Ohne Freude am Kicken geradeaus ins Stimmungstief

Verdiente Niederlage des 1.FCK gegen SC Freiburg

Bauchlandung, trotz engagiertem Spiel - Kacper Przybylko (©thof)

Bauchlandung, trotz engagiertem Spiel – Kacper Przybylko (©thof)

Am vergangenen Freitag musste der 1.FCK die erste Heimniederlage der noch jungen Zweitligasaison hinnehmen. Eine verdiente Niederlage gegen clever agierende Breisgauer. Der in der vergangenen Saison noch so stabile und lange gefestigte Heimnimbus ist für die Roten Teufel damit bereits am 6. Spieltag Vergangenheit. Das allerdings auch nicht zu unrecht. Nach dem bereits in einem schwachen Heimauftritt erzitterten Heimsieg gegen den SC Paderborn und der völlig sinnlosen Niederlage in Heidenheim, folgte nun eine Partie, deren Spielverlauf und auch Ausgang wie eine fast logische Konsequenz der aktuellen sportlichen Entwicklung gleichkommt.

Als in der 87. Minute Nils Petersen zum 2:0 für die Breisgauer einschob, verließen tausende von FCK-Fans reflexartig ihren Platz und strömten Richtung Ausgang. Teilweise ohne das weitere Spielgeschehen auch nur noch eines einzigen Blickes zu würdigen. Spiegelbild der aktuellen Situation am Betzenberg.

Freiburg obenauf (©thof)

Freiburg obenauf (©thof)

Noch immer schwelt bei der Mehrzahl der Fans die Enttäuschung über den Nicht-Aufstieg der letzten Saison, befeuert von den bislang überwiegend dürftigen Erträgen aus den ersten sechs Partien der neuen Saison. Unterstrichen wird die Stimmung natürlich von den dargebotenen Leistungen, die nach Volkes Meinung alles andere als eine hoffnungsvolle Entwicklung ablesen lassen.

Der Mannschaft fehlt derzeit sichtlich die Freude am Kicken. Die Freude am eigenen Spiel, die auch den mentalen Raum für Intuition zulassen könnte und die ein wichtiger gesunder Nährboden für Kreativität und Spielkultur sind. Die Ideen, die bei der Flutlicht-Partie gegen aggressive Freiburger heraussprangen, waren denn auch rar, sehr rar! Zwar markierte der emsige Kacper Przybylko schon in der 5. Minute nach Zuspiel von Alexander Ring aus halbrechter Position die erste Gelegenheit der Männer im roten Dress. Doch der beherzte Schuss ging am langen Pfosten neben dem Gehäuse ins Toraus. Es sollte dann allerdings auch bis zur 38. Minute dauern, ehe Daniel Halfar mit einem Schuss ans Außennetz die erst zweite nennenswerte Möglichkeit für die Roten Teufel vergab. Bis dahin hatten die Schützlinge von Kosta Runjaic dem Spiel der Freiburger wenig entgegen zu setzen und schienen nicht in der Lage dem Gegner eine eigene Spielidee aufzuzwingen. Die Gäste gingen früh auf den Gegner, ließen die Spielentwicklung des 1.FCK sehr oft nicht zu oder zerstörten sie mit beherztem Arbeiten gegen den Ball.

Fehlerloser Rückhalt - Marius Müller (©thof)

Fehlerloser Rückhalt – Marius Müller (©thof)

Vor allem die Freiburger Innenverteidigung agierte hochkonzentriert und aufmerksam gegen die beiden von Kosta Runjaic aufgebotenen Sturmspitzen Kacper Przybylko und Daniel Halfar im 4-4-2-System. Leider war an diesem Abend System nur nominal auf dem Papier zu erkennen. Die Mittelfeld-Aktivisten Alexander Ring und Markus Karl glänzten durch unsauberes Pass-Spiel und wenig brauchbare Bälle in die Spitze. Die Flügel blieben stumpf und ideenlos, da auch Jean Zimmer und Chris Löwe nicht viel einfiel und vor allem nichts Durchschlagendes gelang. Die Breisgauer ihrerseits boten in der ersten Halbzeit nach vorne allerdings ebenfalls nicht viel und erzeugten daher wenig Torgefahr. Glück hatten die Lauterer Akteure jedoch in der 23. Minute. Bei der holprigen Aktion von Markus Karl gegen Maximilian Philip hätte so mancher Schiri klar auf Strafstoß entschieden. Günter Perl ließ weiterspielen. Insgesamt bleiben Höhepunkte vor den Toren Seltenheit. Die erste Halbzeit war insgesamt mehr Krampf und Kampf als ansehnliches Spiel. Den Gästen versagte in der 33. Minute der Mann an der Außenlinie einen Abseitstreffer und lediglich kurz vor dem Pausenpfiff hätten die Gäste durch Mike Franz (44.) und Nils Petersen (45.+1) noch in Führung gehen können. Doch es ging torlos zum Pausentee.

Neuzugang noch ohne Effektivität - Marcus Piossek (©thof)

Neuzugang noch ohne Effektivität – Marcus Piossek (©thof)

Unverändertes Bild in Halbzeit zwei. Wenige Aktionen vor den Toren. Die Freiburger investierten sichtlich mehr in ihr Spiel und die Spielkultur der Roten Teufel war mit zunehmender Dauer weiter auf dem absteigenden Ast. Erst nach knapp 20 Minuten ging es beim FCK mal schnell. Der aus Münster verpflichtete Marcus Piossek bediente Ruben Jenssen, der jedoch am wenig beschäftigten Freiburger Keeper scheiterte (62.). Ein wesentliches Manko einer ideenreichen Spielkultur auf Lauterer Seite ist das behäbige und in vielen Situationen auch unsichere Umschaltspiel. Dann wenn es mal schnell gehen könnte, sorgen Ungenauigkeiten dafür, dass Gefahr für den Gegner gar nicht erst aufkommt. Ein weiteres Spiegelbild für die fehlende Spielsicherheit des FCK an diesem Abend auch die unsicheren Stipe Vucur und Tim Heubach in der Innenverteidigung. So war es denn auch ein Ballverlust von Vucur, den der pfeilschnelle Karim Guedé nutzte und quer auf Amir Abrashi legte, der zum 0:1 vollendete (72.). Kosta Runjaic brachte mit Deville eine neue Offensivkraft, der auch gleich für etwas mehr Bewegung sorgte. Nach einer von ihm herausgeholten Ecke allerdings köpfte der hochgewachsene Vucur allerdings genau in die Arme des Freiburger Keepers (79.). Die nächste beherzt vorgetragene Aktion der Breisgauer brachte dann die Entscheidung. Erneut Guedé über rechts brachte einen flachen Ball in die Mitte wo der mitgelaufene Nils Petersen unbedrängt einschieben konnte. Der FCK brachte auch in der verbleibenden Zeit inklusive der 3 Minuten Nachschlag nichts mehr Brauchbares auf den Rasen. So blieb es beim alles in allem verdienten Sieg der Gäste.

Streich im Rampenlicht (©thof)

Streich im Rampenlicht (©thof)

Ernüchterung auf den Rängen bei denen, die nach dem zweiten Freiburger Treffer noch im Stadion verblieben waren. Viele sehen im aktuellen Trainer den Schuldigen für die aktuelle Erfolglosigkeit. Die Kommentare in einschlägigen Foren überschlagen sich derzeit. Es brodelt am Betzenberg. Für die aktuelle Situation muss man einen glatten Fehlstart attestieren, auch wenn man vor Saisonbeginn lediglich den Anspruch artikuliert hat, oben mitspielen zu wollen. Im Moment ist man davon deutlich entfernt. Aber kann es dieser Mannschaft gelingen zurückzukommen und mal einen Lauf hinzulegen, um wenigstens wieder den Anschluss an die oberen Tabellenregionen herzustellen? Oder geht der Trend weiter nach unten und bahnt sich hier eine Horrorsaison wie 2007/2008 an? Immerhin 7 von 11 Akteuren aus der Anfangsformationen vom vergangenen Freitag gehörten in der vergangenen Saison schon zum Mannschaftsgefüge. Was in der letzten Spielzeit phasenweise souverän aussah und daherkam, wirkt heute blass und abgenutzt.

Nach dem Abpfiff schwerer Gang vor die West-Wand (©thof)

Nach dem Abpfiff schwerer Gang vor die West-Wand (©thof)

Wie schon weiter oben geschrieben, es sieht so aus, als fehle den Jungs die unbefangene und unbelastete Freude am Kicken! Dafür wird es eine ganze Reihe Gründe geben, die vom sportlichen, bis zum Atmosphärischen reichen. Dass die mageren Erträge aus den bisherigen Spielen für schlechte Stimmung sorgen, das entgeht natürlich auch den Profis nicht. Die Atmosphäre am Betzenberg ist nicht erst seit der Partie am Freitag – sagen wir mal – kritisch und knisternd! Die Fans sind im nunmehr vierten Jahr Zweitligafußball in Folge enttäuscht. Das Fanlager gibt sich gespalten, spätestens seit der Heimpartie gegen Paderborn und den Diskussionen um die Pfiffe zur Halbzeit. Die Verantwortlichen werden seit Monaten außerdem nicht müde den Verein in Bescheidenheit zu kleiden und die Mannschaft verhalten zu positionieren. Vor allem auf Seiten der Anhänger des Pfälzer Traditionsclubs ein schwer zu akzeptierender Zustand, der an die Substanz geht. So manchem eingefleischtem FCK-Fan wird am Arbeitsplatz eine nervenaufreibende und freudlose Woche bevorstehen. Nicht nur, weil das Punktekonto mager aussieht, sondern vor allem weil viele die dem Verein lebenslang die Treue halten werden, sich mit der Leistung und dem Engagement der Mannschaft nicht mehr identifizieren können.

Mancher möchte wohl nicht mehr hingucken - Maurice Deville (©thof)

Mancher möchte wohl nicht mehr hingucken – Maurice Deville (©thof)

Jüngst tauchte mal wieder ein Zitat unseres denkmalwürdigen Titanen Gerry Ehrmann auf „…es stört mich, dass manchen heute der unbedingte Siegeswille fehlt!“ Da ist viel dran, wenn es darum geht die aktuell brodelnde Stimmung am Berg zu verstehen. Alle die an der Entwicklung dieser Mannschaft mitwirken, täten gut daran, sich ein paar Gedanken zu machen wie man der Truppe diesen Willen zur Siegermentalität einimpfen kann, um wenigstens spielerische Defizite zu kompensieren oder nachhaltig aufzuheben. Dass solche Defizite (noch) da sind, ist mehr als augenscheinlich. Viel Zeit die zu beheben wird im laufenden Spielbetrieb nicht mehr bleiben, vor allem wenn die Erfolge ausbleiben. Von diesen simplen Gesetzmäßigkeiten des ach so beliebten Volkssports sollten sich aber auch die Fans nicht ausnehmen. Wenn Du bei einer Familienfeier schlechte Stimmung hast, weil nur zerstrittene, pessimistische und griesgrämige Gäste mit am Tisch hocken, kriegst Du keine geile Party aufs Parkett!

mg


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