Glücklicher, dreckiger Dreier in Dresden

Der 1.FCK dreht Spiel in Dresden im Schlussspurt – erster Auswärtssieg

Markierte in der 88. Minute mit einem beherzten Schuss den Siegtreffer, Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Markierte in der 88. Minute mit einem beherzten Schuss den Siegtreffer, Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Schon zum Halbzeitpfiff mochte kaum ein FCK-Fan noch einen Pfifferling auf die Mannschaft von Jeff Strasser geben. Zu harmlos, zu unsicher, zu pomadig, zu fehlerbehaftet agierten die Roten Teufel bei ihrer Auswärtspartie in Dresden am gestrigen Montag. Durch taktische Umstellungen und eine deutlich bessere Leistung sahen im zweiten Durchgang die Darbietungen der Männer im roten Trikot auf dem Rasen zwar schon deutlich eher nach Fußball aus. Dennoch fiel es von außen betrachtet schwer daran zu glauben, dass die bis kurz vor Schluss offensiv so harmlose Truppe hier auch nur einen Treffer markieren würde. Dann sollten es gleich zwei werden! Binnen drei Minuten drehte der FCK eine Partie, in der man lange wie der sichere Verlierer aussah. Stipe Vucur mit einem Kopfball nach einer Freistoßflanke von Daniel Halfar (85.) und der eingewechselte Lukas Spalvis nach einem beherzten Solo (88.), sorgten kurz vor Ende für den ersten Auswärtssieg der laufenden Saison.

Wieder zurück im Team, Kapitän Daniel Halfar (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wieder zurück im Team, Kapitän Daniel Halfar (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Brandon Borello hatte bei der Pressekonferenz am vergangenen Freitag im Grunde eine einfache Parole ausgegeben. Man müsse dort hinfahren und das Spiel gewinnen, das sei alles! Eine von gefühlt tausend Platituden, die sich der Fußball über Jahrzehnte auf die Fahnen geschrieben hat. Eine der Binsenweisheiten, denen immer ein Gehalt an Wahrheit innewohnt. Einzig sie umzusetzen, ist nicht immer einfach und angesichts der aktuellen Tabellensituation des 1.FCK und der bisher im Saisonverlauf gezeigten Leistungen, mochte man den Worten des Australiers wenig Glauben schenken. Noch weniger, nachdem Schiedsrichter Tobias Reichel gestern Abend pünktlich zum Pausentee gebeten hatte. Da führten die Hausherren mit 1:0 durch einen Treffer von Lucas Röser, der nach Flanke von Haris Duljevic und nach Querpass von Florian Ballas den Ball fast unbedrängt über die Linie drücken durfte (15.). Schon nach einer Viertelstunde der gesamte Matchplan über den Haufen geworfen.

Blieben gestern beide unter ihren Möglichkeiten, Christoph Moritz und Nils Seuffert (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Blieben gestern beide unter ihren Möglichkeiten, Christoph Moritz und Nils Seuffert (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wobei die Lauterer Defensive einmal mehr durch Unkonzentriertheit und Schlafmützigkeit glänzte. Die Torentstehung war immerhin bereits der zweite Ball. In der Szene davor schafft es das Kollektiv nicht, nach einer Ecke der Dresdner den Ball wegzukriegen und vor allem nicht, den Offensivmodus des Gegners zu unterbinden. Ganz zu schweigen von der Zuordnung nach der weiten Flanke auf den rechten Flügel. Dem Torschützen standen gleich drei Lauterer Akteure Spalier. So verteidigst Du den eigenen Kasten nicht und so sieht es auch nicht nach der nötigen Einstellung aus, sich mit aller Macht gegen drohendes Unheil zu stemmen. Dabei war es erklärtes Ziel vor allem in der Defensive kompakt zu stehen und aus einer flexiblen Fünferkette heraus etwas für Umschaltspiel und Offensivbemühung zu tun. Schon zu diesem Zeitpunkt fiel es schwer daran zu glauben, dass hier eine echte Reaktion zu erwarten wäre.

Dresdner Torjubel nach der frühen Führung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dresdner Torjubel nach der frühen Führung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Zumal die beflügelten Dresdner nun mehr Druck machten und schon in der 18. Minute nach einem unnötigen Lauterer Ballverlust und einem schnellen Konter hätten nachlegen können. Aber Patrick Möschl scheiterte am glänzend aufgelegten Marius Müller. Nur drei Minuten später wieder Gefahr für den Lauterer Kasten, aber der Schuss von Haris Duljevic ging ans Außennetz (21.) und in der 33. Minute war erneut Marius Müller hellwach, der einen weiteren Schuss von Patrick Möschl entschärfen konnte. Offensiv fand der FCK bis dahin so gut wie überhaupt nicht statt. Die einzige nennenswerte Chance hatte Brandon Borello. In der 44. Minute brachte Torben Müsel mit einem feinen Zuspiel den Australier in Position. Doch anstatt beherzt das Leder aus gut zehn Metern in die Maschen zu fetzen, wurde aus einem satten Schuss ein harmloses Schüsschen. Ein Stück weit auch Spiegelbild der mentalen Situation einzelner Akteure. So ging es mit der knappen aber bis dahin hochverdienten Führung der Dresdner in die Kabine.

Nur rund 600 FCK-Fans waren gestern mit nach Dresden gereist und gaben alles (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nur rund 600 FCK-Fans waren gestern mit nach Dresden gereist und gaben alles (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Im zweiten Durchgang stellte Jeff Strasser um, brachte für den mit Gelb vorbelasteten aber gestern auch völlig deplatzierten Benjamin Kessel den quirligen Manni Osei Kwadwo und stellte auf Viererkette um. Der FCK hatte nun deutlich mehr Spielanteile und wirkte im Aufbauspiel auch sichtbar bemühter und sicherer. Echte Torchancen mochten dennoch nicht dabei herausspringen. Die Rollen waren im Vergleich zum ersten Durchgang nun zwar verteilt. Der FCK hatte mehr Ballbesitz, gefiel durch flüssigeres Spiel. Die Hausherren waren fortan mehr mit der Defensive beschäftigt, der FCK suchte nach der Spielidee, um vorne gefährlicher zu werden. Die Partie dümpelte lange vor sich hin. Jeff Strasser brachte in der 67. Minute mit Lukas Spalvis für Nils Seuffert eine weitere Offensivkraft. Mit Beginn der letzten zwanzig Minuten nahm das Spiel dann auch wieder Fahrt auf und beide Mannschaften zeigten sich gewillt nun wieder mehr zu tun. Auf Dresdner Seite setzte zunächst Rico Benatelli einen Flachschuss von der Strafraumkante knapp neben den Pfosten (68.). Der eingewechselte Marco Hartmann scheiterte mit zwei Kopfballmöglichkeiten (74., 79.). Aus Lauterer Sicht dann endlich auch mal Duftmarken vor dem Tor der Hausherren, aber Brandon Borello (72.) und Daniel Halfar (73.) scheiterten. Vor allem Sebastian Andersson, der in der 74. Minute frei vor dem Tor auftauchte und das Ding hätte machen können, scheiterte aber aus halbrechter Position an Keeper Marvin Schwäbe. Ein Querpass zum mitgelaufenen Lukas Spalvis wäre vielleicht die bessere Option gewesen.

Torjubel nach dem Ausgleichstreffer von Stipe Vucur in der 85. Minute (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Torjubel nach dem Ausgleichstreffer von Stipe Vucur in der 85. Minute (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dennoch merkte man der Truppe von Jeff Strasser nun an, dass zumindest der Glaube an und der Wille zum eigenen Erfolg zurück schienen und wenn mit spielerischen Lösungen nichts geht, dann gibt es ja immer noch Standards. In der 85. Minute legte sich Daniel Halfar aus halbrechter Position den Ball zum Freistoß zurecht. Der Kapitän brachte das Leder mit einer feinen Flanke bis zum Fünfmeterraum, wo der lange Stipe Vucur zum richtigen Zeitpunkt absprang, knapp vor dem Dresdner Keeper mit dem Kopf am Ball war und das Leder im Kasten versenkte. Die rund 600 mitgereisten Fans des FCK lagen sich in den Armen und feuerten ihr Team nun energisch an, was in der Spielzeit davor ob des stimmlichen Kräfteverhältnisses auf den Tribünen schwierig war. Nur drei Minuten später dann die Schlüsselsituation. Lukas Spalvis eroberte sich nahe der Mittellinie in der Dresdner Hälfte das Leder, legte ein beherztes Solo auf den Rasen und zog nicht minder beherzt vom linken Strafraumeck aus ab. Glück, dass die Kugel noch von einem Dresdner Abwehrbein abgefälscht wurde und so unhaltbar für Marvin Schwäbe im langen Eck landete (88.). Tor! Der 1.FCK hatte das Spiel gedreht!

Endlich auch mal Grund zur Freude, Jeff Strasser und Alexander Bugera (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Endlich auch mal Grund zur Freude, Jeff Strasser und Alexander Bugera (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Freude auf den Rängen im Lauterer Lager war unbeschreiblich. Trotz einem über weite Strecken unansehnlichen Kick hatten die Roten Teufel endlich einmal sich und die vielen treuen Fans, die an diesem tristen Montagabend ihrem Verein hunderte Kilometer nach Sachsen gefolgt waren, belohnt! Doch noch war die Partie nicht aus und gefordert waren nun die angeschlagenen Hausherren. Die kamen in der Nachspielzeit auch noch einmal zu einer richtig guten Möglichkeit, als Niklas Kreuzer nach einer Flanke frei zum Kopfball kam, doch Marius Müller parierte mit einem tollen Reflex (90.+2). So blieb es am Ende bei dem für den FCK schon sehr schmeichelhaften 2:1. Doch den Verantwortlichen, den Spielern und den Fans wird das ziemlich schnuppe sein. Die drei Punkte sind ein eminent wichtiges Zeichen, denn damit bleibt im Tabellenbild zumindest mal der Anschluss gewahrt.

Lauterer Torjubel nach dem späten Führungstreffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lauterer Torjubel nach dem späten Führungstreffer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Vor Weihnachten gilt demnach nur noch eines. So viele Punkte wie möglich machen! Egal wie und wenn am Ende bei jeder der vier noch verbleibenden Partien die Erkenntnis zurückbleiben würde, dass der FCK die vielleicht schlechtere Mannschaft war, mit Glück gewonnen oder sich einen dreckigen Sieg auf die Fahne gerotzt habe, sei’s drum! Die Fans und die Verantwortlichen werden derzeit alles nehmen, Hauptsache es riecht und schmeckt nach Punkten! Wem der gestrige Erfolg am allermeisten zu gönnen ist, sind Jeff Strasser, Alexander Bugera und Gerry Ehrmann, die in den zurückliegenden Trainingswochen viel investiert, die Mannschaft hart rangenommen und intensiv gefordert haben. „In dem Moment, in dem ich nicht mehr an den Sieg meiner Mannschaft glaube, müsste ich meinen Job aufgeben „, antwortete Jeff Strasser bei der Pressekonferenz einem Journalisten auf die Frage, ob er vor der 85. Minute überhaupt noch einen Funken Hoffnung gehabt habe.

Freude und Erleichterung nach dem Abpfiff war allen anzusehen (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Freude und Erleichterung bei Spielern und Trainern nach dem Abpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es scheint im Moment so zu sein, dass der Chefcoach und seine Assistenten es schaffen, der Mannschaft diesen Glauben zurückzugeben. Daher an der Stelle auch ein Dank ans Trainerteam für die intensive Arbeit und Glückwunsch zum Erfolg. Was der erste Auswärtsdreier allerdings wirklich wert ist, das wird sich nach dem nächsten Heimspiel zeigen. Mit Arminia Bielefeld kommt ein Gegner, der im gesicherten Mittelfeld rangiert und gegen den die Roten Teufel in Liga zwei vor heimischem Publikum zuletzt in der Aufstiegssaison 2009/2010 dreifach punkten konnten. Kein angenehmer Gegner also. Aber das war Dynamo Dresden gestern Abend auch nicht!

mg


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