Da ist noch reichlich Sand im Getriebe…und das überall!

Torloses Unentschieden bei der Heimpremiere gegen Braunschweig

Stimmungsvoll - Fahnenchoreographie Westtribüne (Quelle dbb.de)

Stimmungsvoll – Fahnenchoreographie Westtribüne (Quelle dbb.de)

Eine disziplinierte, engagierte und stets gefährliche Braunschweiger Mannschaft verdarb dem 1.FCK am vergangenen Freitagabend das erste Heimspiel der Saison 2015/2016. Die Roten Teufel kamen nach 90 gespielten Minuten nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Trotzdem sahen die 33.036 Besucher beim abendlichen Flutlichtspiel eine abwechslungsreiche und letztlich spannende Begegnung mit zwei Mannschaften auf Augenhöhe und Chancen auf beiden Seiten. Lediglich die Abteilung Chancenverwertung auf beiden Seiten verlieh dem Spiel einen faden Charakter. Unterm Strich ging das Remis jedoch vollkommen in Ordnung und die Jungs von Kosta Runjaic müssen sich attestieren lassen, dass trotz eines Chancenplus ein Sieg nicht verdient gewesen wäre.

Trotz guter Möglichkeiten heute ohne Treffe - Kacper Przybylko (Quelle dbb.de)

Trotz guter Möglichkeiten heute ohne Treffe – Kacper Przybylko (Quelle dbb.de)

Der FCK begann mit der gleichen Formation, die in der Vorwoche aufgrund einer furiosen ersten Halbzeit einen verdienten Auswärts-Dreier beim MSV Duisburg eingefahren hatte. Thorsten Lieberknecht hingegen wechselte nach der Auftaktpleite zuhause gegen Sandhausen gleich zweimal. Für den Ex-Lauterer Hendrik Zuck sowie für Marc Pfitzner kamen Ken Reichel und Emil Berggreen. Die Niedersachsen begannen forsch und forderten den FCK vom Anpfiff weg. Die ersten Minuten gehörten klar den Niedersachsen, die den Roten Teufeln kaum Freiräume ließen ins Spiel zu kommen, mit mutigem Pressing früh störten und dazu kombinationsschnell ihr eigenes Angriffsspiel nach vorne trugen. So hatten auch die Braunschweiger die erste überzeugende Gelegenheit, als Reichel den Kasten nach ruhendem Ball verfehlte (7.). Die erste Chance für die Hausherren dann allerdings nur wenig später. Kacper Przybylko kam im Strafraum unverhofft zum Abschluß. Seinen gedankenschnell verwerteten Schuss konnte der zwischen den Pfosten an diesem Tag glänzend aufgelegte Rafael Gikiewicz gerade noch mit dem Fuß parieren.

Ab nun waren die Roten Teufel endlich im Spiel, durften mehr Ballbesitz für sich verbuchen und erarbeiteten sich auch einige Möglichkeiten, wenn auch die meisten nicht zwingend genug. Der emsige und immer anspielbare Daniel Halfar führte in der 26. Minute einen Freistoß aus, der fast im Torwinkel gelandet wäre. Halfar war es auch, der noch vor dem Pausenpfiff von der Strafraumgrenze nochmal draufhielt (40.) und ein platzierter Kopfball von Neuzugang Stipe Vucur konnte der Braunschweiger Keeper mit Bravour meistern (45.). Aber auch Marius Müller durfte sich bei einem Schussversuch von Jan Hochscheidt auszeichnen (32.).

Energisch, fleißig, immer anspielbar.... (Quelle dbb.de)

Energisch, fleißig, immer anspielbar…. (Quelle dbb.de)

Torlos ging es in die Kabine. Mit Anpfiff der zweiten Halbzeit wechselte Kosta Runjaic gleich zweimal. Für die blassen Ruben Jenssen und Mateusz Klich kamen Erik Thomy und Lukas Görtler. Der zweite Durchgang begann wie der erste. Die Löwen blieben ihrer Linie treu, störten früh und erzeugten mit flinken Kombinationen immer wieder Druck. So musste sich Marius Müller in der 51. Minute auch richtig reinhängen, um vor Emil Berggreen noch zu klären. Der FCK rannte seiner eigenen Souveränität im eigenen Stadion eigentlich bis hierhin ständig hinterher. Viel Aufwand, aber einfach zu wenig Dominanz gegen so einen frechen und forschen Gegner. Die besten Chancen fanden ihre Endstation hüben wie drüben auch meist bei den überragenden Torleuten. Ein kurzes Hoch mit spielerischer Überlegenheit des FCK nahm dann mit der Gelegenheit von Kacper Przybylko seinen Lauf. Der Doppeltorschütze der Vorwoche scheiterte aber erneute am Braunschweiger Keeper (68.).

...und auch torgefährlich - Daniel Halfar (Quelle dbb.de)

…und auch torgefährlich – Daniel Halfar (Quelle dbb.de)

Der eingewechselte Orhan Ademi sorgte dann im Lauterer Strafraum für Herzklopfen. Der Braunschweiger kam eigentlich frei zum Schuss, aber Marius Müller vereitelte mit einer Glanzparade (78.). Nur eine Minute später lief Daniel Halfar beherzt auf halbrechts auf das Braunschweiger Tor zu, lupfte den Ball gekonnt über den herauslaufenden Gikiewicz, doch der Ball ging knapp links neben dem leeren Kasten vorbei. In den letzten zehn Minuten tat sich nicht mehr viel Zwingendes, keine der Mannschaften kam noch einmal gefährlich zum Abschluss. So beendete Dr. Felix Brych die Partie nach den zwei Minuten Aufschlag. Man hatte nach dem Abpfiff das deutliche Gefühl, dass die Jungs um Kosta Runjaic doch ein wenig betreten dreinschauten. Den Auftakt vor heimischer Kulisse hatte man sich sicher anders vorgestellt. Aber speziell in diesem Jahr wird diese Liga kein Wunschkonzert.

Betrübte Gesichter nach dem Abpfiff (Quelle dbb.de)

Betrübte Gesichter nach dem Abpfiff (Quelle dbb.de)

Bleibt für Mannschaft und Betreuer die Erkenntnis, dass sichtbar noch reichlich Sand im Getriebe steckt. Nach den Aussagen von Trainer Kosta Runjaic ist der Kader schließlich auch noch nicht fertig. Die Neuverpflichtungen wie Kacper Przybylko, Stipe Vucur oder Rückkehrer Daniel Halfar sind sicher bereits gut integriert und haben in beiden Partien bislang überzeugt. Neulinge wie Patrick Ziegler, Youngster Erik Wekesser, Lukas Görtler, Zlatan Alomerovic oder auch die ebenfalls heimgekehrten Sascha Mockenhaupt und Stefan Mugosa sind ganz sicher „angekommen“. Aber es fehlt noch das sichere und intuitive Zusammenspiel, selbst in einem quasi gesetzten Mannschaftsteil wie der Viererkette, wo am Freitag selbst Tim Heubach seinen Aufgaben nach hinten und nach vorne nicht durchweg souverän nachgegangen war. Es wartet also noch viel Arbeit auf das Trainerteam.

Beeindruckend aber mit Luft anch oben - support der fans (Quelle dbb.de)

Beeindruckend aber mit Luft anch oben – support der Fans (Quelle dbb.de)

Doch nicht nur bei den Protagonisten auf dem grünen Rasen läuft noch nicht alles rund. Auch die Fan-Community sollte sich der eigenen Rolle bewusster werden und realisieren, dass hier noch viel Luft nach oben ist. Unerwähnt darf hier allerdings nicht bleiben, dass die Westtribüne einmal mehr ein Ausrufezeichen für vorbildliche Kreativität, für Geschlossenheit und Zusammenhalt gezeigt hat. Die GL98 hatte im Vorfeld der Partie zu einer einfachen aber doch beeindruckenden Choreographie aufgerufen. Ein Fahnenmehr in rot und weiß begrüßte beide Teams beim Einlaufen. Sichtbarkeit ist das eine, die Hörbarkeit und die Teilhabe sind das andere. Zwischen der 68. und 80. Minute war es die Kulisse, die dem Spiel mit einen Stempel aufdrückte. Das Publikum zelebrierte minutenlang eine lautstarke Aufforderung, den Druck auf das Tor der Braunschweiger zu erhöhen, was die Jungs von Kosta Runjaic auch zumindest spielerisch sichtbar umsetzten. Alleine das finale Erfolgserlebnis blieb aus. Auch weil bis in den letzten Winkel des Stadions zu spüren war, dass ständig gehöriger Respekt vor dem schnellen Konterspiel der Niedersachsen mitschwang.

Auch die Braunschweiger Fans wedelten kräftig mit (Quelle dbb.de)

Auch die Braunschweiger Fans wedelten kräftig mit (Quelle dbb.de)

Aber von der Kategorie Hexenkessel war auch die Anhängerschaft der roten Teufel in ihren Bemühungen noch weit entfernt. Auch hier ist immer noch Sand im Getriebe. Es genügt eben nicht stets und überall die alten Zeiten zu verklären und herbeizusehnen. Auch die Kulisse hat noch Luft nach oben, um ihren Teil dazu beizutragen, einer Partie wie der am Freitag einen giftigeren und aggressiveren Charakter zu verleihen. Einen hörbaren und fühlbaren Rahmen aufzuziehen, der mit dazu beitragen kann, noch etwas umzubiegen. Wenn wir aus dieser verfluchten ungeliebten zweiten Liga raus und nach oben wollen, dann brauchen wir natürlich eine schlagkräftige, eingeschworene Truppe, die erfolgreichen Fußball spielt, egal ob mit „Ballbesitzfußball“ oder mit „Hurracharakter“. Am Ende müssen die für einen Aufstieg ausreichenden Punkte auf der Haben-Seite stehen. Wir brauchen aber auch wieder eine Identifikationskultur von außen. Eine, die den unbedingten Willen, zum Erfolg etwas beitragen zu wollen und zu können sich schon in den Vorverkaufszahlen im Ticket-Center abzeichnet und die dann im Spielverlauf auch ein Zünglein an der Waage sein kann. Wobei man hier nicht alleine die Westtribüne in der Pflicht sehen sollte. Was diesen Fußballtempel über Jahrzehnte zur Hölle stilisierte, war eine Atmosphäre, die sich von allen Tribünen auf den Rasen ergoss.

Das war übrigens in den sportlich eher durchschnittlichen Spielzeiten der 1970er und 1980er Jahre bereits so! Man mag anführen, dass die Qualität der Spielkultur der letzten Jahre von den genannten Jahrzehnten weit weg sei und der Fußball auf dem Betzenberg heute eben in Liga zwei stattfinde. Man mag auch einfordern, die Truppe möge attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen und mag prognostizieren, dann kämen auch die Zuschauer wieder in Scharen. Ursache und Wirkung oder invers Wirkung und Ursache, die sich hier gegenseitig befruchten? Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Wünschenswert wäre zumindest das wachsende Bewusstsein, dass ein Teil des gewünschten und geforderten Erfolges von den Tribünen mitgetragen und mitgestaltet werden kann. Wünschenswert wäre, dass sich dies in zahlenmäßig und akustisch deutlich verbessertem Zuspruch widerspiegelt und nicht erst am Saisonende auf der Zielgeraden sich rund 100.000 Menschen um 49.780 begehrte Plätze kloppen. Denn zum Auftakt einer Saison, an einem Freitagabend, zur Prime-Time, unter Flutlicht, gegen einen Traditionsverein nur 33.036 Besucher, die mit nur mäßig Gift und Galle ihrem Ruf gerecht werden, das ist auch ein Stück weit Sand im Getriebe und davon kriegen wir unsere Hölle auch nicht zurück.

mg


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