Hinten konzentriert sicher, vorne eiskalt effektiv

Partysünder Osayamen Osawe mit drei Treffern Garant für einen Sieg der Moral

Dreierfacher Torschütze, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

Dreierfacher Torschütze, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

Als Stürmer Osayamen Osawe gestern seinen dritten Treffer für den 1.FCK markiert hatte, lief er mit weit ausgebreiteten Armen Richtung Coaching-Zone. Mit verhaltener und abgeklärter Euphorie fiel er dort fast demütig in die ebenso weit ausgebreiteten Arme von Chefcoach Tayfun Korkut. Der hielt ihn einen Moment lang innig fest. Fast väterlich. Es war ein Moment, der die berechtigte Interpretation zuließ, Osayamen Osawe habe sich mit seinem dritten Treffer die Absolution abgeholt und sein Mentor habe sie ihm erteilt. Sorry nochmal, für meine fehlende Disziplin, auf der einen Seite. Sorry, dafür, dass ich Dir eine Lektion erteilen musste, auf der anderen Seite. Körpersprache kann so vieles erzählen, wenn man genau hinschaut. Dennoch hatte Tayfun Korkut schon bei der Pressekonferenz mit wenigen Worten weggewischt, was man vermeintlich am Spielfeldrand wahrzunehmen glaubte. „Wir sind mit der Leistung von ihm zufrieden“, attestierte Tayfun Korkut, der noch vor wenigen Tagen forderte, dass der Stürmer vor allem nach dem delikaten Privatausflug ins Pariser Nachtleben liefern müsse. Um im nächsten Atemzug, der zugestandenen Zufriedenheit anzufügen, „mehr aber auch nicht. Wir haben das nächste Spiel vor uns“! Osayamen Osawe war bei der gestrigen Partie sicher die herausragende Figur, aber nicht allein entscheidend für den Sieg. Der Star war gestern viel eher die Mannschaft!

Auch die Westtribüne beim gestrigen Zuschauer-Minusrekord mager besetzt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch die Westtribüne beim gestrigen Zuschauer-Minusrekord mager besetzt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es war ein grausiger Fußballabend gestern! Nein, nein, nicht vom Spiel oder gar vom Ergebnis her. Eher von den Rahmenbedingungen. Montagabend, nasskaltes Herbstwetter, nur offizielle 18.056 Besucher im Stadion. Wobei jeder gesehen haben dürfte, dass sich vermutlich kaum mehr als 15.000 Zuschauer tatsächlich auf den gähnend leeren Rängen verloren haben dürften. Sei’s drum. Es ging drum den Bock umzustoßen, egal vor wie vielen Fans! Beide Mannschaften gingen engagiert und couragiert in die Partie. Schon in der ersten Minute hätte Naser Aliji die Hausherren in Führung bringen können. Doch sein satter Schuss strich über den Kasten. Die Antwort der Gäste ließ kaum mehr als eine Minute auf sich warten. Aber der wuchtige Peniel Mlapa scheiterte an Julian Pollersbeck. Die Mannschaft von Gertjan Verbeek kam schneller ins Spiel und hatte bereits wenige Minuten später den Ball im Kasten der Lauterer untergebracht. Aber der Kopfballtreffer von Kapitän Felix Bastians wurde wegen Abseitsstellung nicht anerkannt. Der FCK tat fortan, was in etlichen der letzten Partien gefehlt hatte.

Unermüdlicher Kämpfer, Lukas Görtler (Foto: Thomas Füssler)

Unermüdlicher Kämpfer, Lukas Görtler (Foto: Thomas Füssler)

Die Mannschaft biss sich ins Spiel, stand hinten kompakt, arbeitete konzentriert und kämpfte energisch um jeden Ball. Dennoch hatten die Gäste aus dem Ruhrpott mehr vom Spiel, zeigten sicherere Kombinationen und erarbeiteten sich in der 22. Minute die nächste große Möglichkeit. Einen gefährlichen Querpass von Thomas Eisfeld konnte Felix Bastian nicht verwerten und setzte das Leder knapp neben den Pfosten. Ein Weckruf für die Roten Teufel. Nur eine Minute danach zog Lukas Görtler ab, fand aber in Keeper Manuel Riemann seinen Meister. Dann die 32. Minute. Pawel Dawidowicz agierte in der eigenen Hälfte etwas zu nachlässig, Osayamen Osawe holte sich gedankenschnell das Leder, zog aus halblinker Position kraftvoll aufs Bochumer Tor und drosch das Leder aus kurzer Distanz eiskalt links unten ins Netz. Eine Erleichterung für die Hausherren, ein Nackenschlag für die Gäste, die damit auch sichtbar aus dem Tritt kamen. Mit der knappen Führung für den FCK ging es in die Kabine.

Gestern Vorlagengeber zum 2:0, Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Gestern Vorlagengeber zum 2:0, Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Nach dem Wechsel merkte man den Gästen noch an, dass der Treffer wurmte und verunsicherte. Der VfL tat sich schwer ins Spiel zu kommen, gewann aber zusehends mehr Sicherheit. Unermüdlich am gestrigen Abend, Lukas Görtler als zweite Spitze und auch wertvoll in der Balleroberung. Symbolisch die Szene in der 57. Minute. Wenn Du am Boden liegst, musst Du eben wieder aufstehen! Das tat auch der Akteur mit der Nummer 9! Auf der linken Außenbahn rappelte er sich am Boden liegend auf, holte sich und behauptete den Ball, spielte seinen Gegenspieler aus, bediente mit feinem Auge Marcel Gaus, dessen butterweiche Flanke den Kopf von Osayamen Osawe fand. Der kam knapp vor dem Bochumer Keeper an den Ball und musste nur noch einnicken. Der FCK führte 2:0! Es war noch eine halbe Stunde zu spielen, doch der FCK agierte weiter mit einer geschlossenen und konzentrierten Mannschaftsleistung, um vor allem hinten nichts mehr zuzulassen. Die Entscheidung dann eine Viertelstunde vor dem Ende nach einem langen Befreiungsschlag von Naser Aliji aus der eigenen Hälfte. Osayamen Osawe erlief sich das Leder, zog erneut kraftvoll Richtung gegnerisches Tor, schüttelte dabei gleich zwei Gegenspieler ab und schoss die Kugel erneut eiskalt zur 3:0 Führung ein (75.). In der Schlussviertelstunde haben sich die Roten Teufel vor allem auf die Defensivarbeit konzentriert und ließen nichts mehr anbrennen. Der an diesem Abend tadellose Schiedsrichter Dr. Felix Brych pfiff die Partie pünktlich ab.

Gegen Bochum vorbildlicher und kämpferischer Kapitän, Christoph Moritz (Foto: Thomas Füssler)

Gegen Bochum vorbildlicher und kämpferischer Kapitän,
Christoph Moritz (Foto: Thomas Füssler)

Abgesehen davon, dass vor allem Osayamen Osawe mit seinen drei Treffern die Statistik des Spiels namentlich dominiert, wäre es schwierig noch einen Spieler in irgendeiner Weise herauszuheben. Wenn überhaupt, dann ist die Mannschaft als Ganzes herauszuheben. So wie es auch Trainer Tayfun Korkut bei der Pressekonferenz betonte. „Bevor ich überhaupt was sage, Kompliment an die Mannschaft“, attestierte der Chefcoach, dass es die geschlossene Teamleistung war, sich in einer schwierigen Situation in ein schwieriges Spiel hartnäckig hineinzubeißen. Das zu bestätigen, dazu wird gehören weiter hart zu arbeiten und sich sowohl defensiv als auch offensiv weiter selbst zu belohnen. In so mancher Partie davor war der fehlende Lohn für geleistete Arbeit, die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag eines der wesentlichen Merkmale einer Spielanalyse. Wichtig nach dem gestrigen Sieg wird sein, nicht bei der nächsten Auswärtspartie gleich wieder Lehrgeld zu zahlen, sondern auch mal nachzulegen. Nur so räumt man Zweifel an den eigenen Fähigkeiten aus, stärkt man das eigene Selbstvertrauen, sorgt für wachsende Sicherheit, Kontinuität im Erfolg und holt die Leute wieder ins Stadion.

Unbeschwerter Torjubel, ein Gefühl das Auftrieb geben sollte (Foto: Thomas Füssler)

Unbeschwerter Torjubel, ein Gefühl das Auftrieb geben sollte (Foto: Thomas Füssler)

Das Zeug dazu hat der Kader. Das hatte auch FCK-Legende Harry Koch attestiert, der gestern Gast am Betzenberg war. Die Mannschaft habe das Potential im oberen Tabellendrittel mitzuspielen, betonte er im Interview mit dem Bezahlsender aus München. Zu dieser Einschätzung trägt auch Robin Koch bei, der Sprössling von Harry Koch. Zusammen mit Neuverpflichtung Ewerton bot der junge Defensivmann in den Fußstapfen seines Vaters gestern eine abgeklärte und sattelfeste Leistung. Diese gestern stabile Lösung macht Lust auf mehr. Für die Zukunft die vielleicht gesetzte Lösung? Zumindest wird es für Tim Heubach und Stipe Vucur nicht einfach sich für die Startelf aufzudrängen. Trainer Tayfun Korkut werden sich in den kommenden Wochen in anderen Mannschaftsteilen noch weitere Potentiale anbieten, wenn sich die lange Lazarettliste lichtet. Hoffen wir, dass vor allem die medizinische Abteilung des 1.FCK schon mal vorzeitig in die Winterpause gehen kann! Zumindest, dass keine neuen Patienten dazukommen.

Auch unabhängig von den drei Toren gestern immer Aktivposten, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

Auch unabhängig von den drei Toren gestern immer Aktivposten, Osayamen Osawe (Foto: Thomas Füssler)

In den Wochen bis zur Winterpause wird auch dem Umfeld eine Schlüsselrolle zuteilwerden. Der beschworene aber eben nicht unwichtige Zusammenhalt vor allem zwischen Mannschaft und Fans könnte noch wichtig werden. Doch wie kurzlebig sich Volkes Stimmungsbild geben kann, zeigte einmal mehr der gestrige Abend. Beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung waren bei der Nennung von Osayamen Osawe unüberhörbar Pfiffe zu hören. Vor der Partie! Von denen, die da am Anfang mit gepfiffen haben, dürften etliche dabei gewesen sein, die spätestens nach dem dritten Treffer den jungen kantigen Stürmer stürmisch bejubelt haben. In dem von der Westtribüne schallenden Jubelgesang „Paris, Paris, wir fahren nach Paris“ steckte sicher eine gehörige Portion Ironie, die auf den delikaten Wochenendausflug des dreifachen Torschützen anspielte.

Papa und Sohenmann. FCK-Legende Harry Koch und robin Koch im Interview (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Papa und Sohnemann. FCK-Legende Harry Koch und Robin Koch im Interview (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es zeigt eben, wie wechselhaft das harte Geschäft auch auf der Tribüne gelebt wird. Also machen wir uns bei aller Euphorie zum Spiel und zum Ergebnis von gestern nichts vor. Die Mannschaft wird im Verlauf der Saison auch wieder Rückschläge hinnehmen und verkraften müssen. Möglich, dass sie dabei auch mal richtig auf die Fresse kriegt, egal ob auswärts oder vor heimischem Publikum. Dass mehr in der Tüte drin steckt, als bisher zu sehen war, drängt sich spätestens seit gestern auf. Der Mannschaft sollte aber auch klar sein, dass „Streicheleinheiten“ von außen nur nachhaltig Bestand haben, wenn sich beispielsweise das „Dresden-Szenario“ nicht gleich nochmal wiederholt. Notfalls müsste halt der eine oder andere nochmal einen nächtlichen Ausflug nach Paris oder irgendeine andere Metropole unternehmen. Nur bitte nicht wieder mit gelbem Zettel und dann bitte pünktlich zum Training zurück sein!

mg


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