Erleichterung und Aufatmen rund um den Betzenberg

Rote Teufel treffen wieder, 2:0 Heimsieg gegen Fürth

Jubel nach dem zweiten Tor, Torschütze Christoph Moritz inmitten seiner Kollegen (Foto: Thomas Füssler)

Jubel nach dem zweiten Treffer, Torschütze Christoph Moritz inmitten seiner Kollegen (Foto: Thomas Füssler)

Ein gewaltiger Druck lag fühlbar in der Luft, als gestern der 1.FCK und Greuther Fürth den Rasen des Fritz-Walter Stadions betraten. Vor allem bei den Lauterer Fans unter den (leider nur) 21.812 Besuchern. Wer im Vorfeld der Partie im Stadionumlauf unterwegs war, um ein wenig Stimmungsbilder einzufangen, bekam wenig trotzige Entschlossenheit mit. Da schwangen in vielen Dialogen eher Skepsis, Pessimismus und düstere Prognosen bei jenen mit, die sich innerlich auf das so wichtige Heimspiel zum Ende der englischen Woche vorbereiteten. Am Vorabend war der 1.FCK durch die Auswärtssiege von St.Pauli und Arminia Bielefeld bereits auf den Relegationsplatz abgerutscht, ohne auch nur einen einzigen Ball selbst gespielt zu haben. So gingen auch die Akteure im roten Trikot mit einem gewissen mulmigen Gefühl in die Partie. Das Tabellenbild sprach Bände und die Jungs von Norbert Meier waren sich der brenzligen Situation im Abstiegskampf durchaus bewusst, wie nach Abpfiff der gestern überragend spielende Christoph Moritz attestierte. Doch Jaques Zoua (20.) und Christoph Moritz (39.) legten mit zwei sehenswerten Treffern bereits im ersten Durchgang den Grundstein für den wichtigen sechsten Heimsieg der Saison.

Lieferte eine überragende Partie ab, Christoph Moritz (Foto: Thomas Füssler)

Lieferte eine überragende Partie ab, Christoph Moritz (Foto: Thomas Füssler)

Trainer Norbert Meier war schon vor dem Anpfiff zum Improvisieren gezwungen. Daniel Halfar musste mit muskulären Problemen passen. Für ihn kam Sebastian Kerk in die Startelf, die in einem variablen 5-1-2-2 System in die Partie ging. Die Roten Teufel begannen entschlossen, versuchten früh die seit neun Spielen ungeschlagenen Franken zu stören. Doch die erste Möglichkeit in der Anfangsphase hatten die Gäste, als Khaled Narey das Leder bei einer Direktabnahme über den Kasten von Julian Pollersbeck jagte (10.). Die erste richtig gute Chance des FCK führte dann auch direkt zum Führungstor. Tim Heubach hebelte in der 20. Minute mit einem präzisen langen Ball die gesamte Fürther Defensive aus, Jaques Zoua nahm im Lauf gefühlvoll an und schob den Ball trocken unten links ins Netz. Ein erster Stein der Erleichterung polterte von den Tribünen. Übrigens war gestern über 90 Minuten Tim Heubach deutlich positiver aufgefallen als in den Partien zuvor. Nicht nur, dass er sich gewohnt beherzt mit unbändiger Leidenschaft in die Bälle warf. Auch sein Aufbauspiel konnte sich gestern sehen lassen. In den zurückliegenden Wochen war es vor allem der junge Blondschopf, der die Zuschauer trotz seiner soliden Abwehrarbeit mit verhaltener Querspielerei oder Rückpässen häufig zur Verzweiflung brachte. Ganz anders gestern. Sicheres Passspiel nach vorne, mutige lange Bälle, energische Offensivantritte. Das belebte das Lauterer Angriffsspiel und brachte die Gäste öfter in Verlegenheit als denen lieb sein konnte. Weiter so, Tim!

Das 1:0 ist unterwegs; Jaques Zoua (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Das 1:0 ist unterwegs; Jaques Zoua (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ein überragendes Spiel lieferte gestern Christoph Moritz ab, das er selber mit seinem ersten Treffer im Trikot des 1.FC Kaiserslautern krönte. Nach toller Vorarbeit mit einem feinen Dribbling auf der linken Außenbahn leitete der Ex-Mainzer einen schnellen Konter ein, bei dem der Ball über Sebastian Kerk zu Philipp Mwene kam. Der quirlige Flügelflitzer hob das Leder aus halbrechter Position gekonnt über die Fürther Abwehr in den freien Raum genau auf den Fuß des mitgelaufenen Christoph Moritz, der nicht lange fackelte und die Kugel vorbei an Torhüter Balazs Megyeri halbhoch ins Netz schoss. Der 1.FCK trifft wieder! In den Jubelszenen auf den Rängen war viel Erleichterung zu spüren. Bis zum zweiten Lauterer Treffer war von den Gästen nicht sonderlich viel zu sehen. Deren Angriffsbemühungen endeten meist schon vor dem Lauterer Strafraum, weil der FCK früh attackierte und beherzt gegen den Ball arbeitete. Bei den wenigen Szenen, die in Torannäherung mündeten, leistete die FCK-Defensive solide Arbeit mit hoher Konzentration und viel Leidenschaft. Ewerton mit viel Ruhe, Stipe Vucur und Tim Heubach mit viel Auge, leidenschaftlichem Körpereinsatz bei der Defensivarbeit und beherzten Aktionen im Umschaltspiel taten Lauterer Spiel gut. Vor allem die Dreierkette spielte gestern bockstark!

Jaques Zoua beim Torjubel (Foto: Thomas Füssler)

Jaques Zoua beim Torjubel (Foto: Thomas Füssler)

Das war auch in Halbzeit zwei so, nachdem der FCK etwas zurückschaltete und die Gäste aus dem Frankenland nun mit hoher Ballbesitzquote auf den Anschlusstreffer spielten. Aber die Roten Teufel warfen bei der Abwehrarbeit alles in die Waagschale. Trotz 70 Prozent Ballbesitz gelang es der Spielvereinigung nicht überdurchschnittlich viele Chancen herauszuspielen. Selbst bei gefährlichen Standards ließ der FCK nichts anbrennen. Lediglich in der 57. Minute gab es eine brenzlige Situation. Aber ein satter Schuss des eingewechselten Sercan Sararer nach einer Ecke konnte mit viel Körpereinsatz geblockt werden. Norbert Meier brachte im zweiten Durchgang mit Lukas Görtler für Sebastian Kerk (61.), Robert Glatzel für Osayamen Osawe (74.) und Kacper Przybylko für Jaques Zoua (86.) nochmal drei frische Offensivkräfte. Der FCK blieb so auch bis zum Abpfiff bei Kontern immer gefährlich, wobei man die eine oder andere der spärlichen Entlastungsszenen im zweiten Durchgang hätte besser zu Ende spielen können. Aber der Mannschaft war auch anzumerken, dass die drei Partien der Englischen Woche viel Kraft gekostet hatten. Fürth hatte zwar deutlich mehr vom Spiel, ließ es aber an zündenden Spielideen vermissen und fand so in der souveränen Lauterer Defensive kein Durchkommen. So blieb es am Ende der 90 Minuten beim hochverdienten 2:0 Sieg für den FCK! Ein wichtiger Sieg im Saisonendspurt.

Vorbild an Einsatz, Kampfgeist und Leidenschaft, Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Vorbild an Einsatz, Kampfgeist und Leidenschaft, Marcel Gaus (Foto: Thomas Füssler)

Die Kulisse hatte das Team über die gesamte Spielzeit grandios unterstützt. Jede beherzte Aktion, jeder geblockte Ball, jede Balleroberung wurden lautstark und teils frenetisch gefeiert und bejubelt. Phasenweise wurde auch der Gegner bei Ballbesitz ausgepfiffen. So etwas bleibt auch bei einer Gästemannschaft nie ganz ohne Wirkung. So gesehen auch auf den Rängen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Mentalitätsschub nicht nur der Anspannung vor der gestern so wichtigen Partie geschuldet war. Diese Gepflogenheiten beim Support gehören auch in Zukunft bei Heimspielen wieder dauerhaft etabliert und ausgebaut. Wobei da nicht ausschließlich die Westtribüne gemeint ist. Hier sollte jeder Besucher die Pflicht verspüren, sich einzubringen und ordentlich Rabatz zu machen. Wenn die Fan-Gemeinde von der Mannschaft zu Recht Leidenschaft, Einsatz, Kampf und spürbaren Willen erwartet, dann gehören die gleichen Attribute auch zum Support auf der Tribüne, um wieder zurück zu früherer Betze-Kultur zu finden.

In den verbleibenden Heimspielen könnten durchaus auch mal ein paar tausend Besucher mehr den Weg ins Stadion finden! Vor allem diejenigen, die bisher zuhause geblieben waren und ihren Pay-TV-Decoder oder Computer genutzt haben, um die Spiele zu verfolgen. FCK-Fans gehören bei Heimspielen nicht vor die Glotze oder den PC, sondern ins Stadion, basta!

Gut gefüllte Westtribüne bei insgesamt leider nur 21.812 Besuchern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gut gefüllte Westtribüne bei insgesamt leider nur 21.812 Besuchern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der gestrige Sieg bleibt natürlich nur eine Momentaufnahme. Die Situation im unteren Tabellendrittel bleibt weiter verdammt eng. Wobei man da durchaus auch Tabellenränge von weiter oben in die Betrachtung einbeziehen kann. Zwischen Platz sieben und Platz siebzehn liegen nur 7 Punkte Abstand. Für den FCK sind es vor Abschluss des 28. Spieltages nach unten noch immer nur magere drei Punkte, beim Blick Richtung einstelligem Tabellenplatz sind es allerdings auch nur zwischen zwei (Platz 9) oder vier Punkten (Platz 7). Doch die Mannschaft tut gut daran weiter den Blick nach unten zu richten und die Gefahr des Abstiegsstrudels weiter im Auge zu behalten und ernst zu nehmen. Einfach in den verbleibenden sechs Spielen – dreimal auswärts, dreimal vor heimischem Publikum – mit der gleichen Einstellung und beherzten Spielweise zu Werke zu gehen wird eine wichtige Voraussetzung sein, weitere notwendige Erfolge einzufahren.

Schulterschluss, erster Ausflug der Mannschaft zum Zaun vor der Westtribüne (Foto: Thomas Füssler) Foto: Thomas Fuessler, URL: www.thomas-fuessler.de, Thomas Fuessler, Langflur 2, 66894 Bechhofen, Tel.: 0049170-1850761   Veroeffentlichung nur gegen Honorar auf mein Konto bei der Sparkasse Suedwestpfalz, Konto-Nr. 75049395, BLZ 542 500 10

Schulterschluss! Erster Ausflug der Mannschaft zum Zaun vor der Westtribüne in der laufenden Saison (Foto: Thomas Füssler)

Laut Christoph Moritz braucht man noch drei Siege, um die Saison sicher über dem Strich abschließen zu können. Immerhin geht es noch gegen drei Mitkonkurrenten im Absiegskampf. Zuhause gegen den TSV 1860 München (21.04.) und gegen den FC St.Pauli (05.05.) sowie auswärts in Karlsruhe (29.04.). Doch schon die nächste Aufgabe hat es in sich. Am Ostersonntag gastiert der FCK beim Aufstiegsanwärter FC Union Berlin. Aktuell die zweitbeste Heimmannschaft in der laufenden Saison. Aber Bange machen gilt nicht. Immerhin hat es Erzgebirge Aue als Mitkonkurrent im Abstiegskampf Mitte der Woche vorgemacht und dort am letzten Spieltag überraschend einen knappen Auswärtssieg gelandet. Warum sollte das nicht auch den Roten Teufeln gelingen.

mg


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