Kräftig in den Nikolausstiefel gespuckt… wieder jubeln nur die anderen

Der 1.FCK verliert mit 1:2 gegen Pauli in der Vorrunde bereits sein 5. Heimspiel

Leidenschaftlicher Einsatz, Lukas Görtler (©thof2015)

Leidenschaftlicher Einsatz, Lukas Görtler (©thof2015)

Wieder eine Heimniederlage, wieder jubeln nur die anderen. Wieder früh in Rückstand geraten, wieder Schludrigkeit und inkonsequente Defensivaktionen, die dem Gegner in die Karten spielten. Schon nach drei Minuten schien am gestrigen Sonntag alles über den Haufen geworfen, was sich Mannschaft und Trainerteam in der Woche vor der Heimpartie gegen die Kiez-Kicker aus Hamburg vorgenommen hatten. Nach einer Ecke von links landet ein Kopfstoß von Bernd Nehrig an der Latte, den Abpraller drückt Lennart Thy aufs Tor. Chris Löwe will klären, trifft das Leder nicht voll, die Kugel landet dennoch in den Maschen. Sah unglücklich und ein wenig unbeholfen aus und das war es aber auch. Aber nicht nur hinten drin, auch vorne fehlte gestern so einiges, was notwendig gewesen wäre, um dem heimischen Publikum zum 2. Advent einen gefüllten Nikolausstiefel mit auf den Heimweg zu geben.

Trotz mäßiger Heimbilanz, gut gefüllte Westtribüne (©thof2015)

Trotz mäßiger Heimbilanz, gut gefüllte Westtribüne (©thof2015)

Dennoch war der unglücke Abwehrversuch, der zum frühen Gegentor führte nur eine von zahlreichen Situationen, in denen man sich als Betrachter von der Tribüne die Haare raufte oder sich auf dem Rasen die Akteure im roten Dress selbst verzweifelt in den Kopfbewuchs griffen. So zum Beispiel Jean Zimmer, der gegen Ende von Halbzeit zwei auf halbrechts, fast unbedrängt gleich mehrere Optionen hatte das Leder in eine aussichtsreiche Position zu befördern, um Torgefahr zu provozieren. Stattdessen landete die Kugel nach einem halbherzigen verunglückten Fußtritt im Fünfmeterraum und fand in Torhüter Robert Himmelmann einen dankbaren Abnehmer. Jean Zimmer rubbelte sich selbst kopfschüttelnd das Haupthaar als wollte er sagen, wie kann ich so einen Ball bringen. Eine Szene, die bildhaft und beispielhaft für viele Einzelszenen und Momentaufnahmen einer Partie steht, in der die Roten Teufel sicher nicht schlecht spielten. Dennoch fehlte vieles, was notwendig gewesen wäre, um den Gegner mit den für den Betzenberg legendären Tugenden an die Wand zu drücken und letztlich auch zu bezwingen. Wille und Einsatz mag man dem Team gar nicht absprechen. Aber wir müssen uns wohl damit abfinden, dass derzeit auch Unvermögen, Schludrigkeit und in vielen Teilen auch Mangel an Qualität ein steter Begleiter einer Mannschaft sind, die auf der Suche nach sich selbst scheint.

Vile investiert, wenig Ertrag, Ruben Jenssen (©thof2015)

Vile investiert, wenig Ertrag, Ruben Jenssen (©thof2015)

Etliche Statistiken zur gestrigen Partie mögen für den FCK sprechen. Natürlich haben auch die Jungs um Kapitän Daniel Halfar den Ausgang der Partie als ungerecht empfunden. Aber alle „eigentlichs“ und „wenns“ und „hättes“ und „wäres“ nutzen natürlich nix. Wenn Du Dich in einem Spiel vor heimischer Kulisse mit der dargebotenen Feldüberlegenheit nicht selbst belohnst, dann ist die fast logische Konsequenz, dass in so einem Match der Gegner die drei Punkte einsackt. St. Pauli hat zwei Buden gemacht, die vermeidbar gewesen wären. Die Kiez-Kicker hatten während der 90 Minuten aus dem Spiel heraus viel klarere, eindeutigere, zwingendere Möglichkeiten als die Spielsituationen, die letztlich zum Ergebnis-Erfolg führten. Wenn Chris Löwe nach der Partie sagt, man müsse in den nächsten Wochen zusehen, die Defensive zu stabilisieren und die individuellen Fehler hinten drin abstellen, dann ist auch das nur die halbe Wahrheit und ein Teil derselben.

Einziger FCK-Torschütze, Daniel Halfar (©thof2015)

Einziger FCK-Torschütze, Daniel Halfar (©thof2015)

Es muss auch vehement (weiter) an der Steigerung der Treffsicherheit gearbeitet werden. Nicht nur, was das instinktive und intuitive Agieren von Kacper Przybylko betrifft. Es sind ja auch noch andere Akteure auf dem Rasen, die trotz aussichtsreicher Situationen die Kugel in dieser Situation schon mehrfach nicht im gegenrischen Kasten untergebracht haben. In acht Heimspielen einer Saison-Vorrunde nur sechs Treffer zu markieren darf getrost als unterirdisch bezeichnet werden. Sprachen gestern zu der Spielbetrachtung viele Statistiken für den FCK, so schließt diese Statistik der FCK verdient als Verlierer ab. Letzter der Liga in der Heimtabelle! Eine besondere Randnotiz, der sich auch Thomas von Der-Betze-brennt in seinem Artikel zum gestrigen Heimspiel widmet.

Trotz Rückstand Motivator am Spielfeldrand, Konrad Fünfstück bei der Einwechslung von Marcel Gaus (©thof2015)

Trotz Rückstand Motivator am Spielfeldrand, Konrad Fünfstück bei der Einwechslung von Marcel Gaus (©thof2015)

In der letzten Spielzeit hatte sich der FCK wieder zu einer Heimmacht entwickelt. In der laufenden Saison ist die Mannschaft davon weit weg. Das gestrige Spiel war ein gutes Beispiel dafür, warum das derzeit so ist. Die Heimpartien des FCK sind berechenbar geworden und die meisten Gegner haben sich längst darauf eingestellt. Aus einer kompakten Defensive heraus agieren, da den Roten Teufeln zu selten gelingt mit taktischem Spielwitz, mit virtuoser Kreativität, mit ideenreicher Finesse oder mit unbeugsamer Wucht, mit unnachgiebiger Leidenschaft, mit aggressiver Dominanz oder einer Mischung aus allem solche Abwehrriegel in Verlegenheit zu bringen und dann mit einer gnadenlosen Treffsicherheit in die Knie zu zwingen. Andererseits mit schnellem Umschaltspiel und gekonnten Kombinationen schnell vor das Lauterer Tor kommen oder dort mit fintenreichen Standards agieren, denn früher oder später unterläuft der FCK-Defensive der ein oder andere Lapsus.

St.Pauli Fans mit klaren Worten (©MP)

St.Pauli Fans mit klaren Worten (©MP)

Torerfolg dann quasi garantiert. Klingt einfach, scheint es aber auch zu sein. Dennoch birgt der Kader viele Lichtblicke und eine ganze Reihe von Potenzialen. Auch am gestrigen Nachmittag haben sich mit Manni Osei Kwadwo (20), Maurice Deville (23) oder Lukas Görtler (21) einige sehr junge Akteure erneut ins Rampenlicht gespielt. Man darf hier getrost auch Kacper Przybylko (22) oder Jean Zimmer (22) dazuzählen. Alles Akteure, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Aber ihnen fehlen eben auch noch viele Fertigkeiten, um am Ende Garant für einen Sieg oder das Zünglein an der Waage zu sein. Wie sagte ein Fan nach der Partie treffend? „Die meisten, die da auf dem Rasen stehen, sind irgendwie noch Azubis. Wir haben einfach zu wenige erfahrene etablierte Spieler. Die brauchst Du aber, um auch die jungen mitzuziehen. Aber selbst wenn Du erfahrene Rennpferde hast, dazu gehört halt auch eine gewisse Qualität und Mentalität. Kein Unternehmen kann nur mit Azubis bestehen und hoffen, damit Erfolg einzufahren.“

Vielbeinige St.Pauli-Defensive (www.der-betze-brennt.de)

Vielbeinige St.Pauli-Defensive Foto: www.der-betze-drennt.de

Dabei hat gestern die Mannschaft auch als Kollektiv nicht schlecht gespielt. Vor allem in Halbzeit zwei lag nach dem Anschlusstreffer von Daniel Halfar der Ausgleich mehrfach in der Luft, nachdem die Jungs von Konrad Fünfstück teilweise kombinationssicheres, druckvolles Spiel aufgezogen haben. Dessen Flanke aus halbrechter Position hatte in der 66. Minute nach langer Flugbahn ungehindert den Weg ins Netz gefunden. Die immerhin 29.352 Zuschauer haben in der letzten halben Stunde und vor allem nach dem Anschlusstreffer ihren akustischen Teil dazu beigetragen, den Jungs bei ihrem Anrennen unter die Arme oder Flügel zu greifen. Zu dem Zeitpunkt führten die Kiez-Kicker bereits mit zwei Toren Vorsprung, nachdem der zweite Treffer quasi aus dem Nichts heraus gefallen war. St.Pauli mit einer der wenigen Entlastungsaktionen im Vorwärtsgang, Tim Heubach konnte nicht scharf genug klären, Lennart Thy zog aus 17 Metern trocken ab und das Leder schlug links neben Marius Müller am kurzen Pfosten im Kasten ein (56.). Zuvor hätten Kacper Przybylko (53.) und Jean Zimmer (54.) zwar egalisieren können, aber belohnt haben sich eben die Gäste.

Betretene Gesichter nach dem Abpfiff (www.der-betze-brennt.de)

Betretene Gesichter nach dem Abpfiff (www.der-betze-brennt.de)

So ist Fußball nun mal, gefühlt eben auch ungerecht. Aber gerecht ist der Sport zu Dir halt nur, wenn Du Deine eigenen Investitionen zur Rendite bringst und das geht ohne Treffer im Fußball eben nicht. Da nutzt auch das Wehklagen nicht, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann dem FCK schon in der ersten Halbzeit einen Strafstoß verweigerte, nachdem Lukas Görtler im Strafraum zu Fall kam, Stegemann das geahndete Foul aber jenseits der Strafraumkarte sah. Pech und Glück gehören eben im Fußball auch dazu. Beides zu oft zu bemühen und zu zitieren sollte man vermeiden. Entscheidend ist und bleibt, die eigene Qualität und bei der stimmt es zumindest bei den Heimauftritten des FCK derzeit quasi hinten und vorne nicht. Die Rückrunde wird schwer das ist unstrittig. Auf das Trainerteam und die Akteure wartet noch sehr viel Arbeit. Die Saison dürfte man beim aktuellen Tabellenbild wohl abhaken können, aber wenigstens so wachsam und aufmerksam bleiben, dass dr Weg nicht doch noch weiter nach unten führt. Neben den auch von den eigenen Spielern erkannten und angesprochenen Defiziten wäre der Mannschaft zu wünschen wenigstens die Heimbilanz in der Rückrunde kräftig aufzumöbeln.

Geburtstagskind Jean Zimmer am Boden (©thof2015)

Geburtstagskind Jean Zimmer am Boden (©thof2015)

Das Publikum ist im Grunde schon zufrieden, wenn da unten eine Mannschaft agiert, die sich den Allerwertesten aufreißt, die Leidenschaft und unbedingten Willen zeigt. Auch wenn man das bei der gestrigen Partie nicht bemängeln kann, auch das war bisweilen bei Heimauftritten nicht immer so. Aber auch wenn man regelmäßig aufregende, spannende und leidenschaftliche Spiele vor heimischem Publikum abliefert, auch das treueste Publikum wird lieber zuhause bleiben, wenn es weiter regelmäßig Niederlagen hagelt. Neben Kampfgeist, Leidenschaft und Einsatz sind eben auch Erfolge und Punkte das Manna für die Tribüne und vor halb leeren oder gänzlich leeren Rängen aufzulaufen, dürfte auch für die Akteure auf dem Rasen nicht erstrebenswert sein. Am kommenden Sonntag gastiert der Tabellenletzte MSV Duisburg auf dem Betzenberg. Die hatten das ungeliebte Brauseprojekt in Leipzig am gestrigen Sonntag am Rande einer Niederlage, ehe sie sich in den letzten fünf Minuten mit drei Gegentreffern doch noch geschlagen geben mussten. Am Spielfeldrand steht mit Ilia Gruev ein alter Bekannter in Diensten der Meidericher. Der dürfte längst einen Plan in der Tasche haben. Vorsicht also! Aber egal wie der Plan von Ilia aussieht, einfach einmal mehr treffen als die Zebras.

mg

 


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