Ratlosigkeit, Verunsicherung und tiefer Frust

Der 1.FCK verliert zuhause 0:2 gegen Erzgebirge Aue – Norbert Meier freigestellt

Nach dem Abpfiff der Partie auch der Abpfiff für ihn, Norbert Meier (Foto: Thomas Füssler)

Nach dem Abpfiff der Partie auch der Abpfiff für ihn, Norbert Meier (Foto: Thomas Füssler)

Mittlerweile ist es amtlich. Norbert Meier ist nicht mehr Trainer des 1.FC Kaiserslautern. Der Verein gab am Morgen bekannt, dass der erst im Januar dieses Jahres verpflichtete Cheftrainer mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde. Nach der desolaten Leistung am vergangenen Samstag in Sandhausen und der gestrigen Heimniederlage gegen den FC Erzgebirge Aue ein Schritt der sich spätestens nach dem Abpfiff und der erneut unterirdischen Mannschaftsleistung gestern Abend abgezeichnet hatte und von Norbert Meier wohl auch selbst so erwartet wurde. Mit zwei blitzsauberen erfolgreich abgeschlossenen Kontern zementierten die Veilchen gestern Abend den 1.FC Kaiserslautern auf dem letzten Tabellenplatz der zweiten Liga fest. Mit nur zwei Punkten aus bisher sieben Spielen, bei insgesamt nur drei selbst erzielten Treffern und einem Abstand von mindestens vier Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz, rangiert der FCK schon fast etwas abgeschlagen auf Platz 18 der Tabelle. Angesichts der auch gestern wieder dargebotenen fußballerischen Kost, dürfte die Sicht von Sportdirektor Boris Notzon ziemlich zutreffend sein, dass die Mannschaft sich bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg wird stemmen müssen.

Wirkungslos, Neuzugang Sebastian Andersson (Foto: Thomas Füssler)

Wirkungslos, Neuzugang Sebastian Andersson (Foto: Thomas Füssler)

Gerade mal offizielle 16.613 Besucher fanden gestern noch den Weg ins Fritz-Walter-Stadion. Angesichts der gähnenden Leere auf einigen Tribünen und den klaffenden Lücken auch auf der sonst gut besuchten Westtribüne dürften sich tatsächlich wohl kaum mehr als 13.000 Zuschauer im Stadion befunden haben. So gesehen also nicht nur ein sportlicher Tiefpunkt in Liga zwei, es ist auch der schlechteste Heimspielbesuch im Unterhaus der Liga. Wenig verwunderlich bei den aktuellen Ergebnissen und vor allem der von der Mannschaft abgelieferten Leistung. Gegen Aue sollte der Befreiungsschlag her, sollte so etwas wie eine Wende geschafft werden. Spätestens nach einer halben Stunde und dem ersten Treffer der Sachsen war auch dem letzten auf den spärlich besetzten Tribünen klar, dass es schwierig würde hier wenigstens ein Remis zu sichern. Keine sichtbare Spielidee, keine eindeutige Körpersprache, fußballerische Limits bei den einfachsten Sachen wie Ballannahme, Passspiel, Zweikampfverhalten, Stellungsspiel, Laufwege bis hin zu einem gewissen Variantenreichtum bei Standards oder gar daraus entstehender Torgefahr, um nur die auffälligsten Defizite zu nennen.

Kopflos, Stipe Vucur (Foto: Thomas Füssler)

Kopflos, Stipe Vucur (Foto: Thomas Füssler)

Den spürbaren Willen, mochte man den Roten Teufel am gestrigen Abend anfänglich noch nicht einmal absprechen. Wobei beispielsweise vieles von dem, was man mit Körpersprache attributiert, bis zum Ende der Partie doch sichtbar nachgelassen hatte. Symptomatisch beispielsweise, in den letzten zwanzig Minuten, die eine oder andere Situation beim eigenen Einwurf. Sogar auf Höhe des gegnerischen Strafraums, wo es noch hätte darum gehen können sich mit entsprechenden Passagen in Tornähe zu manövrieren. Der jeweilige Lauterer Spieler steht mit dem Ball im Anschlag an der Seitenlinie und sehnt per Augenspiel oder gar winkend den einen oder anderen Kollegen herbei, der sich mit ein paar Schritten hätte in Position bringen und anbieten sollen. Nichts! Die Akteure im roten Dress standen stoisch und oft viel zu weit weg vom Geschehen. Erst als nach ein paar Sekunden ein protestierendes Raunen, untermischt mit Pfiffen und wütenden Rufen von den Rängen aufs Feld schwappte, kam Bewegung ins Positionsspiel. War das Arbeitsverweigerung oder wirklich nur tiefe Verunsicherung? Es gab im Zusammenspiel in zahllosen anderen Situationen ähnliche Wahrnehmungsmomente, bei denen offensichtlich wurde, dass hier fußballerisch im Sinne eines Teams noch vieles nicht zusammenpasst.

Haltlos, Leon Guwara (Foto: Thomas Füssler)

Haltlos, Leon Guwara (Foto: Thomas Füssler)

In der Anfangsformation hatte Norbert Meier zwei Veränderungen vorgenommen. Der quirlige Baris Atik und Youngster Nicklas Shipnoski, der sich mit einer engagiertem Partie und einem Treffer beim U23-Gastspiel vor Wochenfrist als Option angeboten hatte, sollten für frischen Wind sorgen. Dafür fiel Gervane Kastaneer aus dem Kader, Daniel Halfar fehlte mit Grippeinfekt. Unverständlich für viele Fans jedoch, dass sich Christoph Moritz und Patrick Ziegler nach der dürftigen Darbietung in Sandhausen erneut in der Anfangsformation wiederfanden. Schon in der Halbzeitpause korrigierte der Cheftrainer den Vertrauensvorschuss und wechselte die beiden gestandenen Profis aus. Für sie kamen nach der Pause Gino Fechner und Lukas Spalvis. Die Startelf-Nominierung folglich ein Griff ins Klo, der hätte nicht sein müssen. Bis zum Seitenwechsel schaffte es der FCK bis zur Führung der Auer lediglich eine zaghafte Chance herauszuspielen. Der Kopfball von Sebastian Andersson ging jedoch knapp am Pfosten vorbei (17.). Mit dem schnellen Umschaltspiel und den präzisen Kontern der Gäste kam die Lauterer Abwehr allerdings mehr als nur einmal in Verlegenheit. Da wurde jeder zaghafte Offensivausflug fast zum Risikospiel. So hätte nach dem Treffer von Sören Bertram in der 30. Minute kurz vor der Halbzeit Dimitrij Nazarov beinahe noch nachgelegt, traf aber nur den Außenpfosten (40.). Die Rest-Kulisse verabschiedete das eigene Team mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine.

Glücklos, Baris Atik (Foto: Thomas Füssler)

Glücklos, Baris Atik (Foto: Thomas Füssler)

Kurz nach dem Wechsel dann der zweite Nackenschlag. Pascal Köpke bediente bei einem der schnellen Konter erneut Sören Bertram, der nur noch den Fuß hinhalten musste und das Leder landete im Netz (48.). Die Gäste führten 0:2! Die Roten Teufel agierten fortan zwar bemüht, aber viel zu stümperhaft, durchschaubar und zaghaft. Zu wenig zumindest, um in einem mutigen und leidenschaftlichen Schlussspurt einen Gegner so zu bedrängen, dass man auch eine Kulisse mitnehmen kann. Selbst wenn es nur eine zahlenmäßig dürftige ist. Mehr als jeweils ein Kopfball von Sebastian Andersson (54.), zwei Schüssen von Manni Osei Kwadwo (58., 60.), zwei Kopfstößen von Lukas Spalvis (64., 65.) und ein Schuss von Nicklas Shipnoski, der knapp am Tor vorbeistrich (70.), sprang nicht heraus. Da war auch den Tribünengästen längst die Laune vergangen. Eine Mischung von gereiztem Raunen, kurz aufflammenden Anfeuerungsmomenten, trotzig wütenden Pfeifkonzerten, hämischen Unmutsäußerungen und betretenem Schweigen wechselten sich regelmäßig ab. Alles andere als Stimmung, aber wie soll auch Stimmung aufkommen, wenn sowas wie Spielkultur auf dem Rasen gänzlich fehlt?

Perspektivlos, Trianer Norbert Meier (Foto: Thomas Füssler)

Perspektivlos, Trainer Norbert Meier (Foto: Thomas Füssler)

In den letzten 20 Minuten der Partie machte sich auf den Rängen dann eher lautstarkes Schweigen breit, ein grollendes murmelndes Schweigen. Wer dieses Stadion schon seit Jahrzehnten kennt, für den mutete diese Akustik-Kulisse gespenstisch an. Doch direkt nach dem Abpfiff entlud sich vor allem von der Westtribüne die resignative Stille in schäumender Wut, als sich die Mannschaft noch kurz der Kulisse stellte. In gebührender Distanz wohlgemerkt. Egal was die Mannschaft am gestrigen Abend oder auch vor Wochenfrist in Sandhausen geritten haben mag. Es ist wichtig, dass jeder einzelne endlich realisiert, was er mit seiner Leistung Menschen antut, die ihre Freizeit, ihr Geld und ihr Herz für diesen Verein geben. Oder den Menschen, die ob der sportlichen und der damit einhergehenden wirtschaftlichen Abwärtsspirale, jeden Tag ein wenig mehr um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Den Arbeitsplatz beim FCK oder solche die irgendwie am Verein dranhängen.

Ratlos, Sportdirektor Boris Notzon (Foto: Thomas Füssler)

Ratlos, Sportdirektor Boris Notzon (Foto: Thomas Füssler)

Es ist Zeit, sich zu hinterfragen, ob jeder von ihnen wirklich jeden Tag alles gibt, um diesen Verein wieder auf Kurs zu bringen. Es ist Zeit sich auch dahingehend zu hinterfragen, wie sich das in der eigenen Vita macht, wenn dieser Verein wegen des sportlichen Niedergangs endgültig an die Wand fahren sollte. Wenn die Forderung punkten zu wollen greifen soll, hat die Mannschaft nun nach der Trainerentlassung kein Alibi mehr. Insbesondere dann nicht, wenn an den kolportierten Gerüchten, dass es Spieler geben soll, die gegen den Trainer waren, auch nur ein Hauch von Wahrheit sein sollte. Ab jetzt geht es auch um die eigene Berufsehre und um die Pflicht entlang derartiger Werte-Gewichte noch ein paar oder deutlich mehr Prozentpunkte aus sich herauszuholen. Spätestens wenn ein Unparteiischer die Partie angepfiffen hat! Die Mannschaft steht außerdem in der Pflicht, von innen heraus aus der Truppe wirklich eine Mannschaft zu formen, bei der alle eingebunden sind und sich zugehörig fühlen, auch wenn sie ob ihrer Leistung am Spieltag mal auf der Bank oder gar der Tribüne Platz nehmen (müssen).

Beispiellos, Negativkulisse am Betzenberg (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Beispiellos, Negativkulisse am Betzenberg (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dabei stehen vor allem die gestandenen Spieler in der Pflicht, diesen Prozess endlich nachhaltig einzuleiten, zu befeuern und zu führen. Damit von außen betrachtet sich nicht weiterhin das Gefühl breitmacht, dort hätten sich elf Jungs zum Kicken verabredet, sondern dort steht eine Mannschaft auf dem Platz, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und die das Primärziel eines Fußballspiels, gewinnen zu wollen, schon in der Körpersprache mit sich trägt. Die Verantwortlichen des 1.FCK haben bekundet, die Trainersuche sei indessen in vollem Gange. Nach den Aussagen von Boris Notzon möchte man sich Zeit lassen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden. Bis zum Spiel beim FC Union Berlin am kommenden Montag werden Manfred Paula, Leister des Nachwuchsleistungszentrums und Alexander Bugera, aktuell Trainer des FCK-U19-Teams die Betreuung der Mannschaft übernehmen und den Trainingsbetrieb leiten. Über das Profil, in das ein Trainer-Kandidat passen muss, wurde bislang wenig bis nichts kommuniziert. Ein gewisses wirtschaftliches Korsett wird in der Kriterien-Liste vermutlich relativ weit oben stehen. Norbert Meier war es, der vor der Saison Mentalitätsspieler versprochen oder zumindest in Aussicht gestellt hat. Solche, die vor allem die Tugenden des Betze-Fußballs verkörpern. Wenn diese Mentalität im aktuellen Kader schlummern sollte, dann sollte bei allen wirtschaftlichen Einschränkungen, das Kriterium „Motivator“ oder „Motivationskünstler“ im Wunschprofil eines neuen Trainers allerdings auch ziemlich weit oben stehen.

mg


Kommentare

Ratlosigkeit, Verunsicherung und tiefer Frust — 5 Kommentare

  1. Hoffentlich wird Manfred Paula nicht zu Privat Paula (Full Metal Jacket ) am Montag in Berlin. Nein, Spaß muss in der Situation auch erlaubt sein. Der Bericht trifft es wieder voll auf den Punkt. Ein Dank an dich Matze

  2. Wer hätte nach dem Spiel gegen Darmstadt ein solches Szenario vermutet.Ich jedenfalls nicht.Mir kommt unser aller Verein inzwischen vor wie ein Patient, der auf der Intensivstation liegt und nur noch vom besten Arzt seines Faches in’s Leben zurückgeholt werden.Sch….e.

  3. Wer hätte nach dem Spiel gegen Darmstadt ein solches Szenario vermutet.Ich jedenfalls nicht.Mir kommt unser aller Verein inzwischen vor wie ein Patient, der auf der Intensivstation liegt und nur noch vom besten Arzt seines Faches in’s Leben zurückgeholt werden kann .Sch….e.

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