Ein Punkt im Derby schafft mehr Ruhe am Berg

Emotional, umkämpft, aber keine Tore – beeindruckende Choreographie der Westtribüne

Beeindruckende Choreographie der Westtribüne kurz vor Anpfiff zum Derby (Foto: Thomas Füssler)

Beeindruckende Choreographie der Westtribüne kurz vor Anpfiff zum Derby (Foto: Thomas Füssler)

In der Defensive sehr sattelfest, nur vor dem gegnerischen Tor zu wenig Entschlossenheit und Konsequenz. So kam der 1.FCK gestern von 30.839 Zuschauern zu keinem eigenen Treffer, ließ aber auch vor dem eigenen Tor gegen einen spielstarken Gegner aus Karlsruhe nichts zu. Torlos 0:0 hieß es am Ende. Ein Punkt gewonnen, zwei verloren? In diesen turbulenten Tagen muss man aus Sicht der Roten Teufel mit dem einen Punkt wohl zufrieden sein. Das räumten auch einige der Akteure in Rot nach dem Abpfiff ein. Ein kleiner Schritt mehr in Richtung ruhigeres Fahrwasser, ein Punkt mehr weg von der Abstiegszone, die noch vor Wochen wie ein Damoklesschwert über dem Betzenberg hing. So hielt sich die Freude gestern nach 90 Minuten auf Seiten der Roten Teufel in Grenzen. Partystimmung kam nur im Gästebereich unter den rund 3.000 mitgereisten KSC-Fans auf. Dennoch war es ein emotionales, umkämpftes und phasenweise kratzbürstiges Derby. So wie man ein Spiel gegen den Südwestrivalen aus Nordbaden vor heimischer Kulisse erwartet. Nur leider ohne Tore.

Hitzige Szenen neben dem Tor (Foto: Thomas Füssler)

Hitzige Szenen neben dem Tor (Foto: Thomas Füssler)

Schon in den ersten Minuten der Partie ein offener Schlagabtausch. Akustisch. Auf den Tribünen. Hüben wie drüben. Ost wie West. Der Fanblock der Gäste, in dieser Saison allzu oft quasi verwaist, war gestern mal wieder gut gefüllt und in Blau und Weiß gekleidet. Beide Fanlager setzten schon vor dem Anpfiff lautstarke Akzente und bemühten sich zum Auftakt der Partie dem jeweiligen Gegner den Rang abzulaufen. Die Fans auf der Westtribüne hatten schon vor dem Einlaufen beider Mannschaften für den ersten Höhepunkt am gestrigen Nachmittag gesorgt. Mit einer beeindruckenden Choreographie unter dem Motto „Heute reißen wir was. Auf zum Derbysieg!“ wurde den Zuschauern die Vision präsentiert, wie verängstigte Grunz-Vierbeiner aus Nordbaden einem hungrigen Löwen unter dem rheinland-pfälzischen Wappen zum Opfer fallen.

Auch gestern wieder auffälliger Aktivposten, Jon Dadi Bödvarsson (Foto: Thomas Füssler)

Auch gestern wieder auffälliger Aktivposten, Jon Dadi Bödvarsson (Foto: Thomas Füssler)

Auf dem Rasen ackerten derweil zwar auch die Akteure beider Lager vom Anpfiff weg, aber bis zum ersten wirklichen Aufreger dauerte es immerhin fast eine Viertelstunde. Einen Seitfallzieher von Jon Dadi Bödvarsson parierte KSC-Keeper René Vollath zur Ecke. Die anschließende Hereingabe versuchte Lukas Görtler mit einem mutigen Fallrückzieher zu verwerten. Doch auch diesen Ball entschärfte der Mann zwischen den Pfosten sicher. In der 18. Minute dann zunächst Torjubel auf der Osttribüne. Einen Freistoß von Enrico Valentini netzte Grischa Prömel zwar ein, doch aus Abseitsposition. Kein Treffer! Bis zum Pausenpfiff spielte sich die Begegnung dann weitgehend im Mittelfeld ab. Rassige und hitzige Zweikämpfe ohne dass vor den Toren großartig Gefahr entstanden wäre. Da war noch der größte Aufreger eine Szene neben dem Karlsruher Tor, nachdem Daniel Halfar seinen Kontrahenten Manuel Gulde mit viel Nachdruck in die Bande gejagt hatte.

Emotionen auch am Spielfeldrand, Konrad Fünfstück (Foto: Thomas Füssler)

Emotionen auch am Spielfeldrand, Konrad Fünfstück (Foto: Thomas Füssler)

Das Schiedsrichtergespann hatte alle Mühe den Knäuel herbeigeeilter Streithähne auseinander zu bringen. Die Westkurve segnete die Szene mit reichlich Bierduschen. Nachdem die Gemüter dann wieder abgekühlt waren, gab es gelb für den Lauterer Kapitän und den Karlsruher Verteidiger. Erst in Minute 38 dann wieder ein Aufreger, bei dem der Ball beteiligt war. Mohamed Gouaida scheiterte aber mit einem Schuss aus spitzem Winkel an Marius Müller, der auch in Spiel zwei nach der Düsseldorfer Denkpause für seine Mannschaft ein sicherer Rückhalt an diesem Nachmittag war.

Mit dem torlosen Unentschieden ging es in die Kabine. Im zweiten Durchgang blieb die Partie weiter intensiv. Der 1.FCK hatte die besseren Torchancen, der KSC die bessere Spielanlage.

Wurden während der 90 Minuten sicher keine Freunde, Lukas Görtler und Keeper René Vollath. (Foto: Thomas Füssler)

Wurden während der 90 Minuten sicher keine Freunde, Lukas Görtler und Keeper René Vollath. (Foto: Thomas Füssler)

Die erste Duftmarke setzte Stipe Vucur in der 49. Minute. Aber sein Kopfball war nicht platziert genug und zu wenig druckvoll und fand im Karlsruher Keeper einen dankbaren Abnehmer. Torchancen blieben danach weiter Mangelware. Erst in der 70. Minute dann die bis dahin größte Chance der Partie. Nach Flanke von Ruben Jenssen kam Lukas Görtler trotz Bedrängnis zum Schuss, traf den Ball jedoch nicht platziert genug. Keeper René Vollath war mit gutem Reflex noch dran, der abgewehrte Ball kullerte Richtung Torlinie und konnte von Ylli Sallahi unter Mithilfe des Pfostens gerade noch geklärt werden. Je weiter die Uhr Richtung Ende runter tickte umso knisternder die fühlbare Spannung im Fritz-Walter-Stadion. Doch beide Seiten schickten sich nicht mehr an noch was anbrennen zu lassen. Hinten nicht und auch vorne nicht.

Defensiv stark, nach vorne auch gestern etwas zu wenig; Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Defensiv stark, nach vorne auch gestern etwas zu wenig; Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Auf Karlsruher Seite sorgte lediglich der eingewechselte Jimmy Hoffer für etwas mehr Lebendigkeit im Spiel der Gäste. Zu einem Abschluss kam der quirlige österreichische Kicker, ehemals in Lauterer Diensten, jedoch nicht. Auf Lauterer Seite setzte Marcel Gaus den letzten Akzent des Spiels. Aber sein satter Schuss aus knapp 16 Metern strich jedoch am linken Tordreieck deutlich über den Karlsruher Kasten. So blieb es auch nach 90 offiziellen und einer Minute Nachspielzeit beim am Ende torlosen Unentschieden. Ein Punkt mit dem der 1.FCK nun zehn Zähler Abstand auf den Abstiegs-Relegationsplatz hat. Genug Distanz, um in den kommenden Wochen die verbleibenden Partien konzentriert anzugehen, das ein oder andere Spiel mit etwas weniger Druck im Nacken vielleicht noch erfolgreich zu gestalten und so eventuell noch den ein oder anderen Tabellenplatz gut zu machen.

Nach Einwechslung auch ohne Akzente; Antonio Colak (Foto: Thomas Füssler)

Nach Einwechslung auch ohne Akzente; Antonio Colak (Foto: Thomas Füssler)

Vielleicht trug das Unentschieden gestern auch dazu bei, dass es nach der Partie ums Stadion herum ruhig blieb und die Ordnungskräfte außer einigen kleinen Vorkommnissen keine nennenswerten Zwischenfälle zu protokollieren hatten. Das aufwendige Konzept der Polizei ging in jedem Fall auf, vor und nach der Partie. Für den ein oder anderen mag zwar schon die Anreise auf den Betzenberg ein wenig beschwerlich gewesen sein, da teils weiträumige Sperrungen den ungehinderten Anmarsch auf den Berg behinderten. Aber anders war es nach den vielen negativen Vorkommnissen der letzten Jahre (leider) nicht möglich die Fanlager zu trennen. Da beide Clubs in dieser Saison auch am Ende der Spielzeit eher im Mittelmaß der Zweitligatabelle herum dümpeln werden ist eines jedoch gewiss. Es wird auch in der Saison 2016/2017 wieder zweimal ein Südwestderby geben. Dann hoffentlich wieder ohne Konflikte außerhalb der Arenen, hoffentlich mit wieder vielen Emotionen und knisternder Spannung auf dem Rasen sowie den Rängen und hoffentlich mit mehr Toren und höherer Punkteausbeute für den 1.FCK!

mg

Zum Abschluss noch ein schönes Video von unserem Freund Matze de Behler.


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