbare Skepsis, ob dies denn in der Saison 2015/2016 klappen könnte. Verständlich, wenn man sich den Ausgang der vergangenen drei Spielzeiten vor Augen hält und realisiert, was die Pfälzer Fan-Seele so alles zu ertragen hatte. Wozu sich also festlegen bei all den Unwägbarkeiten, die einem in dieser Liga widerfahren können? Dennoch, die Vorbereitung des Kaders war durchaus vielversprechend, wobei natürlich die Ergebnisse von Testspielen in der Saison-Vorbereitung in der Regel wenig Aussagekraft besitzen und auch eher zweitrangig sind. Die mit einigen Vorschusslorbeeren bedachten Neuverpflichtungen würden sich natürlich auch erst beweisen müssen. Der mit der letzten Spielzeit begonnene Philosophiewechsel wurde beibehalten, wenn auch in leicht verändertem Modus. Also im Grunde vieles wie in den Jahren zuvor. Da fällt es einfach schwer zum Auftakt einer Saison – noch dazu in einer weitgehend so homogenen Liga wie der zweiten Bundesliga – eine Prognose abzugeben.

Die "Radkapp" - Meisterschale der 2. Liga (Quelle DBB)

Die „Radkapp“ – Meisterschale der 2. Liga (Quelle DBB)

So ging es also zum Saisonstart nach Duisburg. Auch beim Aufsteiger schien und scheint eine verlässliche Einschätzung schwierig. Die Meidericher werden zwar noch immer getragen von der Euphorie des Aufstiegs und können auf eine stimmgewaltige Rückendeckung einer eingeschworenen Fangemeinde bauen, die sicher auch im letzten Jahr Garant für die Heimstärke war. Man hat einen ausgewogenen Kader mit einem deutlich höheren Durchschnittsalter als der FCK. Aber, dritte Liga ist eben nicht zweite Liga. Zudem musste Trainer Lettieri zum Saisonauftakt mit dem ehemaligen Lauterer Pierre de Witt, mit Kevin Sheidhauer, Dan-Patrick Poggenberg und Andreas Wiegel beim Zusammenstellen seiner Startelf auf gleich vier Spieler verzichten. Trainer Kosta Runjaic standen aus dem noch nicht abschließend formierten Kader mit Michael Schulze, Sebastian Jakob und Marcel Gauß drei Leistungsträger verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. In der Anfangsformation liefen dafür mit Rückkehrer Daniel Halfar, Stipe Vucur und Kacper Przybylko gleich drei Neuzugänge auf.

Jean Zimmer im Akustikdialog mit den Fans nach dem 2:0 (Quelle DBB)

Jean Zimmer im Akustikdialog mit den Fans nach dem 2:0 (Quelle DBB)

Die ersten Minuten der Partie waren davon geprägt, dass der MSV bemüht war das Aufbauspiel der Lauterer früh zu stören, womit sich die Roten Teufel zunächst auch etwas schwer taten. Nennenswerte Chancen in den ersten zehn Minuten hüben wie drüben Mangelware. Doch der FCK fand besser ins Spiel und konnte vor allem sein Umschaltspiel sicherer und schneller gestalten. So erkämpfte sich der engagierte Daniel Halfar den Ball im Mittelfeld und schickte gedankenschnell Mateusz Klich steil auf halbrechts, der nach kurzem Sprint scharf auf den klug mitgelaufenen Kacper Przybylko hereingab. Der Pole fackelte nicht lange und knallte aus kurzer Distanz das Leder abgezockt mit links in die Maschen (13.). Die Zebras waren fortan um mehr Offensivdruck bemüht, doch schon nach 5 Minuten kam die zweite kalte Dusche. Nach einer Duisburger Ecke spielt Zlatko Janjic den Ball in die eigene Hälfte wo Jean Zimmer sich die Kugel einverleibt und mit einem pfeilschnellen Sprint aufs Tor der Duisburger zuläuft. Der flinke Rechtsverteidiger kommt zwar kurz ins Straucheln, wird leicht nach außen abgedrängt wird aber nicht konsequent attackiert. Anstatt das Spiel auf die aufgerückten Kollegen zu verlagern, entschließt er sich rotzfrech dazu aus halbrechter Position draufzuhalten. Der Rettungsversuch von Kevin Wolze lenkt den Ball endgültig ins eigene Netz. Schneid dem Jean doch mal jemand die Schnürsenkel kürzer! Wenn der bei der Geschwindigkeit nochmal drüber stolpert, bricht er sich am Ende noch was. Sei’s drum, der FCK führte 2:0 (18.).

Kollektiver Jubel nach Kacper Przybylkos Doppelpack zum 3:0 (Quelle DBB)

Kollektiver Jubel nach Kacper Przybylkos Doppelpack zum 3:0 (Quelle DBB)

Der MSV wirkte geschockt, blieb aber bemüht sich nicht aufzugeben und kam auch zu ersten wirklichen Gelegenheiten, bei denen Marius Müller mit Flugparade (19.) rettete und zweimal ein Kopfball von Thomas Bröker über das Gehäuse strich. Doch der FCK ließ sich nicht beirren und legte auch in dieser Phase nach. In der 29. Minute führte Stipe Vucur das Leder beim Spielaufbau in der eigenen Hälfte. Mit einem traumhaften langen Ball setzte er erneut Kacper Przybylko in Szene, der die Duisburger Abwehr überlief und ohne lange zu fackeln aus halbrechter Position staubtrocken abzog und die Kugel an Torhüter Michael Ratajczak vorbei in die Maschen drosch. 3:0 führte der FCK nach einer halben Stunde! Wann hatte es das zuletzt gegeben! Die Fans der Roten Teufel waren aus dem Häuschen. Der MSV war nun endgültig von der Rolle und noch vor dem Pausentee hätten Daniel Halfar (38.) und Mateusz Klich (44.) die Führung ausbauen können.

Der neue Kapitänb Chris Löwe im Zweikampf (Quelle DBB)

Der neue Kapitänb Chris Löwe im Zweikampf (Quelle DBB)

Nach dem Wechsel ging zumindest der FCK die Angelegenheit mit etwas weniger Tempo und Spritzigkeit an. Dennoch hatte erneut Kacper Przybylko die Möglichkeit eine Flanke zu verwerten, verzog aber über den Kasten (51.). Ab der 60. Minute verbuchten die Zebras zunehmend mehr Spielanteile, ließen aber in Sachen Spielaufbau und Passgenauigkeit einiges zu wünschen übrig. Da wartet noch viel Arbeit auf den Aufsteiger. Letztlich war es eine Standardsituation zehn Minuten vor Ende der Partie, die den Duisburgern noch den Anschlusstreffer bescherte. Nach sauber getretenen Ecke kam Branimir Bajic im Strafraum frei zum Kopfball und netzte unhaltbar für Marius Müller ein (81.). Einen Aufreger gab es dann noch in der 86. Minute, als Kevin Wolze aus halblinker Position beherzt draufhielt und sich der abgefälschte Ball auf die Torlatte senkte. Aber die Roten Teufel blieben ruhig und kamen durch Daniel Halfar kurz vor dem Abpfiff auch selber noch einmal zu einer guten Kontermöglichkeit. Letztlich blieb es auch nach zwei Minuten Nachspielzeit bei einem verdienten Sieg für die junge Pfälzer Mannschaft. Viel schöner kann ein Saisonauftakt wohl kaum gelingen.

Dank der Mannschaft an die stimmungsgewaltige Kulisse der mitgereisten Fans (Quelle DBB)

Dank der Mannschaft an die stimmungsgewaltige Kulisse der mitgereisten Fans (Quelle DBB)

Mit dem Dreier in Duisburg hat der FCK numerisch nun bereits ein Drittel der Auswärtssiege aus der Vorsaison auf der Habenseite. Die geringe Punkteausbeute auf gegnerischen Plätzen war eines der Mankos in der letzten Spielzeit. Eine erste Duftmarke zu diesem Thema wäre hiermit also gesetzt. Was der Sieg in Duisburg wert war wird man ohnehin frühestens nach etwa 10 Spieltagen einschätzen können. Jetzt gilt erst einmal die ganze Aufmerksamkeit der Vorbereitung auf das erste Saison-Heimspiel am kommenden Freitag gegen Eintracht Braunschweig. Mit den Niedersachsen wartet ein Gegner mit einem vermutlich anderem Format als der Aufsteiger von der Wedau. Aber denken wir doch einfach ohnehin nur von Spiel zu Spiel. Das war auch in der letzten Saison eine nicht verkehrte Parole. Daher legen wir die Euphorie-Tröte jetzt alle mal schnell wieder in die Schublade! Das Beste, was die Fan-Community des Pfälzer Traditionsvereins mit den drei schon ergatterten Punkten als Beitrag leisten könnte, wäre am Freitag in Scharen auf den Berg zu pilgern! Wenn wir laut Stefan Kuntz schon wie Zecken an allen Mitkonkurrenten kleben wollen, dann sollten wir auch zubeißen. Auf dem Rasen und von den Rängen! Der erste Mitkonkurrent gastiert am Freitag im Fritz-Walter-Stadion. Na dann…

mg


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