…and the winners are…

Frenetic Youth, FC Welcome Neustadt und Queer Devils gewinnen ersten ToG-Preis

Erstmal in diesem Jahr vergeben, der "Tribüne-ohne-Grenzen"-Preis (Foto: Fanprojekt Kaiserslautern)

Erstmals in diesem Jahr vergeben, der „Tribüne-ohne-Grenzen“-Preis (Bild: Fanprojekt Kaiserslautern)

Im Jahr 2012 wurde das Fanprojekt Kaiserslautern mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Eine vom DFB gestiftete Auszeichnung, die seit 2005 jährlich vergeben wird. Der DFB ehrt damit Personen und Organisationen, die in besonderer Weise ihre gesellschaftliche Position nutzen, um sich für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzusetzen. Das Preisgeld in Höhe von 20.000€ wird jährlich anteilig, je nach Platzierung, an die drei Preisträger verteilt. Die Leiter des Fanprojektes in Lautern wollten einen Teil des Preisgeldes von 2012 dazu verwenden, einen eigenen Wettbewerb zu finanzieren. So wurde in diesem Jahr erstmals der „Tribüne-ohne-Grenzen“ Preis (ToG) initiiert. Dabei sollen in Anlehnung an den Julius-Hirsch-Preis rund um Kaiserslautern künftig Projekte, Gruppen und Initiativen ausgezeichnet werden, die sich bereits in der Antidiskriminierungsarbeit engagieren, die mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum Abbau von Barrieren und Grenzen leisten oder die mit einem Projekt dieser Art in den Startlöchern stehen. Gestern wurden die Preisträger des Jahres 2016 nun offiziell bekannt gegeben. Ausgezeichnet werden die Ultra-Gruppe Frenetic Youth mit ihrem Projekt „Pfandkiste“, die Initiative „FC Welcome Neustadt“ aus der Weinbaugemeinde an der Deutschen Weinstraße mit den beiden Initiatoren und zuletzt auch die Queer Devils, der schwul-lesbische Fanclub des 1.FCK, mit seinem Einsatz und Engagement bei den „IDAHOT-Aktionswochen“ in Kaiserslautern. Glückwunsch allen drei Gewinnern!

Die Jury bei der Arbeit (Foto: Fanprojekt Kaiserslautern)

Die Jury bei der Arbeit (Foto: Fanprojekt Kaiserslautern)

Insgesamt sechs Projektbewerbungen von fünf unterschiedlichen Initiativen, Gruppen und Vereinen waren bis Mitte September bei den Verantwortlichen des Lauterer Fanprojektes eingegangen. Eine Jury bestehend aus dem Team des Fanprojektes (Christian Hirsch, Michelle Deckarm und Stefan Michels), einer Honorarkraft (Florian Meyers) sowie Janina Ritter, die schon bei der Ausarbeitung des „Tribüne-ohne-Grenzen“-Preises mitgewirkt hat. Alle eingereichten Bewerbungen wurden von der Jury durchgearbeitet und anhand detaillierter Kriterien diskutiert. Die Mitglieder der Jury zeigten sich durchweg begeistert, welche Resonanz der ToG-Preis bereits in seinem ersten Jahr erhalten hat. Alle sechs Bewerbungen seien thematisch mit dem Finger am Puls der Zeit gewesen. Man zeige sich sehr erfreut darüber und gleichzeitig erleichtert, dass es in der Region Kaiserslautern und darüber hinaus viele engagierte Menschen gebe, welche sich wichtige Gedanken machen, ihre Konsequenzen daraus ziehen und dementsprechend handeln würden. Alle Projekte hätten das Motto des Preises verstanden und verinnerlicht, Barrieren jeglicher Art zu überwinden und Grenzen zu durchbrechen. Sie tragen dazu bei, dass gesellschaftliche Barrieren abgebaut werden sowie Vorurteilen und Diskriminierungen entgegengearbeitet wird. Nach einigen Treffen, regem Austausch und intensiven Diskussionen hat man sich vergangene Woche auf drei Projekte geeinigt, die nun mit dem mit jeweils 750€ dotierten Preis ausgezeichnet werden. „Wir sind besonders stolz, dass wir als FCK-Fanclub mit unserer Bewerbung rund um unseren Beitrag zu den IDAHOT-Aktionswochen die Jury überzeugen und nun eine der drei Gewinner-Platzierungen erreichen konnten“, freute sich Markus Pfalzgraf vom Vorstand der Queer Devils.

Gewann 2012 den Julius-Hirsch-Preis, AWO-Fanprojekt Kaiserslautern (Bild: Fanprojekt Kaiserslautern)

Gewann 2012 den Julius-Hirsch-Preis, AWO-Fanprojekt Kaiserslautern (Bild: Fanprojekt Kaiserslautern)

Als im April die Bewerbungsphase für den ToG-Preis anlief, waren die Akteure bei den Queer Devils noch mitten in den Vorbereitungen zu den Aktionswochen in Kaiserslautern. Bis in den Frühsommer hielten Durchführung und Teilnahme an den zahlreichen Events auf Trab. Während der Fußball in die Sommerpause ging, standen gemeinsam mit den anderen queeren Gruppen die Nachbearbeitung, Analysen und trockene Abrechnungsprozesse auf der Tagesordnung. Nach Abschluss auch der letzten Aufgaben zu den Veranstaltungen im Frühjahr, wurde im Vorstand der Beschluss gefasst, für den ToG-Preis eine Bewerbung auszuarbeiten und einzureichen. Im Mittelpunkt der Fanclub-Bewerbung, die Events, Aktionen und Beiträge zu den IDAHOT-Aktionswochen in Kaiserslautern im Frühjahr 2016.

Die Planungen für die IDAHOT-Aktionswochen begannen bereits im Sommer 2015. Die Queer Devils als zweitgrößte queere Gruppe in und um Kaiserslautern war von Anfang an dabei. Bereits früh wurden Gespräche mit der Stadt und insbesondere mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel geführt, der schon früh die Zusage für die Übernahme der Schirmherrschaft zugesichert hatte.

Gut besucht und viel Raum für Begegnung, Grillfest der Queer Devils zum IDAHOT (Foto: mg)

Gut besucht und viel Raum für Begegnung, Grillfest der Queer Devils zum IDAHOT (Foto: mg)

Es konstituierte sich ein aus Vertretern der meisten Gruppen zusammengesetztes Organisationsteam. Die Queer Devils übernahmen hier unter anderem die Mitverantwortung für die Pressearbeit, beteiligten sich an der Gestaltung der gemeinsamen Webseite, übernahmen dabei das Verfassen von Texten und unterstützen fachlich bei der Bildbearbeitung und dem Layout von Veranstaltungsflyern oder Plakaten. Jede Gruppe hatte für sich die Aufgabe in den durch die eigene Ausrichtung entsprechend besetzten Themenfeldern Veranstaltungsbeiträge auf die Beine zu stellen. Heraus kam am Ende ein buntes und über mehrere Wochen dauerndes Programmangebot. Für den Fanclub sollten die eigenen Veranstaltungen einen möglichst direkten Bezug zum Thema Fußball und zur Fanszene haben. Schon früh war es gelungen die Zusage des 1.FCK für ein Mitwirken zu bekommen und den Verein als offiziellen Unterstützer der Veranstaltungswochen zu gewinnen. Im Spätjahr 2015 gab es erste Gespräche mit dem 1.FCK und bis ins Frühjahr 2016 folgten einige Arbeitstreffen zur Vorbereitung der gemeinsam getragenen Aktionen.

Sichtbare Zeichen setzten. Fotoevent im Stadion (Foto: Pfalzgraf)

Sichtbare Zeichen setzten. Fotoevent im Stadion (Foto: Pfalzgraf)

Die vom Fanclub kreierten und organisierten Veranstaltungsbeiträge sollten dabei wesentliche Kriterien erfüllen. Ganz vorne, Information und Aufklärung zum Thema Homophobie im Sport und hier insbesondere im Fußball. Auch die Ansprache der FCK-Fanszene als Zielgruppe sowie die eindeutige Positionierung und das Setzen von sichtbaren Zeichen waren den Organisatoren wichtig. Nach rund zehn Monaten standen ein Dutzend Sitzungstermine des Organisationsteams zu Buche, dazu für den Fanclub etliche Termine und Abstimmungsgespräche mit dem 1.FCK, zwei große Vorstandssitzungen und unzählige Stunden für Detailarbeit, Bastel-Aktionen, Stunden am Computer oder lange Vorbereitungsabende. Die vom Fanclub eingebrachten Veranstaltungen waren ein großer Erfolg. Dazu gehörten das Fanclub Grillfest und das KISS-THE-PRIDE Fotoevent im Fritz-Walter-Stadion. Auch die gemeinsam mit dem 1.FC Kaiserslautern organisierte Buchlesung zum Titel „Das Schweigen der Männer“ von Dirk Leibfried und Andreas Erb in den VIP-Räumen des Fritz-Walter-Stadions fand großen Zuspruch und auch mediale Beachtung. Hinzu kam auch die Mitwirkung an den gemeinsamen Veranstaltungen aller queeren Lauterer Gruppen, wie beispielsweise dem eigentlichen Aktionstag am 17. Mai an der Stiftskirche. Nach dem Ende der Aktionswochen war an den positiven Rückmeldungen deutlich zu spüren, dass die Fanclub-Beiträge vor allem im Umfeld des 1.FCK viel Zuspruch und viel Aufmerksamkeit erlangt hatten. Insofern ein toller Erfolg, auch wenn die eine oder andere Aktion noch etwas mehr Interesse und Zuspruch verdient gehabt hätte.

Veranstaltungsplakat zur Buchlesung im Mai (Bild: Queer Devils)

Veranstaltungsplakat zur Buchlesung im Mai (Bild: Queer Devils)

Die Verantwortlichen rund um das Fanprojekt zeigten sich glücklich, würdige Preisträger auszeichnen zu dürfen, deren Themen so unterschiedlich, wie wichtig sind. Das Fanprojekt möchte den ToG-Preis auch im kommenden Jahr wiederholen und zeigt sich schon jetzt gespannt auf die Bewerbungen für den ToG-Preis 2017! Für die Queer Devils laufen bereits die ersten Planungen und Vorbereitungen für eine ähnlich konzipierte Veranstaltungsreihe in Kaiserslautern im kommenden Jahr. Auch ohne ToG-Preis-Bewerbung. Dann wird grundsätzlich das Thema „Sport“ in den Fokus rücken. Hier werden sich die Queer Devils ganz besonders engagieren, da der Fanclub im Jahr 2017 sein zehnjähriges Bestehen feiert! Die Auszeichnung wird den drei Gewinnern am 19. November in den Räumen des Fanprojektes im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreicht. Das Preisgeld in Höhe von 750€ wird bei den Projekten der Queer Devils im kommenden Jahr dann auch eine sinnvolle Verwendung finden.

Die beiden anderen ToG-Preisträger aus diesem Jahr werden wir Ende der Woche noch in einem gesonderten Beitrag vorstellen und detailliert beleuchten. Und bis dahin lassen wir nun erst mal die Sektkorken knallen.

mg

 


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