Die Mannschaft lebt, der Betzenberg bebt

Rote Teufel besiegen in einem rassigen Spiel den Tabellendritten aus Kiel mit 3:1

Legte in der 2. Minute Grundstein für den Sieg, Brandon Borello beim torjunbel ()Foto: www.der-betze-brennt.de

Legte in der 2. Minute Grundstein für den Sieg, Brandon Borello beim Torjubel (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der 1.FC Kaiserslautern hat am gestrigen Abend mit einer beeindruckenden Leistung den Tabellendritten Holstein Kiel mit 3:1 besiegt und so ein weiteres Zeichen für die Mission Klassenerhalt gesetzt. Der zweite Sieg in Folge nach dem überraschenden aber nicht minder verdienten Auswärtssieg vom letzten Sonntag bei Eintracht Braunschweig. Die Roten Teufel legten los wie die Feuerwehr, gingen schon in der 2. Minute durch Brandon Borello in Führung. Mit einem in der 13. Minute gehaltenen Elfmeter holten sich die Jungs von Michael Frontzeck weiteres Selbstbewusstsein. Durch den zwischenzeitlichen Kieler Ausgleich in der 32. Minute schien das Lauterer Spiel einen kleinen Durchhänger zu bekommen. Doch die Männer in rot kämpften sich aus einem gut zwanzigminütigen eigenen Leistungstief und dem Druck der Gäste. Kurz vor dem Halbzeitpfiff verwandelte Christoph Moritz einen Strafstoß zur erneuten Führung (45.). Wenige Minuten nach Wiederanpfiff gelang dann Osayamen Osawe das 3:1 nach Vorarbeit von Philipp Mwene (51.). Der Engländer avancierte mit zwei vorbereiteten Toren und seinem eigenen Treffer zum Mann des gestrigen Abends.

Zwar nur 20.664 Zuschauer, aber die machten ordentlich Rabatz (Foto: www.der-betze-brennt.de)

20.664 Zuschauer, gut gefüllte Westtribüne (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Michael Frontzeck schickte gegen Holstein Kiel die gleiche Feldformation ins Rennen wie eine Woche zuvor gegen Braunschweig. Lediglich Torhüter Marius Müller, der sein Sperre abgesessen hatte, löste Jan-Ole Sievers zwischen den Pfosten ab. Der Ersatz-Keeper, der wieder auf der Bank Platz nahm, hatte seine Aufgabe letzten Sonntag beim Gastspiel in Niedersachsen mit Bravour gelöst. Auf der Torwart-Position hat der FCK auch in dieser Saison ein (gefühltes) Luxusproblem, steht an dritter Stelle mit Lennart Grill schon der nächste Nachwuchs-Rohdiamant. Hier muss den Verantwortlichen vielleicht auf Jahre hinaus nicht bange sein, egal in welcher Liga der Club spielt! Vor dem Kasten scheint sich derzeit eine gute und wirksame Mischung aus jungen Heissspunden und erfahrenen Füchsen zu etablieren, die eine eingeschworene Gemeinschaft zu werden scheinen. Die Truppe setzte gestern schon vor dem Anpfiff ein Zeichen mit einer unmissverständlichen Symbolik.

Heimpremiere, Michael Frontzeck, Gastspielpremiere, Ex-FCKler Markus Anfang (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Heimpremiere, Michael Frontzeck, Gastspielpremiere, Ex-FCKler Markus Anfang (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der Gast hatte die Seitenwahl gewonnen, ließ die Seiten tauschen. Das wird Trainer Markus Anfang seinem Kapitän Rafael Czichos schon eingebläut haben. Weiß doch der ehemalige Mittelfeldspieler, der von 2002 bis 2004 im FCK-Trikot auflief, um die psychologische Bedeutung der Tradition, wenn die Roten Teufel im zweiten Durchgang auf ihre rot-weiße Wand spielen. Aber die Jungs um Kapitän Christoph Moritz verharrten nur für den Bruchteil einer Sekunde in der ungewohnten Hälfte, marschierten dann geschlossen zwischen der verdutzten Kieler Grundformation durch zurück Richtung West-Wand und euphorisierten das rot-weiße Fußballvolk mit entschlossener Mimik und aufmunternder Gestik. Die Kulisse ließ einen akustischen Giftstrahl Richtung Rasen wabern, der auch vom Anpfiff weg weiter Nahrung bekam. Die Mannschaft des FCK fegte wie ein Wirbelwind ins Spiel, riss die Partie von der ersten Sekunde mit Vehemenz an sich und hätte schon in der 1. Spielminute in Führung gehen können. Osayamen Osawe flankte von links, Lukas Spalvis in der der Mitte verpasste.

Fast das 2:0 durch Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Fast das 2:0 durch Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nur eine Zeigerumdrehung später jedoch war es schon so weit. Der gestern wie aufgedreht agierende Osayamen Osawe lief bis zur Grundlinie, legte zurück in den Rückraum vor den Kieler Kasten, wo Brandon Borello das Leder volley nahm und zur Lauterer Führung einnetzte. Das mit nur 20.664 Zuschauern einmal mehr eher mäßig gefüllte Stadion wurde zum Tollhaus. Trainer Michael Frontzeck und seinen Co-Trainer Alexander Bugera wird’s gefreut haben. Wurde doch im Verlauf der Woche exakt mit diesem Spielzug experimentiert und wurden diverse Varianten einstudiert. Im Training hat’s nicht immer geklappt, gestern schon. Nur wenige Minuten später fast das 2:0, als Lukas Spalvis sich beherzt durchsetzte, seinem Gegenspieler enteilte und frei vor dem Kieler Gehäuse auftauchte. Sein Schuss wurde von Torhüter Kenneth Kronholms Bein noch gebremst und kullerte hinter dem Keeper Richtung Torlinie. In letzter Sekunde kratze Rafael Czichos das Leder noch von der Linie (9.). „Ich wollte dem Torwart den Ball durch die Beine spielen, aber das hat dann nicht geklappt“, räumte der flinke Stürmer nach der Partie ein. Die Gäste waren bis dahin noch überhaupt nicht richtig im Spiel, gefühlt lediglich physisch auf dem Platz.

Elfmeter der Gäste gehalten, Marius Müller (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Elfmeter der Gäste gehalten, Marius Müller (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Symptomatisch dafür die 13. Minute. Mit einer der ersten Angriffsaktion der Gäste ergab sich die Chance auf den Ausgleich. Dominick Drexler hatte sich von rechts in den Strafraum gearbeitet, Leon Guwara ging etwas zu ungeschickt zu Werke und beide gingen zu Boden. Schiedsrichter Guido Winkmann wertete die Situation so, dass der Lauterer Außenverteidiger den Kieler Storch zu Fall gebracht hatte und zeigte auf den Punkt. Marvin Duksch legte sich das Leder zurecht, scheiterte aber mit dem schwach geschossenen Strafstoß an Marius Müller. Ein weiterer Nackenschlag für die Gäste, ein weiterer Motivationsimpuls für die Hausherren. Dennoch arbeiteten sich die Gäste nun von Minute zu Minute besser ins Spiel, drängten auf den Ausgleich und der fiel dann überraschend und unter gütiger Mithilfe der Lauterer Defensive in der 32. Minute. Nach einer Ecke von Kingsley Schindler, der schon in der 28. Minute den Außenpfosten traf, landete das Leder im Fünfmeterraum. Die vielbeinige Abwehr stocherte eher nur anstatt den Ball entschlossen weg zu dreschen und David Kinsombi beförderte das Leder zum 1:1 über die Linie.

Elfmeter versenkt, Torjubel nach em 2:1 durch Christoph Moritz (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Elfmeter versenkt, Torjubel nach dem 2:1 durch Christoph Moritz (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es entwickelte sich nun eine Partie mit offenem Visier. Der Unterschied im Tabellenbild war zu keiner Minute der Partie sichtbar. Es war erneut Osayamen Osawe, der kurz vor der Halbzeit noch einmal Tempo machte, erneut über rechts den Weg zur Grundlinie suchte, sich gegen Rafael Czichos und Dominik Schmidt durchsetzte und von letzterem im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Auch hier entschied der Referee auf Strafstoß. Christoph Moritz legte sich die Kugel auf den Punkt und verwandelte eiskalt rechts unten zur erneuten Führung (45.). Kulissen-Tollhaus die zweite! Mit der knappen aber verdienten Führung ging es in die Kabine. Nach dem Wiederanpfiff agierten die Roten Teufel sofort wieder mit Vollgas und hätten schnell nachlegen können, aber Osayamen Osawe und Lukas Spalvis scheiterten in der 48. Minute, Brandon Borello vergab in der 50. Minute. Doch der nächste Treffer fiel kurz danach.

Der Mann des Tages eiskalt, Osayamen Osawe trifft zum 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mann des Tages, Osayamen Osawe trifft eiskalt zum 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Philipp Mwene ging über rechts und legte einen bilderbuchmäßigen Zuckerpass in die Spitze, wo sich Osayamen Osawe einen Raumvorteil  erlaufen hatte und das Leder aufs Kieler Tor brachte. Den Schuss konnte der Gästekeeper zwar noch abwehren, doch der gestern kaum zu bändigende pfeilschnelle Lauterer Stürmer drosch den Abpraller mit Vehemenz unhaltbar unter die Latte ins Netz (51.). Der FCK spielte sich in der Folge fast in einen Rausch und erarbeite sich weitere hochkarätige Möglichkeiten. Dabei war es immer wieder Osayamen Osawe, der mit seinem kraftvollen Antritt und seinen schnellen Läufen für Gefahr sorgte. In der 57. Minute schickte Lukas Spalvis den überragenden Engländer, der jedoch vergab. Leon Guwara traf nur das Außennetz (61.), Lukas Spalvis konnte eine Flanke von Philipp Mwene nicht verwerten und köpfte übers Tor (70.).

Torjubel nach dem dritten Treffer der Roten Teufel (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Torjubel nach dem dritten Treffer der Roten Teufel (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Knapp 25 Minuten vor dem Ende der Partie brachte Michael Frontzeck für Ruben Jenssen dann Halil Altintop. Die Heimpartie des Rückkehrers sorgte für einen Gänsehautmoment. Es ist lange her, dass ein Akteur im Lauterer Dress bei seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum mit so viel Emotionalität begrüßt wurde. Noch einmal auch von unserer Seite, herzlich willkommen zurück am Betzenberg, Halil! Die Ikone mit der Nummer 10 fügte sich nahtlos ins Spielgeschehen ein, wobei so sehr viel gar nicht mehr passierte. Die wenigen Offensivbemühungen der Gäste und die daraus resultierenden Torannäherungen verpufften eher wirkungslos. Die Lauterer Defensivakteure arbeiteten leidenschaftlich und konzentriert bis zum Schluss. In der Nachspielzeit hätte Christoph Moritz seiner herausragenden Leistung noch ein Sahnehäubchen aufsetzen können, als er noch eine hundertprozentige Chance vergab.

Freude und Erleichterung nach dem Abpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Freude und Erleichterung nach dem Abpfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Letztlich blieb es beim verdienten 3:1 Sieg der Roten Teufel, der durchaus hätte noch etwas höher ausfallen können. Der FCK kam mit einer blendenden physischen Verfassung aus der Winterpause. Sicher ein Verdienst von Jeff Strasser, dem es mittlerweile wieder besser geht. Von der Fitness profitiert sicher auch der neue Trainer Michael Frontzeck, der auch am 4-4-2 Spielsystem festhält. Auffällig ist allerdings, dass unter dem neuen Trainer die Offensivreihen deutlich höher stehen, den Gegner schon früh anlaufen. Das hilft den gegnerischen Spielaufbau deutlich weiter weg vom eigenen Tor zu halten. Osayamen Osawe scheint unter den neuen Maßgaben sichtbar aufzublühen, weil er grade in den beiden letzten Partien mit den sich bietenden Räumen, dem verbesserten Umschaltspiel und den viel sichtbareren und sichereren Offensivbemühungen seine Schnelligkeit ausspielen kann. Es werden andere Teams kommen, die taktisch anders stehen und agieren.

Verdiente Feierzeremonie vor der West (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Verdiente Feier-Zeremonie vor der West (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Da wird dann auch ein Sebastian Andersson gefragt sein, der eben einen gänzlich anderen Spielertyp abgibt. Aber diese Breite, die der Kader in allen Mannschaftsteilen hat, wird Trainer Michael Frontzeck auch noch brauchen. Dazu das Kollektiv der Leitwölfe Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Halil Altintop, Ruben Jenssen und sicher auch dem abgeklärten und ausgebufften Christoph Moritz, die allesamt schon in der Kabine für Feuer sorgen. All das wird für die kommenden Aufgaben ein wichtiges Pfund sein. Dazu Typen wie Lukas Spalvis und Brandon Borello, der auf dem Platz schier unglaubliche Wege geht oder auch die aufstrebenden Leistungen eines Leon Guwara oder der wiedererstarkte Flügelflitzer Philipp Mwene. Außerdem stecken noch einige wichtige Talente im Kader, die noch viel Potential in sich bergen. Der FCK scheint gerüstet für die kommenden Partien. Es werden auch Rückschläge kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Truppe darf sich davon nur nicht entmutigen lassen. Wenn es allerdings nach der aufgedrehten Kulisse von gestern Abend geht, muss das mit einem Rückschlag nicht unbedingt schon am kommenden Freitag bei der nächsten Heimpartie gegen Sandhausen sein. Ganz im Gegenteil!

mg


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