Mol annerschd uff die Annere geguckt – SV Sandhausen

Familiäre Bodenständigkeit neben professionellen Strukturen

Sonntag zu Gast auf dem Betzenberg, der SV Sandhausen (Foto: SV Sandhausen)

Sonntag zu Gast auf dem Betzenberg, der SV Sandhausen (Foto: SV Sandhausen)

Der SV Sandhausen ist am Sonntag am Betzenberg zu Gast. Die Kleinstadt in der Kurpfalz ist mit knapp 14.500 Einwohnern kleinster Zweitliga-Standort. Nach dem Aufstieg im Jahr 2012 spielt der Verein bereits im vierten Jahr in Folge in der zweithöchsten deutschen Fußball-Liga.  Derzeit rangiert der SV Sandhausen in der Tabelle sogar vor dem 1.FC Kaiserslautern, obwohl dem Club aus der Kurzpfalz aufgrund von Lizenzverstößen durch die DFL schon vor Saisonbeginn 3 Punkte abgezogen wurden! Nicht einmal 1.000 Mitglieder zählt der im Jahr 1916 gegründete Verein heute. Dennoch blicken die Kurpfälzer nicht ohne Stolz auf die Entwicklung der letzten Jahre zurück. Alles was in den letzten Jahren am Hardtwald aufgebaut wurde, mag zwar etwas beschaulicher und kleiner anmuten, als beispielsweise beim 1.FCK. Aber in punkto Professionalität steht der Club von der anderen Rheinseite in vielen Bereichen auch größeren Konkurrenten der Liga in nichts nach. Die Verantwortlichen setzen auch an der sportlichen Basis auf professionelle Jugendarbeit. Ein wichtiger Grundstock für jeden Verein, der Zukunft nachhaltig gestalten will. Anlass für uns besonders auf die Nachwuchsarbeit mal ein Auge zu werfen.

Fußballcamp (Foto: SV Sandhausen)

Fußballcamp (Foto: SV Sandhausen)

Natürlich unterhält auch der SV Sandhausen ein Nachwuchsleistungszentrum. Direkt an das Hardtwaldstadion angrenzend findet sich das Nachwuchsleistungszentrum. Immerhin 25 Trainer und 2 Physiotherapeuten kümmern sich im Nachwuchsbereich um die U23, den Leistungsbereich (U16-U19), den Aufbaubereich (U12-U15), die sogenannten Kleinen Sandmänner (U10-U11) und die Sandhäuser Kids (Bambinis bis D-Jugend). Nicht nur beim 1.FCK, auch in Sandhausen setzt die Nachwuchsarbeit auf ein ganzheitliches Konzept. Neben der sportlichen Förderung gehört das Augenmerk eben auch der schulischen Ausbildung. In Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Ebert-Gymnasium und der Friedrich-Ebert-Werkrealschule in Sandhausen, setzt der Verein sein schulisches Strategiekonzept um. Die Kinder und Heranwachsenden sollen im Zuge dieser Kooperation auf vier Grundsteinen aufbauend nicht nur auf eine mögliche sportliche Karriere, sondern auch aufs Leben vorbereitet werden. Mit der schulischen Begleitung erfahren Talente im NLZ gezielte schulische Unterstützung, die sich an deren Bedürfnissen orientiert. Regelmäßiger Kontakt und Austausch zwischen Schule und Verein sind dafür unabdingbar. Im Rahmen sozialer Unterstützung  erhebt der Verein den Anspruch eine offene Anlaufstelle für die Talente und ihr Umfeld zu sein und bei Problemen entsprechend zur Seite zu stehen. Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Persönlichkeitsförderung neben dem familiären Umfeld. Die Förderung eines selbstkritischen Umgangs und ein enges Vertrauensverhältnis zum betreuenden Personal sollen dazu beitragen die Jugendlichen zu selbständigen Individuen zu erziehen. Im Rahmen von Prävention und Präventionsmaßnahmen soll mit frühzeitiger Lebens-Schulung und zielgerichteter Wissensvermittlung ein Bewusstsein für die eigene Persönlichkeitsentwicklung geschaffen werden, um in sozialer, schulischer oder medizinischer Hinsicht möglichen Problemen und Konflikten vorbeugen zu können.

Direkter Kontakt zu den Profis auch für die Jüngsten (Foto: SV Sandhausen)

Direkter Kontakt zu den Profis auch für die Jüngsten (Foto: SV Sandhausen)

Im Grunde Strategien, die heute in keinem Nachwuchsbereich eines Profivereins mehr fehlen dürfen. Wenngleich jeder Verein hier sicher andere Schwerpunkte setzt oder die gesetzten Schwerpunkte anders umsetzt. Nicht viel anders verhält es sich in der sportlichen Ausbildung. Nach Angaben des Vereins baut man hier auf vier fokussierte Kernpunkte. Der taktischen Vielseitigkeit, einem aggressiven Ballgewinnspiel, die Fähigkeiten im eins-zu-eins Spiel und der Philosophie stets den Anspruch zu haben zu agieren und nicht zu reagieren. Im Wesentlichen ähnelt auch hier das Konzept dem des 1.FCK oder vieler anderer Mitkonkurrenten im Zweitligaumfeld. Wie weit das hier formulierte Anspruchsdenken in der praktischen Arbeit bisher Erfolg zeigt, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Zumindest hat es im aktuellen Kader bislang nur ein Spieler geschafft aus der U23 den Sprung in die Profimannschaft zu gehen. Wirklich namhafte Spielergrößen sind der Talentschmiede des kleinen kurpfälzischen Clubs bisher noch nicht entsprungen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Auch für den Nachwuchs professionells Training (Foto: SV Sandhausen)

Auch für den Nachwuchs professionells Training (Foto: SV Sandhausen)

Einen weiteren Baustein im Nachwuchsbereich stellt die Fußballschule dar. Genau wie beim 1.FCK werden hier regelmäßig mehrtägige Fußballcamps angeboten oder wird mit anderen Vereinen im Rahmen einer Kooperation zusammengearbeitet. Ein Angebot aus diesem Portfolio sticht etwas heraus. Im Rahmen eines Fördertrainings besteht die Möglichkeit einer fachlich fundierten sportlichen Betreuung. Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die sonst nicht beim SVS kicken, die in anderen Vereinen spielen und dieses Angebot als Zusatz nutzen möchten, oder die bislang überhaupt nicht in einem Verein ihrem Lieblingssport nachgehen. Pro Halbjahr findet einmal pro Woche eine 75-miütige Einheit statt, das Ganze für eine Gebühr von 99,–€ für den gesamten Halbjahreskurs. Man verspricht sich einerseits davon, ähnlich wie bei den Fußball-Camps, auch mal auf das ein oder andere Talent zu stoßen. Immerhin schafft der SVS so auch ein Angebot, mit dem man ein Stück weit auch sozialer Verantwortung gerecht werden kann. Zielgruppe ist schließlich auch der typische Straßenfußballer. „Es ist besser die Jungs und Mädels sind 2 Stunden auf dem Rasen als 2 Stunden vor der Glotze oder dem Computer“, merkt Jugend-Co-Trainer Dustin Paczulla an.

Leiter des NLZ Sandhausen, Joachim Stadler (Foto: SV Sandhausen)

Leiter des NLZ Sandhausen, Joachim Stadler (Foto: SV Sandhausen)

Aus Sicht des FCK sicher auch bemerkenswert, dass immerhin sechs Akteure, die bereits auf dem Betzenberg in der Verantwortung waren. Als Trainer oder Spieler. Alois Schwartz, aktueller Cheftrainer der Profimannschaft, trainierte zwischen 2007 und 2012 die U23 des 1.FCK und kurzzeitig auch die Profimannschaft. Joachim Stadler, heutiger Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim SVS, kam 1989 aus der FCK Jugend zu den eigenen Profis und schnürte bis 1991 beim 1.FCK die Schuhe. Mit Marco Knaller, Andrew Wooten, Steven Zellner und Denis Linsmeyer schnüren aktuell immerhin vier ehemalige FCK-Spieler derzeit die Schuhe für den SV Sandhausen. Insofern wird das Duell am Sonntag auch unter diesem Aspekt ein besonderes Spiel werden. Zumindest für den ein oder anderen, je nach Aufstellung. Für einen Spieler, der in der laufenden Saison gegen den ehemaligen Club auflaufen darf, sind solche Partien stets ein besondere Herausforderung. Zumindest sagen wir mal, willkommen zurück am Betzenberg, Jungs. Aber die Punkte bleiben am Sonntag da!

mg

 


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