Der Derbysieg war noch lange nicht die Rettung

Der 1.FCK gewinnt mit einem über weite Strecken pomadigen Spiel in Karlsruhe – KSC steigt ab

Heimatmosphäre - rund 5.000 Anhänger in rot und weiß waren dem FCK in den Wildpark FCK-Heimspiel gefolgt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Heimatmosphäre – rund 5.000 Anhänger in rot und weiß waren dem FCK in den Wildpark gefolgt (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Theoretisch und rechnerisch kann der 1.FC Kaiserslautern am Ende der Saison sogar noch auf Platz 5 in der Tabelle klettern. Wenn man alle eigenen noch ausstehenden Partien gewinnt und die Konkurrenz mitspielt. Theoretisch und rechnerisch kann der 1.FC Kaiserslautern aber auch noch auf Platz 17 abrutschen und direkt absteigen! Wenn man nämlich alle noch ausstehenden drei Partien verliert und die Konkurrenz gleichzeitig entsprechend punktet. Vor diesem Hintergrund war der gestrige Sieg im Derby gegen den Karlsruher SC zwar wichtig, aber auch nur ein kleiner Schritt im Saisonendspurt. Gegen die noch kommenden Gegner sollten sich die Roten Teufel allerdings hüten nochmal eine derartig lethargische und pomadige Spielweise wie über weite Strecken der ersten Halbzeit gestern im Wildparkstadion an den Tag zu legen. Im Abstiegskampf sind höchste Konzentration, Einsatzwille, Leidenschaft und Aggressivität gefragt und das vom Anpfiff bis zum Abpfiff einer Partie. Ein Spaziergang werden die drei verbleibenden Spiele ganz sicher nicht, da auch die kommenden Gegner FC St.Pauli, Erzgebirge Aue und sogar der 1.FC Nürnberg, der am letzten Spieltag am Betzenberg gastiert, mitten im Abstiegsschlamassel stecken oder zumindest gefährdet sind.

Jubel nach der frühen Führung durch Kacper Przybylko (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Jubel nach der frühen Führung durch Kacper Przybylko (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mehr als 5.000 FCK-Fans waren gestern nach Karlsruhe gereist und verliehen optisch wie akustisch dem Wildparkstadion Heimspiel-Atmosphäre. Auch weil selbst die treuesten Anhänger des KSC unter den nur 18.037 Zuschauern mit einem Stimmungsboykott den Support für ihr Team verweigerten. Trostlosigkeit und Enttäuschung über die Entwicklung in den letzten Wochen und Monaten lähmten den Karlsruher Anhang. Das eine oder andere Spruchband auf den Tribünen an die Adresse von Akteuren und Verantwortlichen waren mehr als Spiegelbild für die aktuelle Situation beim badischen Traditionsclub. Der FCK begann so, wie es die Protagonisten im Verlauf der Woche angekündigt hatten. Mutig, selbstbewusst, aggressiv. Der Karlsruher SC war gedanklich noch nicht richtig ins Spiel gekommen, da rappelte es bereits im badischen Gehäuse. Marcel Gaus hatte sich auf der linken Seite energisch durchgesetzt, flankte von der Grundlinie vors Tor und Kacper Przybylko köpfte aus kurzer Distanz trocken ein (4.). Eine frühe Führung, das war genau nach dem Geschmack des Pfälzer Anhangs. Rechnerisch war mit diesem Resultat der KSC abgestiegen. Wollten die Roten Teufel den badischen Rivalen vom Anpfiff weg etwa überrollen? Weit gefehlt! Aus unerklärlichen Gründen schaltete die Elf von Norbert Meier nach dem frühen Führungstreffer einen Gang zurück und verfiel in Passivität.

Wehrte einen Kopfball ab; Julian Pollersbeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wehrte einen Kopfball ab; Julian Pollersbeck (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach einer Viertelstunde begannen die Karlsruher Lunte zu riechen und kamen immer besser ins Spiel. Zwangsläufig ergaben sich erste Torannäherungen und in der Folge auch erste, teilweise klare Möglichkeiten. In der 28. Minute hatten die Hausherren gleich drei Möglichkeiten in Folge den Ausgleich zu markieren, aber die Lauterer Defensive warf sich aufopferungsvoll und verbissen in die Schüsse von Franck Kom, Oskar Zawada und Fabian Reese. Glück gehört im Abstiegskampf zwar auch dazu, aber nur darauf verlassen darf man sich eben nicht. Kurz darauf entschärfte Julian Pollersbeck mit einer Glanzparade einen Kopfball von Martin Stoll (29.). Der Ausgleich wäre zu dem Zeitpunkt verdient gewesen. Der KSC bemühte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten, der FCK hatte völlig den Faden verloren. Wenige Minuten später war der KSC wieder im Rennen. Mit einem Freistoß aus 28 Metern Entfernung versenkte David Kinsombi das Leder über die Lauterer Mauer hinweg knapp neben dem Pfosten ins Tor. Keeper Julian Pollersbeck machte bei dem haltbaren Ball nicht die glücklichste Figur. Der KSC hätte noch vor dem Pausenpfiff sogar in Führung gehen können, aber nach einer Flanke von Dennis Kempe traf Oskar Zawada den Ball nicht richtig (44.).

Gestern wieder die treibende Kraft; Marcel Gaus (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gestern wieder die treibende Kraft; Marcel Gaus (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Nach dem Wechsel hatten die Hausherren auch in der Anfangsphase mehr vom Spiel und hätten durch Gaetan Krebs per Kopf (47.) und zwei Schussmöglichkeiten von Fabian Reese (54. und 57.) das Spiel drehen können. Trotz der sichtbaren Bemühungen blieb der KSC-Block aus Protest weiter stumm, während die FCK-Anhänger verwundert die Augen rieben. Was war da los? Kaum mal mehr als drei oder vier Stationen Ballbehauptung, kein souveräner Spielaufbau mehr, verlorene Zweikämpfe, stümperhaftes Passspiel. Das was einige Akteure im roten Dress da phasenweise ablieferten war nicht Fußball spielen, sondern „Fußball spielen simulieren“! Der Weckruf kam quasi aus dem Gästeblock, wo die nun hellwachen Anhänger der Roten Teufel wütend skandierten „Wir wollen Euch kämpfen sehen!“. Das sollte Wirkung zeigen. In der 66. Minute startete Marcel Gaus auf der linken Außenbahn zu einem schnellen Konter und wurde im Sechzehner von Matthias Bader regelrecht abgeräumt. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus entschied auf Strafstoß. Der für Torschütze Kacper Przybylko nur wenige Minuten vorher eingewechselte Sebastian Kerk legte sich das Leder auf den Punkt. Doch Torhüter Dirk Orlishausen ahnte die Ecke, konnte den nicht unplatziert geschossenen Elfer mit einer Glanzparade zwar abwehren aber Kerk kam an den nach vorne abgeklatschten Ball und verwandelte den Nachschuss souverän. Jetzt war die Kulisse am Brodeln, hatte doch auch der Letzte gemerkt, dass es nicht unwesentlich auch der Support von den Rängen war, der bei den Roten Teufel den Schalter wieder umgelegt hatte.

Jubell nach dem zweiten Treffer; Robin Koch und dahiinter Torschütze Sebastian Kerk (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Jubell nach dem zweiten Treffer; Robin Koch und dahiinter Torschütze Sebastian Kerk (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der Treffer beflügelte nun auch die Roten Teufel und holte die FCK-Akteure aus ihrer bisweilen lethargischen Spielweise. Die Karlsruher versuchten zwar dagegen zu halten, aber auch die eingewechselten ehemaligen FCK-Spieler Jimmy Hoffer und Stefan Mugosa vermochten dem Angriffspiel der Hausherren keinen Stempel mehr aufzudrücken. Auch weil der FCK weiter konzentriert und leidenschaftlich verteidigte. Aber nicht nur das. Die Mannschaft von Norbert Meier setzte nun auch wieder Offensivakzente. In der 87. Minute war es Sebastian Kerk, der sich auf der linken Seite durchsetzte und vor dem Kasten den mitgelaufenen Jaques Zoua bediente. Der konnte sich gegen seinen Gegenspieler behaupten und schoss das Leder zum entscheidenden 3:1 für den FCK ins Karlsruher Tor. Im Lauterer Block war nun Party angesagt. Ein ganz wichtiger Dreier im Kampf um den Klassenerhalt.

Die Entscheidung! Jaques Zoua jubelt über das 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Entscheidung! Jaques Zoua jubelt über das 3:1 (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Wie eine Woche vorher, schlecht gespielt und am Ende doch den Maximalertrag eingefahren. Das gestrige Ergebnis kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Art wie der Erfolg zustande kam, kein Anlass zur Zufriedenheit sein darf. Wie eingangs schon betont, gilt es in den drei verbleibenden Partien hellwach zu bleiben und zwar über die gesamte Spieldauer. Nicht nur, um einen immer noch möglichen drohenden Abstieg zu vermeiden, sondern auch um mit einem Maximalertrag möglicherweise auch nach oben noch Boden gut zu machen. Boden, der für den Verein bares Geld bedeuten kann. Das sollte jedem im Team klar sein. Es müssen weiterhin einfach Punkte her, alles andere ist Kokolores. Damit lösen sich die Optionen nach unten und nach oben im Grunde von selbst. Für einen Tabellenplatz über dem Relegationsstrich sind noch mindestens 4 Punkte notwendig. Die Mannschaft tut gut daran, das Punktesammeln am besten gleich in der kommenden Heimpartie gegen den FC St.Pauli mit einem weiteren Dreier umzusetzen. Das wird auf jeden Fall ein ganz anderes Spiel als die letzte Heimpartie gegen die Löwen oder das Südwestderby gestern in Karlsruhe.

Dank der mannschaft an die Fans für die Unterstützung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Dank der Mannschaft an die Fans für die Unterstützung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Weil die Gesamtsituation nach wie vor prekär bleibt, gilt an dieser Stelle nach wie vor, schaffen können wir es nur alle gemeinsam. Daher ist hier nicht nur die Mannschaft gefragt, sondern auch die Fans. Eine entsprechende Kulisse kann Kräfte freisetzen und alle, denen der FCK am Herzen liegt, sollten sich als Teil dieses Wechselspiels der Kräfte verstehen und am kommenden Freitag die Hütte mal wieder richtig voll machen! Mit zwei Heimspielen vor der Brust hat es der FCK selbst in der Hand, das Abstiegsgespenst vom Berg zu jagen. Ob sie am Ende sogar noch das ausgerufene Saisonziel eines einstelligen Tabellenplatzes  erreicht ist Stand heute zweitrangig. Erst mal muss das „Worst-Case-Szenario“ weg, das nun den KSC getroffen hat. Der Abstieg in die dritte Liga. Für die Badener nach 2000 und 2012 bereits zum dritten Mal. Auch wenn das Südwestderby immer ein Highlight ist, die FCK-Fans möchten in der kommenden Spielzeit liebend gerne drauf verzichten!

mg


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