Kein Mut, kein Selbstvertrauen, kein Tor, kein Punkt

Der 1.FCK verliert beim Tabellenführer ohne eine einzige eigene Torchance

Nix zu holenbeimTabellenführer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nix zu holen beim Tabellenführer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch den kühnsten Optimisten war vor der Auswärtspartie beim Tabellenführer Braunschweig klar, dass der Gastgeber haushoher Favorit sein würde. Klar war auch, dass es extrem schwer werden würde und auch ein bisschen Glück bemüht werden müsste, wollte man aus Niedersachsen überhaupt irgendwas mitnehmen. Am Ende hämmerten sich die Löwen einen 1:0 Sieg in die Statistik. So unverrückbar, so knallhart, wie der von Nik Omladic getretene Freistoß, der schon in der 18. Minute im Kasten der Roten Teufel eingeschlagen war und letztlich den Siegtreffer für die Braunschweiger markierte. Dem hatten die Jungs von Tayfun Korkut nichts entgegenzusetzen. Ein Eckenverhältnis von 7:0 für die Hausherren spricht Bände. Noch schlimmer das Chancenverhältnis mit exakt dem gleichen Wert! Keine einzige wirkliche Torchance in ganzen 90 Minuten! So kann man aus der Fremde, außer einem warmen Händedruck, natürlich nichts mitnehmen. Das nagte sicher auch an den Verantwortlichen im sportlichen Bereich, die sich sogar mit Kritik an der mutlosen Darbietung einiger Akteure der eigenen Offensivabteilung nicht zurück hielten.

Run d 700 Fans begleiteten den FCK gestern nach Braunschweig (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Rund 700 Fans begleiteten den FCK gestern nach Braunschweig (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Taktik war bei einem dicht gestaffelten Defensivverbund bereits mit der Aufstellung klar. Ein Vierer-Mittelfeld stand vor einer Fünfer-Abwehrkette. Sebastian Jacob vorne alleine auf weiter Flur. Bloß hinten nix anbrennen lassen. Über die gesamte Spielzeit betrachtet ging dieses Konzept sogar fast auf. Außer dem Treffer in der 18. Minute durch einen direkten Freistoß. Insgesamt hatte die FCK-Defensive solide Arbeit abgeliefert. Aus dem Spiel heraus hatten sich die Hausherren zwar einige hochkarätige Chancen erarbeitet, fanden aber unter anderem in Julian Pollersbeck immer wieder ihren Meister. Den Freistoß verursacht, der letztlich zum Tor führte, hatte Robin Koch, einer der jüngsten Akteure im Team. Der talentierte Defensivmann musste in dem Moment am eigenen Sechzehner reagieren und musste auch körperliche Präsenz zeigen. Leider eben auf Kosten des Freistoßes. Ihm fehlt noch die Erfahrung seines Erzeugers, der so eine Situation in seinen Glanzzeiten vielleicht etwas abgezockter geklärt hätte. Aber sei’s drum, einen Vorwurf hat der Junge nicht verdient. Die Mauer stand bei der Ausführung vielleicht auch nicht ganz perfekt und auch Julian Pollersbeck wäre fast noch zur Stelle gewesen, auch wenn der Ball in der von ihm abgewandten Seite eingeschlagen war. Bis dahin hatten die Hausherren fast nach Belieben ihr Angriffsspiel aufziehen können und Tim Heubach hatte auch nach der Partie attestiert, man habe die ersten 20 Minuten eigentlich komplett verpennt. Dem mochte man sich zumindest insoweit anschließen, dass es kaum gelungen war dem Angriffsdruck der Braunschweiger etwas entgegenzusetzen. Etwas, das der eigenen Defensive eine Verschnaufpause und der eigenen Offensive Sicherheit beschert hätte.

Häufig imMittelpunkt, Julian Pollersbeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Häufig im Mittelpunkt, Julian Pollersbeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Aus dem Spiel heraus schon gar nicht. Das Aufbauspiel des FCK, ganz sicher kein einträglicher Augenschmaus für Fußball-Feinschmecker. Zuspiele, Kurzpässe, Ballannahme, Spielideen, alles eher halbherzig, wenig inspiriert und weit weg von einer sicheren Behandlung des Spielgerätes aus der mal ein Spielzug geworden wäre, den man hätte zu Ende spielen können. Und zwar ohne dass mal ein Braunschweiger Bein oder Fuß dazwischen gewesen wären. Kurz vor der Pause dann doch eine Gelegenheit. Eine aussichtsreiche Freistoßposition hätte sich in der Chancenstatistik niederschlagen können. Aber Zoltan Stieber scheiterte an der Mauer und Naser Aliji im Nachschuss gleich auch nochmal an derselben. So gewinnst Du keinen Blumentopf. Mit der knappen aber hochverdienten Führung ging es in die Kabine.

Ohne Fortune und vorne meist auf sich gestellt, Sebastian Jacob (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ohne Fortune und vorne meist auf sich gestellt, Sebastian Jacob (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der 1.FCK kam unverändert aufs Feld zurück und blieb sich seiner Linie treu, hinten weiter nichts anbrennen zu lassen. Immer in der Hoffnung gegen Ende doch noch den Lucky Punch setzen zu können. Doch dafür fehlte jedwede Inspiration. Das änderte sich auch nicht, als Trainer Tayfun Korkut 20 Minuten vor dem Ende mit Lukas Görtler für den völlig blassen Zoltan Stieber relativ spät erst noch einen frischen Stürmer brachte. Auch als sieben Minuten später dann auch noch der junge Robert Glatzel für den glücklosen Sebastian Jacob in die Schlacht geworfen wurde, änderte sich am Offensivspiel für den FCK nichts. Die Hausherren hätten zwar schon in der 52. Minute durch Onel Hernandez oder dann in der 71. Minute durch Torjäger Domi Kumbela alles klar machen können, doch die beiden aussichtsreichen Chancen gingen ans Außennetz und über den Kasten. Dazwischen bleiben allerdings auch die Hausherren in ihren Offensivbemühungen eher blass. Von einem Tabellenführer  hätte man da auch etwas mehr erwarten können. Aber seien wir froh, dass die nicht ihre ganze Klasse am gestrigen Abend ausgespielt haben. Auch möglich, dass die Truppe von Thorsten Lieberknecht die eigene Spielweise an die offensichtliche Harmlosigkeit der Gastmannschaft einfach angepasst hat. Insofern bot sich den Zuschauern in Halbzeit zwei eher eine mittelmäßige Partie in denen sich die Roten Teufel auch keine einzige Torchance erarbeiten konnten. Unterm Strich insofern ein hochverdienter Sieg für die Niedersachsen, die ihre Tabellenführung damit leicht ausbauen konnten, während der FCK nach dem  neunten Spieltag mit nun sechs mageren Punkten und lediglich vier erzielten Toren den Relegationsplatz im Tabellenkeller ziert.

Auch Lukas Görtler wolltenach der Einwechslung kein Treffer gelingen (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch Lukas Görtler wollte nach der Einwechslung kein Treffer gelingen (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es bleibt für Trainer Tayfun Korkut nun eine Woche Zeit eine verunsicherte Mannschaft auf das nächste Heimspiel vorzubereiten. Bei der gestrigen Partie fehlte es an zahlreichen Tugenden, die ein Team mitbringen muss, will man ein Spiel gewinnen. Einzig die Defensivleistung macht Hoffnung. Vor allem die Neuverpflichtung Ewerton, der gestern erstmals in der Startelf stand, wusste zu gefallen. Die insgesamt gestern sichtbarere und spürbarere Stabilität, den eigenen Kasten sauber halten zu wollen und auch sauber halten zu können, war definitiv da. Wenn auch nicht in allen Situationen sattelfest und souverän. Die Mängel in der Offensive waren gestern ganz sicher auch der Lazarett-Liste geschuldet. In der gesamten Vorwärtsbewegung, fehlende Inspiration,  kaum Zug zum Tor, kein spürbarer Wille zum Erfolg, mangelnde Durchschlagskraft. Da fehlte so einiges.

Trotz Frust-Ergebnis, der Zusammenhalt mit den Fans scheint noch zu funktionieren (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Trotz Frust-Ergebnis, der Zusammenhalt mit den Fans scheint noch zu funktionieren (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Akteure, die dafür gestern das Vertrauen erhielten und zuständig waren, im Kadergefüge eigentlich eher zweite Wahl. Eines der großen aktuellen Probleme. Die drei Stürmer, die am ehesten das Prädikat etatmäßig verdient haben, im Krankenstand oder auf dem Abstellgleis. Zumindest Jaques Zoua der derzeit noch an seinen Knieproblemen laboriert und Osayamen Osawe nach seinem illustren Ausflug ins Pariser Nachtleben werden wohl am kommenden Montag wieder für neue Planspiele zur Verfügung stehen. Auf Kacper Przybylko wird man noch ein Weilchen warten müssen. Aber egal wer am kommenden Montag gegen den VfL Bochum auflaufen wird, vorne wie hinten, jeder wird sich selber, seinen Nebenmännern, Hinter- oder Vorderleuten helfen müssen verlorenes oder nicht vorhandenes Selbstvertrauen hart zu erarbeiten. Auf zahlenmäßig überragende Unterstützung von den Rängen wird dabei allerdings nicht zu hoffen sein. Die wird sich erst dann wieder signifikant einstellen, wenn die Mannschaft erfolgreicher spielt oder sich zumindest in allen Mannschaftsteilen sichtbar für den Verein, für den man das Trikot übergestreift hat, ins Zeug legt.

mg


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