Couragierter Auftritt und bitteres Ende

Der 1.FCK spielt gegen den Tabellenführer gut mit und unterliegt am Ende in Unterzahl

Abgang nach der gelb-roten Karte, Marius Müller (Foto: Thomas Füssler)

Abgang nach der gelb-roten Karte, Marius Müller (Foto: Thomas Füssler)

Es war gestern das erste von sechzehn ausgerufenen Endspielen um den Klassenerhalt. Das erste Heimspiel im Jahr 2018. Lange spielte der FCK als Tabellenletzter gegen den Tabellenersten aus Düsseldorf auf Augenhöhe. Die Ungleichheit der Tabellenplatzierung war im Spielgeschehen auf dem Rasen lange Zeit nicht auszumachen. Obwohl im ersten Durchgang packende Torraumszenen oder nennenswerte Chancen eher Mangelware waren. Der FCK ging im zweiten Durchgang per Strafstoß früh in Führung (48.). Knackpunkt der Partie war dann die gelb-rote Karte von Keeper Marius Müller, der in der 61. Minute den frei vorm Lauterer Tor auftauchenden Genki Haraguchi von den Beinen holte. In jedem Fall ein gelb-würdiges Foulspiel und da er zehn Minuten zuvor schon einmal den gelben Karton zu sehen bekommen hatte, war der Feldverweis die logische Konsequenz. Düsseldorf egalisierte mit dem fälligen Strafstoß und machte in der letzten halben Stunde gegen dezimierte Lauterer den Sack zu.

Vertrat gestern den erkrankten Jeff Strasser, Hans-Werner Moser (Foto: Thomas Füssler)

Vertrat gestern den erkrankten Jeff Strasser, Hans-Werner Moser (Foto: Thomas Füssler)

Da Cheftrainer Jeff Strasser aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme, die vergangenen Mittwoch zum Abbruch der Partie in Darmstadt geführt hatten, immer noch fehlte, stand beim gestrigen Heimspiel U23-Coach Hans-Werner Moser in der Coaching-Zone am Spielfeldrand. Der Interimstrainer hatte die Startelf auf nur einer Position verändert. Lukas Spalvis kam nach abgelaufener Sperre für Osayamen Osawe, der auf der Bank Platz nehmen musste. Gleich mit dem ersten Angriff in Minute eins kamen die Gäste zur ersten Chance, doch Marius Müller konnte den Schuss des Fortuna-Neuzugangs Genki Haraguchi mit Bravour parieren. Diesen ersten Schreck steckten die Roten Teufel im Grunde gut weg und agierten in der Folge mit couragiertem Spiel. Auch nach vorne. Einziges Manko, vor allem im ersten Durchgang, es fehlte an Qualität und an Durchschlagskraft, um das gegnerische Tor in Bedrängnis zu bringen. Dafür sorgten Neuzugang Jan-Ingwer Callsen-Bracker und der lange verletzte Marcel Correia mit einer konzentrierten Leistung für eine stabile Defensive. Bis zum Pausenpfiff erarbeiteten sich die Gäste bestenfalls zwei bis drei Möglichkeiten, die einen Hauch von Gefahr versprühten.

FCK gegen Fortuna Düsseldorf Zurück im FCK-Dress: Rückkehrer Ruben Jenssen tut der Mannschaft gut (Foto: Thomas Füssler)

Rückkehrer Ruben Jenssen tut der Mannschaft gut (Foto: Thomas Füssler)

Allerdings fehlte es auch auf der Gegenseite an Inspiration und an Qualität, um die gegnerische Defensivreihe aus dem Spiel heraus in Verlegenheit zu bringen. Lediglich mit Standardsituationen wusste der 1.FCK im Vergleich zu früheren Partien besser zu gefallen. Dennoch, trotz einiger ansehnlicher Freistoß-Flanken oder Eckbällen, lässt es das Team noch immer an Verwertungs-Qualität und damit an Torgefahr mangeln. Das große Manko sich aus dem Spiel heraus eine nennenswerte Anzahl von Tormöglichkeiten zu erarbeiten und zu erspielen oder diese gar zu erzwingen, bleibt nach wie vor eine signifikante Baustelle beim 1.FCK. Dazu kommen die die fehlende Effektivität und Treffsicherheit, um mit den wenigen sich bietenden Möglichkeiten auch Tore zu machen. Es war im ersten Durchgang über weite Strecken eine umkämpfte Partie, der 1.FCK ließ nichts zu, brachte jedoch auch selbst das gegnerische Tor nicht wirklich in Gefahr. Folglich ging es torlos in die Kabinen.

Christoph Moritz verwandelt den Strafstoß zur Führung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Christoph Moritz verwandelt den Strafstoß zur Führung (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Die Roten Teufel gingen im zweiten Durchgang zunächst mit der gleichen Leidenschaft zu Werke und die Bemühungen sollten belohnt werden. In der 48. Minute tankte sich Philipp Mwene auf der rechten Seite in den Strafraum, sein Gegenspieler Benito Raman ging etwas ungestüm zu Werke und brachte den quirligen Lauterer zu Fall. Den fälligen Strafstoß verwandelte Christoph Moritz souverän. Ein Aufschrei der Erleichterung ging durch das mit nur 21.739 Besuchern nur spärlich besetzte Fritz-Walter-Stadion. Die Kulisse spürte, dass mit der bis hierhin präsentierten Bissigkeit und Aggressivität ein Sieg gegen den klaren Favoriten möglich war. Der 1.FCK zeigte sich auch weiter kämpferisch, ohne spielerisch zu überzeugen. Völlig unverständlich allerdings, warum die Jungs von Hans-Werner Moser wenige Minuten nach der Führung ein Stück weit das Fußballspielen einstellten. Sicher, die Fortuna reagierte auf den Treffer so wie man es von einem ambitionierten Aufstiegsaspiranten, der an der Tabellenspitze steht, auch erwartet.

Torjubel nach dem 1:0 (Foto: Thomas Füssler)

Torjubel nach dem 1:0 (Foto: Thomas Füssler)

Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel schaltete einen Gang höher und drängte auf den Ausgleich. Das aggressivere Düsseldorfer Spiel schien den FCK förmlich in die eigene Hälfte zu drücken. Aber die Mannschaft ließ sich auch drücken. Es fehlten plötzlich die Konsequenz in der Balleroberung, die Sicherheit in der Ballbehauptung und die Inspiration mit kreativen Spielzügen nach vorne hinten mal für Entlastung zu sorgen und etwas für die eigene Offensive zu tun. In der 51. Minute hätte sich Torhüter Marius Müller nicht beschweren dürfen, wenn ihm Schiedsrichter Tobias Stieler den roten Karton unter die Nase gehalten hätte. Der Lauterer Keeper hatte nach einer schon geklärten Spielsituation Kaan Ayhan einfach umgerempelt, der sich dabei spektakulär auf den umgepflügten Rasen legte. Der Unparteiische quittierte die äußerst dämliche und unprofessionelle Aktion lediglich mit einer gelben Karte. Aber nur wenige Minuten später sollte sich die Aktion rächen.

Engagiert aber gestern mit vielen Fehlern, Brandon Borrello (Foto: Thomas Füssler)

Engagiert aber gestern mit vielen Fehlern, Brandon Borrello (Foto: Thomas Füssler)

In der 61. Minute sprang ein Abpraller am Lauterer Strafraum zu Genki Haraguchi, der aus halbrechter Position aufs Tor zulief. Marius Müller warf sich energisch und ungestüm in den Gegner und holte ihn von den Beinen. Logische Konsequenz, Strafstoß und gelb-rote Karte für den Lauterer Torhüter. Trainer Hans-Werner Moser nahm Ruben Jensen vom Feld und stellte Jan-Ole Sievers zwischen die Pfosten. Der Gefoulte selbst führte den Strafstoß aus und traf zum Ausgleich. Mit den Fingerspitzen war die Lauterer Nummer zwei im Tor zwar noch dran. Der 1.FCK bemühte sich trotz Unterzahl weiter nach vorne zu spielen, insgesamt jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Lediglich ein Freistoß von Brandon Borrello versprühte noch einmal Gefahr, als Sebastian Andersson zum Kopfball kam, das Tor jedoch knapp verpasste (71.).

Nur 21.739 Zuschauer kamen gestern ins Stadion ()Foto: www.der-betze-brennt.de

Nur 21.739 Zuschauer kamen gestern ins Stadion ()Foto: www.der-betze-brennt.de

Die Düsseldorfer hatten nun nicht nur Aufwind, sondern auch fortan klar das Heft in der Hand. Der Körpersprache der Mannschaft um Kapitän Christoph Moritz war nicht die nötige Trotzreaktion abzulesen. Aber auch das Publikum ergab sich eher in lähmende Schockstarre. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die dezimierten Lauterer gegen die weiter druckvoll aufspielenden Gäste völlig zusammenbrechen würden. In der 78. Minute war es dann so weit. Jean Zimmer schickte auf rechts Benito Raman, der an Christoph Moritz und Leon Guwara vorbeizog, zum Abschluss kam und das Leder unhaltbar ins lange Eck schlenzte. Nun schien die Resignation komplett, auf dem Rasen und auf der Tribüne. In der Schlussminute setzte der Gast aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt den Schlusspunkt. Bei einem Konter schickte Genki Haraguchi Lukas Schmitz, der frei vor Jan-Ole Sievers auftauchte und zum 1:3 Endstand einschob (90.).

Die Düsseldorfer Bank bejubelt den Siegtreffer (Foto: Thomas Füssler)

Die Düsseldorfer Bank bejubelt den Siegtreffer (Foto: Thomas Füssler)

Dass die Mannschaft zaghafte Fortschritte macht, ist sichtbar. Für die Herkules-Aufgabe Klassenerhalt wird entscheidend sein, mit welcher Geschwindigkeit sich einzelne Mannschaftsteile und einzelne Spieler weiter entwickeln. Es wird schwierig, die gestrige Niederlage, die damit verbundenen unglücklichen und unnötigen Schlüsselszenen und die ungewisse Zukunft von Jeff Strasser aus den Köpfen zu bekommen. Laut sportlicher Leitung sollen bis zum Ende des Transferfensters am kommenden Mittwoch noch zwei Neue kommen. Eine heikle Aufgabe auch diese schnell zu integrieren, weitere sichtbare und effektive Entwicklungsschritte nach vorne zu bringen und bis zum nächsten schweren Auswärtsspiel den Willen und den Glauben aufrecht zu halten, dass dies alles noch zu einem guten Ende führen kann.

Lichtblick für den Rest der Rückrunde, Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Lichtblick für den Rest der Rückrunde, Jan-Ingwer Callsen-Bracker (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Es stehen nun noch 15 Spiele aus und hier ist dann erst Schluss, wenn rechnerisch nichts mehr geht. Basta! Bemerkenswert waren gestern sicher auch die aufmunternden Worte vom ehemaligen FCK-Spieler und jetzigen Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. „Diese Mannschaft, dieser Verein darf nicht aufstecken. Es ist noch alles möglich, es sind noch genügend Spiele. Und dafür muss man zusammenhalten, dafür muss ganz Kaiserslautern zusammenhalten. Dafür müssen die Fans, hinter ihrer Mannschaft stehen. Sie müssen alle zusammen versuchen, dieses Ziel, was noch machbar ist, zu erreichen.“ Vielleicht sollten sich einige der Fans, die gestern ihren Glauben scheinbar verloren haben, von den Worten des Gegners mal ein paar Scheiben abschneiden.

mg


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