Erneut kurz vor dem Ende Heimsieg verspielt

Rote Teufel verspielen in der letzten Minute zwei sicher geglaubte Punkte

Nur 21.646 Zuschauer verfolgten die gestrige Partie (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nur 21.646 Zuschauer verfolgten die gestrige Partie (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der 1.FC Kaiserlautern kassierte im gestrigen Heimspiel gegen den 1.FC Heidenheim in der letzten Minute den Ausgleich und muss sich wie gegen Union Berlin trotz einer überzeugenden Partie mit einem Unentschieden vor heimischer Kulisse zufrieden geben. Schon kurz vor dem Pausenpfiff gingen die Heidenheimer in Führung, ehe dann in der zweiten Halbzeit Markus Karl (55.) und Stipe Vucur (74.) das Spiel zwar zwischenzeitlich drehen, aber das Team das Ergebnis nicht über die Zeit retten konnte. Dennoch lieferten die Roten Teufel eine engagierte und ansehnliche Partie ab und es herrscht Einigkeit, dass für die Jungs von Konrad Fünfstück gestern ein Sieg hochverdient gewesen wäre. Obwohl nur lediglich 21.646 Zuschauer an diesem verregneten, tristen und nasskalten Nachmittag den Weg ins Fritz-Walter-Stadion gefunden hatten, war Feuer drin! Auf dem Rasen wie auf den Rängen. Besonders nach dem Ausgleich herrschte hitzige Atmosphäre auf den Rängen. Nicht zuletzt, weil auch Schiedsrichter Sven Jablonski mit zahlreichen Entscheidungen den hörbaren Unmut der heimischen Kulisse auf sich zog und über die gesamten 90 Minuten insgesamt 6 gelbe Karten und kurz vor Ende auch einmal gelb-rot (Daniel Halfar, 90.+2) zog.

Zwei Torvorlagen am gestrigen Nachmittag, Jean Zimmer (©thof)

Zwei Torvorlagen am gestrigen Nachmittag, Jean Zimmer (©thof)

Nach dem deutlichen Auswärtserfolg in Paderborn wollten die Jungs von Konrad Fünfstück endlich auch ihre Heimbilanz mit bislang nur 3 Saisonsiegen aufpolieren. Der FCK ging mit der gleichen Anfangsformation wie in Ostwestfalen aufs Feld. Auf einem schweren Untergrund taten sich beide Teams zunächst schwer in die Partie zu kommen. Es dauerte bis zur 10. Minute, ehe der FCK zu einer ersten Möglichkeit kam. Nach Flanke von Chris Löwe in die Strafraummitte zog Jon Dadi Bödvarsson aus aussichtsreicher Position ab. Den satten Schuss parierte Keeper Jan Zimmermann, den Abpraller konnte Stipe Vucur aus kürzester Distanz jedoch nicht verwerten und semmelte das Leder knapp neben den Kasten. Heidenheim agierte anfänglich mit zwei gut funktionierenden Viererketten und ließ wenig Raum für die Roten Teufel. Dennoch behielt der FCK mehrheitlich die Initiative, ohne allerdings durchschlagend für Torgefahr zu sorgen. Der Spielfluss wurde immer wieder auch durch kleine Fouls oder durch ungenaues Pass-Spiel auf beiden Seiten unterbrochen. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit reichte eine Unaufmerksamkeit in der Zuordnung in der Defensive und die Heidenheimer gingen in Führung. Die Heidenheimer kombinierten über die rechte Außenbahn wo Kapitän Mark Schnatterer ungehindert zur Flanke kam. Der Ball kam in den Rücken der Abwehr wo Verteidiger Arne Feick völlig unbedrängt von der Strafraumkante zum Schuss kam und das Leder kompromisslos in die Maschen drosch. Ein herber Dämpfer, da der Treffer quasi mit dem Pausenpfiff erfolgte. So ging es mit der knappen Führung der Heidenheimer in die Kabine.

Aussichtsreich und doch daneben, Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Aussichtsreich und doch daneben, Stipe Vucur (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Konrad Fünfstück nahm in der Pause einen Wechsel vor und brachte den wiedergenesenen Kacper Przybylko für den an diesem Tag enttäuschenden Mateusz Klich, dessen Zusammenspiel mit dem eifrigen und lauffreudigen Jon Dadi Bödvarsson im ersten Durchgang kaum Wirkung entfaltete. Doch die ersten Minuten des zweiten Durchgangs gehörten den Heidenheimern, die mit einer Doppelchance durchaus hätten den zweiten Treffer markieren können. Aber Mark Schnatterer und Denis Thomalla scheiterten jeweils am glänzend aufgelegten Marius Müller (52.). Schon in der 54. Minute nahm Konrad Fünfstück bereits den zweiten Wechsel vor und brachte für den gestern zu verhalten spielenden Marcel Gaus auf der rechten Außenbahn Michael Schulze. Einmal mehr zeigten die Roten Teufel dann, dass in dieser Saison die Gefährlichkeit nach Standards zur echten Bank zu werden scheint. Jean Zimmer brachte eine Freistoßflanke in den Strafraum. Per Kopf legte Michael Schulze auf Markus Karl ab, der auf halbrechter Position den Ball aus spitzem Winkel in den Kasten drosch. Jetzt war auch die Kulisse da! Nun war Feuer in der Partie.

Gestern ohne Torerfolg, Ruben Jenssen (©thof)

Gestern ohne Torerfolg, Ruben Jenssen (©thof)

Der FCK erspielte sich mehrere Möglichkeiten und brachte die Defensive der Heidenheimer ein ums andere Mal in Verlegenheit. So hätten schon kurz nach dem Ausgleich Jon Dadi Bödvarsson (57. + 66.), Daniel Halfar (60.), Ruben Jenssen (66.) und Kacper Przybylko (67.) das Ergebnis per Kopf oder Fuß hochschrauben können. Heidenheim sah sich regelrecht in die eigene Hälfte gedrängt und kam nur zu gelegentlichen Konteransätzen ohne sich jedoch wirklich gefährlich zu entfalten. Es war dann erneut ein Standard, der die Wende brachte. Wieder servierte Jean Zimmer aus halbrechter Position eine feine Freistoßflanke in den Strafraum wo Stipe Vucur goldrichtig stand. Sein wuchtiger Kopfball schlug zur 2:1 Führung im Kasten der Heidenheimer ein. Schon kurz darauf hätte eine ähnliche Situation für die endgültige Entscheidung sorgen können. Noch einmal Jean Zimmer mit einer Ecke von rechts, Kacper Przybylko stieg hoch, doch sein Kopfstoß klatschte an die Unterkante der Latte, fand aber von da nicht den Weg über die Linie (79.).

Jubel nach der 2:1 Führung, Kacper Przybyylko und Torschütze Stipe Vucuer (©thof)

Jubel nach der 2:1 Führung, Kacper Przybyylko und Torschütze Stipe Vucuer (©thof)

Der FCK blieb zwar seinem druckvollen Spiel auch in den letzten zehn Minuten treu, konnte aber die endgültige Entscheidung nicht mehr markieren. In den letzten beiden Minuten wurden die Heidenheimer dann noch einmal mutiger und zwangen mit offensiverer Ausrichtung die Jungs von Konrad Fünfstück in den Defensivmodus. Bereits im Mittelfeld ließen sich die Lauterer Akteure den Schneid abkaufen. Arne Feick ließ auf der linken Seite Jean Zimmer stehen und kam ungehindert zur Flanke. Im Zentrum waren gleich vier Akteure auf Lauterer Seite nicht nahe genug am Gegenspieler und so konnte Robert Leipertz die Hereingabe aus neun Metern fast unbedrängt abnehmen und den Ball in die Maschen jagen. Ausgleich in der Schlussminute. Damit noch nicht genug. Die nun deutlich indisponierteren Lauterer kamen sogar in der Nachspielzeit erneut in Bedrängnis. Marius Müller bot sein ganzes Können auf und parierte einen Schuss von Sebastian Griesbeck, der aus kurzer Distanz zum Abschluss kam (90.+1). Das wäre des Guten zu viel gewesen! Kurz vor Ende der Nachspielzeit holte sich Daniel Halfar dann auch noch eine gelb-rote Karte ab, als er in der eigenen Hälfte beim Kampf um den Ball etwas zu ungestüm zu Werke ging (90.+2).

Kurz vor dem Ende noch gelb-rot für den Kapitän Daniel Halfar (©thof)

Kurz vor dem Ende noch gelb-rot für den Kapitän Daniel Halfar (©thof)

Er wird am kommenden Samstag beim schweren Auswärtsspiel ebenso fehlen wie Ruben Jenssen und Stipe Vucur, die aufgrund ihrer 5. gelben Karte pausieren müssen. Nach dem Abgang von Daniel Halfar war dann Schluss. Wieder haben es die Roten Teufel nicht geschafft einen Ausgleich kurz vor Ende zu verhindern oder in den Minuten vor dem Abpfiff eine Vorentscheidung durch einen dritten Treffer zu markieren. Die Fankulisse war erneut konsterniert. Gellende Pfiffe gab es allerdings nur für die Unparteiischen. Für die eigene Mannschaft trotz des enttäuschenden Remis zumindest verhalten aufmunternder Beifall. In der bevorstehenden Trainingswoche wird es auch darum gehen den erneuten Nackenschlag vor heimischem Publikum aus den Köpfen zu kriegen und den Fokus auf die Herkulesaufgabe im Breisgau zu legen. Bange braucht den Roten Teufeln trotz der Sperre dreier Stammspieler nicht zu sein. Immerhin gab es in der laufenden Saison auswärts schon so manchen Favoritensturz.

Gestern erneut tolle Leistung, Neuling Jon Dadi Bödvarsson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gestern erneut tolle Leistung, Neuling Jon Dadi Bödvarsson (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Was derzeit viel mehr Sorgen bereitet, ist der zunehmende Zuschauerschwund. Jeder, der in den letzten Jahren regelmäßig Heimspiele und Auswärtsspiele live im Stadion verfolgt hat, sieht natürlich, dass die fußballerische Qualität abgenommen hat und abnimmt. Der Zuschauerschwund ist insofern eine logische Konsequenz der sportlichen Entwicklung und dem auf Seiten der Fans empfundenen tristen Dasein in der zweiten Liga. Die „Ware Fußball“ am Betzenberg ist oder scheint einfach nicht mehr attraktiv. Aber ist es wirklich nur der visuelle Konsum von neunzig Minuten Fußball, die einen Stadionbesuch ausmachen? Gerade in Kaiserslautern wurde über Jahrzehnte der Zusammenhalt einer Fan-Community zum Markenzeichen. Auch in Zeiten eher dürftiger sportlicher Darbietungen und auch in Zeiten als man im Oberhaus in Tabellenregionen zwischen Baum und Borke rumdümpelte. Mit Fan-Community in Kaiserslautern war immer auch der durchschnittliche Stadionbesucher gemeint, der jenseits der gefürchteten West-Kurve oder jetzigen West-Tribüne einen angestammten Platz fand. Dort, wo heute gähnende Leere herrscht oder sichtbare ernüchternde Lücken klaffen.

Wünschenswert wäre ein höherer Zuschauerzuspruch (©thof)

Wünschenswert wäre ein höherer Zuschauerzuspruch (©thof)

Stadionbesuch auf dem Betzenberg war allerdings auch immer schon weit mehr war als nur neunzig Minuten Fußball. Das war Austausch vor und nach einer Partie, das war Kommunikation in Reinform, das war gegenseitig Mut machen, gemeinsam einstimmen und nach ergatterten Punkten euphorische verbale Vorab-Prognosen oder nach einer klatschenden Niederlage das gegenseitige Auffangen und miteinander streiten. Alles eben was in den Zeiten, als es noch kein Internet und kein Bezahl-Fernsehen gab eben nur dort, im und um das Stadion, am Sonntag am Stammtisch oder ab Wochenbeginn am Arbeitsplatz möglich war. Nicht nur in der Stadt sondern in einer ganzen Region! Das alles geht grade den Bach runter. Zu viele bleiben daheim, viel zu viele! Nicht nur weil der Verein „nur“ in Liga zwei kickt und weil man vielleicht fußballerische Magerkost serviert bekommt. Viele verzichten auch auf Stadionbesuche, weil es heute den Komfort gibt, sich die bewegten Bilder im Wohnzimmer von der warmen Couch aus anzuschauen, über Streaming-Kanäle von jedem dämlichen Mobilgerät an jedem beschissenen Ort der Welt das Geschehen auf dem grünen Rasen mit zu verfolgen und so vermeintlich Teil des Geschehens im Stadion wird. Aber eben nur vermeintlich! Diese Stimmen fehlen, auf den Rängen zwischen An- und Abpfiff, in den großzügigen Stadion-Umläufen vor und nach einer Partie oder in den vielen Kneipen und Plätzen in der Stadt.

Auch auf der Westtribünbe werden die Lücken immer größer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch auf der Westtribünbe werden die Lücken immer größer (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wem etwas an diesem Verein liegt und wer seine Stimme im Sinne einer Unterstützung für die Mannschaft einbringen will, der sollte aufhören schon wenige Minuten nach Abpfiff eines Spiels aus der sicheren und warmen Position der heimischen vier Wände irgendwo im World-Wide-Web mit ersten Spiel-Analysen oder gar unflätigen Kommentaren aufzuwarten, sondern am Match-Day den Computer oder den gebührenpflichtigen Receiver erst gar nicht in Betrieb nehmen und ins Stadion zu kommen! Die gestrige Partie hat gezeigt, dass ein Lauterer Publikum in der Lage ist jederzeit ein Spektakel zu veranstalten. Auch wenn sich da nur 21.646 Fans auf den Tribünen verlieren. Wenn gestern anstatt der Magerkulisse mal rund 35.000 Zuschauer dagewesen wären, die mit der gleichen galligen Giftigkeit akustisch auf den Gast aus Heidenheim eingeprügelt und in den letzten 10 Minuten ein Stück weit legendäre Betze-Atmosphäre mit Spektakel-Charakter geschaffen hätten, die Truppe aus Heidenheim hätte keinen Fuß mehr auf den Boden gekriegt, geschweige denn noch einen Treffer erzielt. Wetten…?

mg


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