Anspruch und Wirklichkeit klaffen weiterhin auseinander

Der 1.FCK verpasst beim torlosen Remis gegen den KSC Trendwende

Am Ende hieß es 0:0 im pfälzisch-badischen Duell (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Am Ende hieß es 0:0 im pfälzisch-badischen Duell (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Auch im dritten Aufeinandertreffen in Folge beim pfälzisch-badischen Duell zwischen dem 1.FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC prangte im Fritz-Walter-Stadion am Ende ein torloses 0:0 auf der Anzeigetafel. Erstmals in der dritten Liga. In einer fußballerisch wenig überzeugenden aber streckenweise emotional geführten Partie zwischen den beiden Südwestrivalen überzeugten vor allem die beiden Keeper, die mit teils herausragenden Glanzparaden entscheidenden Anteil daran hatten, dass am Ende auf beiden Seiten die Null stand. Wobei natürlich auch die mangelnde Treffsicherheit beider Angriffsreihen einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hatte. Der KSC durfte dabei im ersten Durchgang ein Chancenplus verzeichnen, die Roten Teufel hatten hierbei in der zweiten Halbzeit leicht die Nase vorn. Beide Clubs, die in der Vorwoche jeweils vor heimischem Publikum mit einer krachenden Klatsche aus der ersten Pokalrunde rausgeflogen waren, hatten Wiedergutmachung angekündigt. Vor 27.343 reichte es aber am Ende nur zu einem torlosen Remis.

27.242 Zuschauer fanden den WEg ins Stadion (Foto: www.der-betze-brennt.de)

27.343 Zuschauer fanden den WEg ins Stadion (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Kämpferische Worte waren vor dem Derby vom Betzenberg zu hören. Es gehe um mehr als drei Punkte und man wolle Akzente im Derby setzen, kündigte unter anderem Trainer Michael Frontzeck an. „Unser Anspruch ist, zuhause gegen den KSC ein Feuerwerk abzuliefern. Da gibt’s kein Schutzschild, keine Ausreden. Wir müssen voll auf Sieg spielen“, zeigte sich auch Jan Löhmannsröben, der im Pokal gegen Hoffenheim erstmals bei einem Pflichtspiel in der Startelf stand, kämpferisch und gab vor der Partie die Marschrichtung vor. Auch Lukas Spalvis gab nach der bitteren Pokalpleite in der Trainingswoche zu Protokoll, „es zählen nur drei Punkte. Alles andere wäre eine Enttäuschung“. Ergebnistechnisch wurde es dann so gesehen auch eine Enttäuschung. Zumindest ist es der Mannschaft am gestrigen Tag gelungen, in der Anfangsphase ein anderes Gesicht zu zeigen und schneller ins Spiel zu finden als in den zurückliegenden Partien. Gereicht hat es bis zum Pausenpfiff dennoch nur zu einer klaren Torchance, als Lukas Spalvis nach Vorabreit von Christoph Hemlein das Leder über den Kasten beförderte.

Mit Maske gegen Ball und Gegner, André Hainault (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit Maske gegen Ball und Gegner, André Hainault (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Da sorgten die Offensivakteure im dunkelblauen Dress im ersten Durchgang schon für mehr Aufreger. Bereits in der 9. Minute tauchte Marvin Pourié bei einem Konter alleine vor dem Lauterer Gehäuse auf, doch der herauslaufende Jan-Ole Sievers klärte mit Bravour. Nach etwas mehr als einer halben Stunde prüfte Martin Röser den Lauterer Keeper mit einem satten Distanzschuss (32.). Kurz vor dem Kabinengang verfehlte Marvin Wanitzek mit einem Schuss aus 20 Metern knapp das Tor (42.). Auch Kapitän Marvin Pisot scheiterte mit einem wuchtigen Granate aus 25 Metern an Jan-Ole Sievers (45.). Dabei sah alles was die Mannschaft von Michael Frontzeck gestern vom Anpfiff weg in die Waagschale warf zunächst sehr gefällig aus. Gelungene Spielzüge über die Flügel, Zug nach vorne, bissige Zweikämpfe. Die Einstellung schien zu stimmen. Was den Roten Teufeln lediglich fehlte, waren die Entschlossenheit, der Mut und die Effektivität, gute Ansätze auch sauber zu Ende zu spielen. Wenn die Bälle ganz vorne nicht mit der nötigen Präzision ankommen, wird sich die Quote von Timmy Thiele und Lukas Spalvis vermutlich auch nicht wesentlich verbessern.

Engagiert aber auch gestern ohne Akzente, Timmy Thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Engagiert aber auch gestern ohne Akzente, Timmy Thiele (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit zunehmender Spieldauer verabschiedete sich die Mannschaft jedoch von ihrer munteren Spielweise und suchte beim Spielaufbau wieder öfter ihr Heil in langen Bällen. Doch wenn auch die nicht ankommen und die Balleroberung nicht effektiv greift, kommt ein Gegner wie der KSC eben auch besser ins Spiel. Spätestens nach einer halben Stunde hatte der FCK das Heft des Handelns aus der Hand gegeben und sah sich mehr und mehr unter Druck. Es war lediglich dem nicht minder auffälligen Unvermögen der Karlsruher Offensivakteure geschuldet, die beispielsweise in der 34. Minute einen Konter kläglich verdaddelten, beziehungsweise den glänzenden Reflexen und mutigen Paraden von Jan-Ole Sievers zu verdanken, dass die Gäste zur Pause nicht schon vorgelegt hatten. So ging es mit einem für den FCK letztlich schmeichelhaften Remis und mit einer hörbar raunenden Kulisse in die Pause.

Hatte in der ersten Halbzeit eine gute Möglichkeit, Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Hatte in der ersten Halbzeit eine gute Möglichkeit, Lukas Spalvis (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Der FCK kam allerdings deutlich druckvoller und engagierter als die Badener aus der Kabine, nahm vom Anpfiff an das Heft in die Hand und drängte den KSC bis in den eigenen Strafraum. Binnen sechs Minuten holten die Gastgeber sechs Ecken raus, wobei Mads Albaek bei zumindest einer zu einer guten Kopfballmöglichkeit kam (52.). Es war auch Mads Albaek, der nach gutem Zuspiel des gestern sonst völlig desolaten Hendrik Zuck, von der Strafraumgrenze zum Abschluss kam, aber am ebenfalls glänzend aufgelegten Karlsruher Keeper scheiterte (56.). Nach gut einer Viertelstunde jedoch ließ der Offensivdruck des FCK bereits wieder nach und erhielt mit der verletzungsbedingten Auswechslung von Lukas Spalvis endgültig einen Bruch (62.). So bekamen die Gäste wieder mehr Zugriff aufs Spiel und setzten in der Schlussviertelstunde noch zweimal richtige Duftmarken. In der 75. Minute prüfte Florent Muslija erneut Jan-Ole Sievers. Justin Möbius fand in der Nachspielzeit im Lauterer Keeper seinen Meister. Aber auch der FCK hatte noch gute Möglichkeiten. Der eingewechselte Florian Pick zwang in der 73. Minute den Karlsruher Torsteher zu einer ersten und in der Nachspielzeit mit einem satten Hammer zu einer zweiten Glanzparade (90.+1).

Mit einer Knieverletzung musste der Lituaer in der 62. Minute raus (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Mit einer Knieverletzung musste der Lituaer in der 62. Minute raus (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Gerade die Schlussphase der Partie war insgesamt von vielen Unterbrechungen und Nickligkeiten geprägt, wobei auch eine unübersichtliche Rudelbildung, bei der Akteure aus beiden Lagern zu Boden gingen, noch einmal für viel Aufregung sorgte. Der nicht immer souveräne Guido Winkmann zeigte auch lediglich dem Karlsruher Auslöser den gelben Karton und nahm einige weitere Streithähne lediglich verbal in die Pflicht. Am Ende blieb es beim mageren 0:0 Unentschieden. Für den 1.FCK nach allen Vorschusslorbeeren der letzten Tage definitiv zu wenig. Die Fans hatten hier deutlich mehr erwartet. Vielleicht auch gerade in der Schlussphase. Aber da dürfte für die Akteure im roten Dress auch die Erinnerung an die Heimpartie gegen Preußen Münster ein mentaler Bremsklotz gewesen sein. Mit lediglich einem Sieg aus bislang fünf Ligaspielen sowie zwei Unentschieden und zwei in ihrer Entstehung mehr als bitteren Niederlagen findet sich der FCK in der unteren Region der Tabelle wieder. Für eine Mannschaft, die quasi zum Aufstieg verdammt wurde, eine Momentaufnahme bei der Anspruch und Wirklichkeit jedoch (noch) weit auseinander klaffen.

Emotionale Zusammenkunft, Christoph Hemlein umringt von Karlsruher Spielern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Emotionale Zusammenkunft, Christoph Hemlein umringt von Karlsruher Spielern (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Aber nicht nur das Punktekonto treibt so manchem Fan und womöglich auch Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn. Es ist vielmehr das bisherige teils ambivalente Auftreten der Mannschaft. Die verbalen Standortbestimmungen vermitteln mitunter durchaus Charakter. Doch was letztlich geliefert wird, hat damit am Ende nicht viel mit den markigen Worten zu tun. Natürlich braucht eine neu formierte Mannschaft Zeit. Zeit die der FCK allerdings nicht hat. Dass streckenweise vieles im Zusammenspiel auf dem Feld, wie beispielsweise Laufwege oder blindes Verständnis, noch nicht stimmt und noch nicht klappt, das sieht man mehr als deutlich. Dass aber fußballerisch auch immer wieder Basics defizitär daherkommen, bereitet beim Zuschauen schon Sorge. Dazu gehören Passgenauigkeit und Präzision, was auch immer wieder die Effektivität im Umschaltspiel zunichte macht. Aber auch die Fähigkeit zu antizipieren, um Lücken zu erkennen und der Mut, mal den Abschluss zu suchen. So hätte in der Schlussphase Florian Pick mehr als einmal mehr Gefahr kreieren können, wenn er nicht zu ballverliebt agiert hätte.

Ernüchterung nach dem Schlusspfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Ernüchterung nach dem Schlusspfiff (Foto: www.der-betze-brennt.de)

Den Fans war das gestern zu wenig. Das war nach dem Abpfiff deutlich zu hören. Die Mannschaft erntete beim Gang in die Kurve zahlreiche Pfiffe, die nicht nur die gestrige Darbietung quittierten, sondern mit Blick auf die ersten fünf Spiele sicher auch die magere Punkteausbeute und das daraus resultierende Tabellenbild. „Wir müssen in den nächsten Spielen anfangen dreifach zu punkten“, nahm auch Michael Frontzeck sein in Team mit Blick auf die kommenden Herausforderungen in die Pflicht. „Ich bin von der Mannschaft immer noch überzeugt, aber sie muss liefern“, schlug auch Vorstandsvorsitzender Michael Klatt schon vor der gestrigen Partie in einem kurzen Gespräch in die gleiche Kerbe. Nach den beiden liegengelassenen Punkten von gestern somit eine umso deutlichere Forderung für die Aufgabe beim FSV Zwickau am kommenden Samstag. Entschlossene Worte, die den Anspruch der Club-Verantwortlichen und der Fangemeinde widerspiegeln. Hoffen wir mal, dass die Wirklichkeit an das Anspruchsdenken möglichst schnell aufschließen kann.

mg


Kommentare

Anspruch und Wirklichkeit klaffen weiterhin auseinander — 1 Kommentar

  1. Hallo,

    ich habe schon in der letzten Spielrunde nach 5 Spieltagen gesagt, dass der FCK absteigen wird. Von da an habe ich mir auch kein Spiel mehr angeschaut. Leider ist es dann auch so gekommen. Jetzt sind 5 Spiele in der 3. Liga gemacht und die Situation ist die gleiche. Wenn die Verantwortlichen nicht bald etwas ändern wird es in dieser Runde wieder so kommen. Notzon ist ein Träumer und hat keine Ahnung, daher unbrauchbar. Frontzeck der falsche Trainer. Und leider sind auch viele Spieler zu schlecht um ihr Geld mit Fußballspielen verdienen zu können. Bei denen reicht es für die Verbandsliga, vielleicht noch für die Oberliga aber nicht für mehr. Wie will man da einen Sponsor finden ? Geld zum Fenster rauswerfen kann man überall. Wenn nicht schnell etwas passiert geht der FCK unter. Aber auch die Vereinsmitglieder haben daran eine Schuld. Sie haben vor vielen Jahren diese Nichtkönner gewählt oder bestätigt. Da passt dann mal wieder dieser Spruch: nur die aller dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Ich habe nur meine Meinung gesagt.

    Gruß
    Helmut

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