Effektiver Abwehrriegel knackt kopflose Offensive

Der FCK findet keine Mittel gegen Lausitzer Defensive und verliert mit 0:2

Ernüchterung am ende auch bei Coach Michael Frontzeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ernüchterung am ende auch bei Coach Michael Frontzeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem etwas zähen aber ergebnistechnisch gelungenen Auftritt auf der Ostalb am vergangenen Montag, wuchs der Optimismus im Lager der FCK-Community. Der Optimismus auf einen dritten Sieg in Folge, auf den Sprung auf Rang drei, zumindest für eine Nacht. So fanden am gestrigen Abend immerhin 24.005 Zuschauer den Weg auf den Betzenberg. Keine schlechte Kulisse für ein Flutlichtspiel in der dritten Liga. Schon lange vor Anpfiff war bei vielen Anhängern der Roten Teufel sogar eine greifbare Euphorie zu spüren, die Gewissheit vor der Brust, den Dreier würde man heute einfahren. Immerhin hatte man gegen Cottbus auch in den bisherigen Begegnungen vor heimischem Publikum meistens Grund zum Jubeln. Die Lausitzer konnten noch nie am Betzenberg dreifach punkten. Es sollte jedoch anders kommen. Der FCK fand über 90 Minuten nie ein probates Mittel gegen eine dicht gestaffelte Abwehr, erarbeitete sich nur wenige Chancen und musste sich am Ende mit 0:2 geschlagen geben. Ein Freistoßtor in der 48. Minute und ein blitzsauberer Konter der Gäste in der 76. Minute machten den Auswärtssieg der Mannschaft von Claus-Dieter Pele Wollitz perfekt.

Stimmungsvolle Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Stimmungsvolle Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es zeichnete sich bereits kurz vor dem Wechsel ab. Der FCK hatte bis dahin kaum Torchancen auf der Haben-Seite verbuchen können. Eine der besten dann in der Nachspielzeit im ersten Durchgang. Theo Bergmann servierte in einer kleinen Drangphase kurz vor dem Kabinengang einen perfekten Eckball. Christian Kühlwetter setzte zum Kopfball an, vergab aber kläglich, weil er in aussichtsreichster Position gar nicht an den Ball kam. Bis dahin hatten die Gäste aus der Lausitz ihre Sache gut gemacht, die offensichtlichen Vorgaben des Trainers mit Bravour gelöst. In einem dicht gestaffelten 5-4-1 boten die Cottbusser vom Anpfiff weg sicher keinen Fußball fürs Auge. Aber einen fürs eigene Konto. Die Truppe aus der Lausitz machte hinten die Schotten dicht, bot dem FCK kaum Räume und ging beherzt in die Zweikämpfe. Den Roten Teufeln fiel nicht viel ein diesen Riegel zu knacken. Viel Ballgeschiebe im Rückraum, Querpässe, Rückpässe und die sichtbar hilflosen Bemühungen Lücken gegen die vielbeinige Defensive der Gäste zu finden.

Zum Aufregen war vieles gestern. Jan Löhmannsröben (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Zum Aufregen war vieles gestern. Jan Löhmannsröben (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Neben dem eher kläglichen Kopfballversuch von Christian Kühlwetter konnte sich der FCK im ersten Durchgang nur noch zwei weitere Chancen in die Statistik schreiben. In der 6. Minute bot sich Theo Bergmann die erste Gelegenheit. Mit einem Freistoß prüfte er den an diesem Abend sehr sicheren Keeper Avdo Spahic, der jedoch per Faustabwehr klären konnte. Nach einer guten halben Stunde ein brauchbarer Angriff der Jungs von Michael Frontzeck. Hendrik Zuck zog in den Strafraum und anstatt mit Entschlossenheit selbst den Abschluss zu suchen legte er quer ohne einen Abnehmer zu finden (30.). Fahrlässig! Wobei gerade diese Offensivaktion der Lauterer eines offenbarte. Wenn es mal schnell ging, dann wurde für die Gäste auch schwieriger. Eine Erkenntnis, der einige Akteure nach dem Abpfiff nachtrauerten. „Gegen so ein Bollwerk musst Du den Ball schnell machen. Zwei, drei Mal haben wir das Spiel schnell verlagert, dann wurde es auch direkt gefährlich“, räumte Keeper Wolfgang Hesl ein. Passierte im ersten Durchgang jedoch viel zu selten.

Auch gestern torlos, Timmy thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch gestern torlos, Timmy thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Doch mit Schnelligkeit Akzente setzen, das konnten auch die Gäste. Vor allem der pfeilschnelle Streli Mamba als einzige nominelle Spitze bei Balleroberung stets auf das entscheidende Zuspiel lauerte, zwang dabei einige Male die Lauterer Deckung zu konzentrierter Laufarbeit, während seine Mitspieler mit Tempo in die teils unorganisierten Räume liefen. Echte Gefahr für den Kasten von Keeper Wolfgang Hesl brachte dies zunächst nicht. Eine nennenswerte Chance für die Wollitz-Truppe im ersten Durchgang bot dann ein Standard. Nach einer Ecke bugsierte Tim Kruse das Leder zu Fabio Viteritti, der aus 16 Metern nur knapp rechts vorbeischoss (16.). Trainer Michael Frontzeck hatte in der kurzen Trainingswoche versucht seinen Jungs eines einzuimpfen. Die können Standards und die können Konter. Die erste prognostizierte Qualität des Gegners sorgte für das 0:1, die zweite für das 0:2. „Wir waren blauäugig. Wir wussten, dass Cottbus zwei Stärken hat und genau so kriegen wir zwei Tore“, ärgerte sich Jan Löhmannsröben nach Ende der Partie über die Fahrlässigkeit, der Defensivarbeit in den beiden entscheidenden Momenten nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.

Kein Durchkommen. elias Huth (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kein Durchkommen. elias Huth (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nachdem man torlos in die Halbzeitpause marschiert war, kamen die Gäste sichtbar entschlossener und auch druckvoll aus dem Kabinengang. Mit der ersten Offensivaktion holten die Gäste einen Freistoß im Halbfeld raus. Fabian Holthaus servierte das Leder scharf vors Lauterer Tor, Marc Stein konnte sich im Kopfballduell mit André Hainault durchsetzen und wuchtete das Leder in die Maschen (48.). Die Gäste führten, nach einem Standard! Der FCK antwortete zwar wütend, aber weitestgehend kopflos und ideenlos. Energie versuchte druckvoll dagegen zu halten und ließ so das Lauterer Spiel erst recht nicht zur Entfaltung kommen. Die Gäste zogen sich dann wieder mehr zurück und lauerten auf Konter. Nach einer Flanke spitzelte Timmy Thiele den Ball an das Knie des Cottbussers Marc Stein. Der Ball senkte sich in hohem Bogen über den Torwart hinweg aufs Tornetz (65.). Da lag so manchem auf der gut gefüllten Westtribüne der Torschrei schon auf den Lippen.

Auch Kevin Kraus brachte das Leder nicht unter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch Kevin Kraus brachte das Leder nicht unter (Foto: www.der-betze-brennt.de)

In der 73. Minute dann eine Dreifachchance, die auch ein bisschen Spiegelbild dafür war, dass der FCK laut Michael Frontzeck noch hätte stundenlang spielen können, ohne dass etwas passieren würde. Der für Hendrik Zuck eingewechselte Christoph Hemlein flankte von links, Christian Kühlwetter kam frei zum Schuss, doch Avdo Spahic im Kasten der Cottbusser konnte noch parieren. Der abgewehrte Ball kam zu Timmy Thiele und Elias Huth, die beide die Kugel nicht im Tor unterbringen konnten. Den anschließenden Eckball brachte Kevin Kraus mit dem Kopf gefährlich aufs Tor, verpasste das Gehäuse aber knapp (74.). Nur wenige Minuten später, einer der gefährlichen Konter der Gäste. Über den emsigen Streli Mamba kam der Ball zu Lasse Schlüter, der frei auf Wolfgang Hesl zulief und eiskalt am Lauterer Keeper vorbei zum 2:0 vollstreckte (76.). Es blieb auch in der Schlussviertelstunde beim erfolglosen und eher ereignislosen Anrennen des FCK. Nach vier Minuten Nachspielzeit war Schluss am Betzenberg.

Beherzt beim Fight um den Ball, Dominik Schad (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Beherzt beim Fight um den Ball, Dominik Schad (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ernüchterung auf Lauterer Seite, ausgelassene Freude auf Seiten der Gäste, die erstmals die drei Punkte aus dem Fritz-Walter-Stadion mitnehmen. „Die haben hier die Mauer wieder hochgezogen“, beklagte beispielsweise Jan Löhmannsröben die Defensivtaktik des Gegners. Klar, das war nicht schön anzuschauen und noch schwieriger zu bespielen, hat aber funktioniert, was die gestern auf dem Rasen abgeliefert haben. Das vielsilbige Wehklagen der Akteure im roten Dress über den dichten Defensivriegel der Gäste auf der einen Seite und die nicht adäquat gezogenen und umgesetzten Schlüsse über das zu behäbige und zu tempoarme eigene Spiel auf der anderen Seite,  dienten nach dem Abpfiff bestenfalls noch als selbstdefinierte Hausaufgabe. Es wird auch künftig Gegner geben, die an gleicher Stelle ähnlich agieren werden. Dafür müssen entsprechende Lösungen her. Gestern jedenfalls war dies nicht gelungen. Nicht im Ansatz. Eine weitere Lernaufgabe für die Roten Teufel, bei der auch das Trainerteam in der Pflicht steht, Lösungen einzustudieren und einzuimpfen.

Lange Gsichter nach dem Abpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lange Gsichter nach dem Abpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Trotz der Pleite am gestrigen Abend gab es aus der Kurve neben vereinzelten Pfiffen dennoch überwiegend aufmunternde Gesten. Die wird die Mannschaft auch brauchen. Am kommenden Samstag gastiert der FCK an der Ostseeküste bei Hansa Rostock, ehe danach der SV Wehen Wiesbaden am Betzenberg seine Visitenkarte abgibt. Zwei Partien, die es in sich haben. Es besteht immer noch die Chance nach oben in der Tabelle weiter aufzuschließen. Genauso wie es das Risiko gibt Ende dieses Monats wieder im unteren Tabellendrittel zu versumpfen. Beides ist nicht unrealistisch. Sicher ist nur, das nächste Spiel wird ein komplett anderes. Auch dafür müssen Lösungen her. Eine etwas längere Trainingswoche sollte ausreichen, für den bevorstehenden Gegner die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Mannschaft muss es dann halt nur noch umsetzen.

mg


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