Mit langem Anlauf zum dritten Heimerfolg

Dem 1.FCK gelingt im letzten Heimspiel 2015 vor Trauerkulisse ein mühevoller Sieg

Maurice Deville köpft zum 1:0 für den FCK (©thof)

Maurice Deville köpft zum 1:0 für den FCK (©thof)

Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, da entwickelte der 1.FCK am gestrigen Sonntag nochmal sichtbaren Offensivdrang und markierte nach etlichen aussichtsreichen aber leider vergebenen Möglichkeiten in der 94. Minute den endgültigen Knock-Out für die Zebras. Jean Zimmer hatte sich über links mit energischem Antritt durchgesetzt und legte auf den frei postierten Mateusz Klich, der aus kurzer Distanz einnetzte. Erst kurz zuvor parierte Marius Müller einen Kopfstoß von Nico Klotz aus kurzer Distanz (88.). Ein Wachmacher! Bis dahin hatten die Duisburger nicht viel zu bieten, was den Lauterer Kasten in wirkliche Bedrängnis hätte bringen können. In der 60. Minute hatte der eigewechselte Maurice Deville bereits vorgelegt und die verdiente Führung markiert. Nach feiner Vorarbeit durch Mateusz Klich, der den Ball mit der Hacke auf Chris Löwe servierte und dessen Flanke kam maßgenau auf den gut postierten Luxemburger. Deville stieg höher als sein Gegenspieler und beförderte das Leder per Kopf sicher in die Maschen. Eine Erlösung für die spärliche Kulisse von 22.277 Besuchern, sofern sie dem Lager der Roten Teufel zuzurechnen waren. Immerhin brachten die Kicker von der Wedau rund 1.800 Fans mit auf den Betzenberg. Die Truppe von Ilia Gruev, dem ehemaligen FCK-Co-Trainer unter Kosta Runjaic, bleibt damit auch nach dem 18. Spieltag Tabellenletzter.

Trotz Trauerkulisse gute Stimmung auf der Westtribüne (©thof)

Trotz Trauerkulisse gute Stimmung auf der Westtribüne (©thof)

Der FCK brachte in Halbzeit eins nicht viel zustande. Größter Aufreger war noch eine Zufallschance, die dem aggressiven Pressing des erneut glücklosen Kacper Przybylko zu verdanken war, der Torhüter Michael Ratajczak beim Abschlag hartnäckig anging. Das Leder prallte vom ausgestreckten Bein des Polen ab und kullerte links neben dem Pfosten ins Toraus. Bestenfalls Ruben Jenssen sorgte in der 27. Minute mit einem satten Schuss noch für Torgefahr. Aber der Ball strich über die Querlatte. Ansonsten bei den Lauterer Akteuren, die bereits in Halbzeit eins auf die beflügelnde heimische Fantribüne spielen mussten – im Westen nichts Neues! Die Duisburger hatten im ersten Durchgang eigentlich die beste Möglichkeit, als der ehemalige Lauterer Steffen Bohl das Leder nach einer Ecke per Kopf links neben den Pforten setzte. Vor allem der erste Durchgang unterstrich spielerisch und in punkto fußballerischer Kreativität einmal mehr, dass an diesem Nachmittag die heimschwächste Mannschaft auf den Tabellenletzten traf. Das war bisweilen nicht schön anzuschauen und durfte getrost als Rumpelfußball abgetan werden und erhielt selbst von Coach Konrad Fünfstück das Prädikat „Gemurkse“.

Einmarsch der Teufels-Bande vor dem Spiel (©thof)

Einmarsch der Teufels-Bande vor dem Spiel (©thof)

Natürlich hatte sich der FCK wegen der miserablen Heimbilanz viel vorgenommen und wollte den Zuschauern unbedingt noch ein vorweihnachtliches Geschenk mit auf den Heimweg geben. Letztlich sollte aber nur das Ergebnis dazu herhalten dürfen. Fußballerisch blieb die Partie über lange Strecken alles schuldig, was einen Zungenschnalzer provozieren würde. Man merkte dem Lauterer Spiel auch an, das Ideengeber Daniel Halfar im Mittelfeld fehlte. Der gelb-gesperrte Kreativmann wurde im Zentrum durch Ruben Jenssen ersetzt, der allerdings vieles vermissen ließ, was man von einem Spielgestalter erwarten würde. Für Daniel Halfar lief übrigens Markus Karl als Kapitän auf. Marcel Gaus und Mateusz Klich standen für den ebenfalls mit Karten-Pause bedachten Patrick Ziegler sowie für Michael Schulze in der Anfangsformation. Letzterer musste erst mal auf der Bank Platz nehmen.

Steffen Bohl (links) im Duell mit Mateusz Klich, hatte eine der besten Dusiburger Chancen (©thof)

Steffen Bohl (links) im Duell mit Mateusz Klich, hatte eine der besten Dusiburger Chancen (©thof)

Nach dem Pausentee kam der FCK deutlich sichtbarer und präsenter aus der Kabine. Das lag auch an dem Wechsel, den Konrad Fünfstück nach der Pause vornahm. Maurice Deville kam für Lukas Görtler, der zwar im ersten Durchgang viel lief und ackerte, aber in seinen Aktionen auch häufig unglücklich agierte. Erste Möglichkeiten erarbeitete sich der 1.FCK in der 53. und der 56. Minute, aber die Schussversuche von Marcel Gaus und Mateusz Klich waren letztlich zu ungefährlich für wirkliche Torgefahr. Die erste ernsthaft gute Chance hatten erneut die Duisburger, aber der Versuch von Dennis Grote pfiff über das Tor von Marius Müller (54.). Dennoch hatte der FCK mehr vom Spiel, agierte häufiger und gefälliger über die Flügel. Lediglich die letzte Konsequenz und die letzte Genauigkeit fehlten, um ideenreiche Ansätze zu Ende zu spielen und damit richtig Torgefahr oder dauerhaften Druck zu erzeugen oder gar einen Torerfolg zu verbuchen. Bis eben zur 60. Minute.

Marcel Gaus noch nicht in alter Form (©thof)

Marcel Gaus noch nicht in alter Form (©thof)

Für Maurice Deville war die gestrige Partie so gesehen natürlich eine besondere. Immerhin sein erster Treffer vor heimischer Kulisse. Im Verlauf der Saison bereits sein vierter Treffer nach einer Einwechslung. Wenn dies als Garantie gesetzt wäre, dann bitte bei jedem Spiel wiederholen! Obwohl man dem trainingsfleißigen und ehrgeizigen Luxemburger Nationalspieler häufiger Start-Elf-Einsätze wünschen und gönnen würde. Aber vielleicht ist auch hier von beiden Seiten erst einmal Geduld angesagt. Naja, und wenn er als Joker weiter trifft, wird er erst mal auch damit leben können. Eine besondere Partie war das gestrige Spiel natürlich auch für Ilia Gruev, der unter Kosta Runjaic als Co-Trainer in Diensten des FCK stand und nun als Cheftrainer der Zebras den Weg zurück auf den Betzenberg fand.

Gestern nicht immer durchschlagend, Lukas Görtler (©thof)

Gestern nicht immer durchschlagend, Lukas Görtler (©thof)

„Es war schon ein wenig ungewohnt. Ich musste aufpassen, dass ich mich auch auf die richtige Bank setze“, scherzte der Bulgare im Hinblick auf seine immerhin zweijährige Dienstzeit beim FCK, der natürlich zu gerne Zählbares mitgenommen hätte. Dennoch ging die Strategie der Meidericher nicht auf. Dafür war offensiv einfach zu wenig gelaufen. Auffällig bestenfalls noch, dass die Standards des MSV immer wieder für erhöhten Pulsschlag auf den Rängen sorgten. Das war für die treuen Anhänger und Zuschauer auf Seiten des FCK natürlich auch der Erfahrung aus dem gesamten Verlauf der bisherigen Saison geschuldet. Der Wahrnehmung nämlich, dass die Mannen im roten Dress allzu oft schon mit Schludrigkeit, fehlender Konsequenz und Bissigkeit hinten drin so manchen Bock geschossen hatten und damit auch den ein oder anderen vermeidbaren Gegentreffer zugelassen oder gar provoziert hatten. So gesehen ist die fehlende Konstanz eine der Kernaufgaben für die Vorbereitung in der Winterpause und die Partien, die bis zum Saisonabpfiff noch folgen werden. Ganz besonders gilt das für das Aufmöbeln der Heimbilanz, will man das Stadion nicht gänzlich leer-spielen.

Glückliche Torschützen, Maurice Deville und Mateusz Klich (©thof)

Glückliche Torschützen, Maurice Deville und Mateusz Klich (©thof)

Die gestrige Zuschauerzahl war nicht einem vermeintlich unattraktiven Gegner geschuldet, der gar nicht mal so unattraktiv war oder ist. Immerhin reden wir hier auch von einem Traditionsverein, auch wenn der aktuell die rote Laterne in der zweiten Liga vor sich herträgt. Es ist natürlich ein optisches Trauerspiel, wenn sich in diesem riesigen Stadion nur knapp 22.000 Besucher auf den Tribünen verlieren. Ein ähnlich trister Anblick wie in der Saison 1981/82 als Ende Januar auch nur 11.096 Besucher gegen die Meidericher auf den Berg pilgerten. In der Spielzeit davor waren es gegen Duisburg mit 23.700 dann ähnlich viele wie am gestrigen Nachmittag, aber das Fassungsvermögen des Stadions am Betzenberg betrug damals halt nur 34.500. Kleiner Exkurs in die unterschiedliche Wahrnehmung offizieller Zuschauerzahlen im Wandel der Zeiten. Zurück in die Gegenwart und zum gestrigen Spiel. Einig waren sich nach dem Abpfiff alle, Zuschauer und Spieler. Das war kein spielerisches Highlight, aber Hauptsache die drei Punkte eingesackt. Das ist in der aktuellen Situation einer bislang durchwachsenen Saisonleistung so kurz vor der Winterpause die wichtigste festzuhaltende Notiz.

Marius Müller und Ruben Jenssen mit Nachwuchs (©thof)

Marius Müller und Ruben Jenssen mit Nachwuchs (©thof)

Ähnlich sah es mitunter auch der ein oder andere Spieler. „Scheissegal wie das Ergebnis heute zustande gekommen ist. Wir wissen, dass wir nicht so berauschend gespielt haben. Wir sind einfach froh, dass wir die drei Punkte heute hier behalten konnten“, so Tim Heubach nach dem Abpfiff. Wesentlichstes Kennzeichen des Lauterer Spiels im bisherigen Saisonverlauf ist sicher die fehlende Konstanz. Wäre den Jungs zu wünschen, dass man am kommenden Sonntag bei der letzten Partie im Kalenderjahr 2015 nach dem gestrigen Punkte-Erfolg einfach noch einen drauf legt. Aber als Fan aus der Distanz heraus in dieser Saison fußballerisch fundierte Prognosen abzugeben ist fast nicht möglich. Bleibt das Daumendrücken und der beseelte Wunsch, dass auch nach der nächsten Partie sich einer vor die Kamera drapieren und mit der Erkenntnis aufwarten kann, war nicht schön anzuschauen, aber Hauptsache drei Punkte.

mg

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